Spanien


Kürzlich hatte ich einmal wieder die Gelegenheit, einige mir nicht bekannte Rotweine aus Spanien im mittleren Preissegment zu verkosten. Darunter waren einige Preziosen, die durch ihre Art aus dem großen See von Massengeschmacksweinen hervorstechen.

Ándalus Petit Verdot 2003. Die Weine des Principe Alfonso de Hohenlohe, einem Anghörigen eines eintausend Jahre alten fränkischen Adelsgeschlechts, waren mir schon früher aufgefallen. Der Prinz produziert in Andalusien. Neben dem Sherry sind andalusische Weine ja in Deutschland nicht gerade sehr bekannt, obwohl sie den momentan sehr hochfavorisierten süditalienischen Weinen mehr als Paroli geben können. Der Ándalus Petit Verdot ist verdammt gut, aber er ist ungewöhnlich, da diese Rebe sonst nie in reiner Form ausgebaut wird, sondern in Cuvées gemischt wird:

Petit Verdot (dt. ‚kleiner Grünling‘) ist eine sehr spätreifende Rebsorte. Ihr tanninreicher und säurehaltiger Wein wird in manchen Ortschaften des Bordeaux, v. a. in Margaux, in kleinen Teilen der Cuvée hinzugefügt, um dem Wein mehr Stärke und Langlebigkeit zu geben. Ansonsten wird die Rebe vor allem im heißen Südaustralien (z.B. Barossa Valley und Umgebung) angebaut, wo auch sehr kräftige, farbintensive und robuste, manchmal große Rebsortenweine aus ihr gekeltert werden. Kleine Anpflanzungen sind auch in Chile, Südafrika, Kalifornien, Neuseeland, Argentinien und der Schweiz bekannt. (aus Wikipedia)

Der Ándalus besticht durch seine tiefrote Farbe und seinen intensivern Geschmack nach Kirsche, Leder und Schokolade. Wirklich einen Versuch wert! (€25,90)

Ich bin ja im Rioja-Weinladen als der Mann bekannt, „der keinen Rioja mag“. Naja, das Etikett habe ich mir vermutlich verdient. Aber auch ich muss anerkennen, dass sich in Rioja in den letzten Jahren viel getan hat. Viele Riojas sind „moderner“ geworden, d.h. sie schmecken nicht mehr nur vordergründig nach Holz. Ich war sehr überrascht, zwei sehr spannende, außergewöhnliche Weine kennenzulernen, beide von der Kellerei Viña Ijalba. Das besondere an beiden Weinen ist, dass sie schon fast ausgestorbene oder vergessene Reben zum neuen Leben erwecken:

Ijalba Graciano, Crianza 2004:

Graciano gehört zu den seltensten Rebsorten in der Rioja. Ijalba ist im Besitz der größten Graciano-Rebfläche, in der nach traditioneller Weise angebaut wird: eine geringe Rebstockdichte (3500 pro ha) ergibt einen Ertrag von 4000 kg pro ha. (aus dem Katalog des Rioja-Weinladens).

Der Graciano hat eine tiefe dunkle Farbe, schmeckt nach Leder und Schokolade (könnte fast als Pinotage oder Shiraz durchgehen). Dunkle Früchte, kräftige Tannine und wenig Holz zur Abrundung. € 13 sind mehr als angemessen.

Aus der gleichen Kellerei kommt der Dionisos Ruiz Ijalba 2003, der sortenrein aus der Maturana-Rebe hergestellt wird, die fast ausgestorben ist. Weltweit existiert – immerhin oder gerade mal – eine Rebfläche von 2 ha. Ein leichter, wunderbar ausgewogener Wein mit dem Aroma von Johannesbeeren und Himbeeren, etwas Muskatnuss, der nach allem, nur nicht nach Rioja schmeckt. Wenn er nicht € 16,50 kosten würde, könnte man ihn jeden Tag trinken.

Und zum Schluss der Knaller. Zu seinem 25-jährigen Bestehen hat sich der Rioja-Weinladens eine Spezialabfüllung der Navarra-Kellerei Malumbres. Selección del Presidente 2002 ist eine Cuvee aus je 40% Granacha und Tempranillo, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Merlot, die 24 Monate im Barrique gelagert wird. Man muss diesem Wein viel Zeit geben, da direkt nach dem Entkorken der Fassgeschmack zu sehr hervorsticht. Nach dem Dekantieren oder ein paar Stunden nach dem Öffnen der Flasche kann hiervon keine Rede mehr sein – schwere und runde Aromen aus dunklen Beeren, viel Leder und Bitterschokolade machen aus dem Malumbres einen fulminanten Wein, der seine € 23 wert ist.

Alle vier Weine sind erhältlich bein Rioja-Weinspezialist, Berlin.

Fotos: Rioja-Weinspeziaist

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Leider hatte ich nur wenig Zeit, die Restaurant- und Barszene in Helsinki zu erkunden, bevor ich zu Freunden nach Mittelfinnland aufgebrochen bin. Diese charmante Stadt hat viel zu bieten, zu Preisen, die dann nicht so hóch liegen wie erwartet.

Zwei Restaurants – zwei Empfehlungen:

Das Aino, in der Nähe des Doms, wirbt mit finnischer Küche. Ein heller, Raum, angenehm dekoriert, genug Platz zwischen den Tischen für persönliche Gespräche und makellos freundlicher Service. Die Speisekarte bietet rustikale finnische Klassiker wie Brathering mit Kartoffelbrei und Rote Beete, oder Blinis mit Stör und Sauerrahm, aber auch feine Speisen wie Rentierfilet mit Crawberry-Sauce. Die Weinkarte ist ordentlich (aber wie in den meisten Restaurants in Finnland sind es die Weine, die einen tief in die Tasche greifen lassen). Warum nicht mal ein Bier, zum Beispiel das rote finnische Bitterbier Huvila E.S.B.?

Gleich um die Ecke liegt das Nuevo – wie der Name andeutet, ein spanisches Restaurant, dass aber sich weniger auf Tapas konzentriert als auf spanische Interpretationen klassischer und moderner Küche, wie z.B. warmer Ziegenkäse auf Blattsalat mit dickem Balsamico-Syrup (€ 8,50), oder Wachtel mit Foie Gras gefüllt, Wurzelgemüse und Perlhuhn-Consommé (€ 28,50). Die Weinliste mit spanischen und internationalen Weinen ist sehr anspruchsvoll und bietet einige außergewöhnliche Gewächse, wie z.B. Cuatro Pasos Mencia 2004, von Martin Codax aus Bierzo (€ 43), einer kleinen Region aus der innovative Weine kommen. Der Quatros Pasos kommt leicht aber doch mit interessanten Lakritzaromen und einem spannenden leichten Salzgeschmack daher (Nein, dem Koch war nicht der Salzstreuer ausgerutscht – wir probierten eine zweite Flasche). Belvini.de schreibt dazu:

Der Name Cuatro Pasos, auf Deutsch die vier Pfoten, stammt von der Entdeckung von vier Bärenpfoten in einer der höchsten Weinlagen, wovon die Trauben für diesen Wein stammen. Es gibt insgesamt vier Weinlagen Otero, Hornija, Corullón und Valtuille mit unterschiedlichen Bodeneigenschaften, wo die Trauben gelesen werden. Der Wein wird 12 Monate in Holzfässern von vier verschiedenen Holzarten ausgebaut, welche diesen unverwechselbaren Geschmack stark beeinflussen. Volle Frucht und ausgeprägte Tannine vermählen sich in diesem Rotwein zu einem opulent-feinnervigen Vergnügen! Ein besonderes Genusserlebnis!

RAVINTOLA AINO
Pohjoisesplanadi 21
00100 Helsinki
Tel.  (09) 624 327

Nuevo 
Sofiankatu 4
00170 Helsinki
Tel: (09) 677 101
E-mail: myyntipalvelu@royalravintolat.com

Foto: (1) drymartini, (2) Belvini.de