Restaurantkritik


Wer in China einmal in einer größeren Gruppe in einem lokalen Restaurant gegessen hat – egal in welchem Teil des Landes – findet keine Freude mehr an chinesischem Essen in Deutschland. Wegen der großen Vielfalt der Speisen, größer als in jedem anderen Land der Erde, habe ich normalerweise auch selten den Wunsch, etwas anderes als klassische chinesische Küche zu genießen. Aber wenn man sich länger in Beijing (Peking) aufhält, kann das schon einmal passieren.

Kulinarisch ist diese 20 Millionenstadt kosmopolitisch. Man kann alles essen, was es auch in jeder europäischen oder nordamerikanischen Großstadt gibt, und zusätzlich natürlich das große Angebot an Speisen aus den chinesischen Provinzen. Es gibt hier keine Ausrede dafür, schlecht zu essen oder etwa zu Kentucky Fried Chicken zu gehen (die Chinesen lieben KFC, es gibt eine Filiale an fast jeder Ecke).

Während meines kurzen Aufenthaltes in Beijing besuchte ich vier Restaurants. Von dreien (alle im Stadtteil Chaoyang) soll hier die Rede sein. Eigentlich gehe ich in China – wie in Italien – selten in die Restaurants der gehobenen Preisklasse. Der Standard von „gewöhnlichen“ Restaurants ist in beiden Ländern gewöhnlich so hoch, dass es kaum Sinn macht, viel Geld für gutes Essen auszugeben. Aber auf das Green-T-House in Beijing war ich wirklich gespannt – es gilt als das angesagte Restaurant der Stadt (wenn es nach der Oktoberausgabe des FEINSCHMECKERs geht).

Wer in Berlin das Shiro i Shiro liebt, findet hier – zumindest was das Design betrifft – noch eine Steigerungsstufe, aber auch viele verwandte Stilelemente. Zum Beispiel die weißen Lacktische, die es in beiden Restaurants gibt. Der zentrale Raum des Green-T-House ist von einer zusammenhängende Tischreihe dominiert; man sitzt also auf Tuchfühlung mit dem Nachbarn. An der Seite gibt es noch gemütliche Kuschelecken mit weißen Polstern, wo man im Liegen oder Sitzen oder Hocken trinken und essen kann. Und dann eben noch einzelne weiße Lacktische. Die Kerzen hängen an dünnen Fäden von der Decke herab. In der Nähe der Bar steht ein monumentaler Wachskoloss, in dem zehn Flammen brennen. Uns hat alle das Waschbecken in der Toilette fasziniert – ein Touchsensor löst einen kleinen Wasserfall über einen Breite von zwei Metern aus. Interessantes Spiel mit Beton und verschiedenen Hölzern. Das Design hört nicht bei der Einrichtung auf, sondern wird konsequent auf das Essen angewendet.

Aber das Essen und der Service: Wieder einmal hat sich die alte Regel bestätigt – gehe nie mit Bekannten in ein Lokal, dass Du selbst noch nicht ausprobiert hast (vor allem, wenn am Ende alle die Rechnung teilen). Leider hinkt das Geschmackserlebnis dem Design hinterher. Das Essen ist gut, aber dann doch eher gut präsentiert – auf jeden Fall nicht die Preiskategorie wert. Der Service hingegen ist so miserabel (bei Preisen, die in Peking ihresgleichen suchen), dass ich doch ein bisschen beschämt war. Die Englischkenntnisse der Mitarbeiter waren nicht ausreichend für den internationalen Standard. Überhaupt schien uns übereinstimmend, dass die Servicekräfte nicht wirklich geschult waren – gerade in einer Region, wo guter Service selbst in Eckkneipen selbstverständlich ist (mir wurde das Urteil von einem anderen in Peking ansessigen Bekannten, der die Gastroszene gut kennt, bestätigt). Eine Vorspeise wurde erst mit der Hauptspeise serviert, während eine Hauptspeise überhaupt nicht und erst nach mehrmaligem Nachfragen geliefert wurde (als alle anderen schon aufgegessen hatten). Man bekommt in Peking für ein Viertel des Geldes (wir zahlten ca. € 50 pro Person) mehr geboten – das Design natürlich ausgenommen.

Am nächsten Tag lies ich meine Pekinger Freunde die Wahl treffen. Wir gingen in das Beijing DaDong Roast Duck Restaurant, das mehrere Filialen in der Stadt hat. Das DaDong ist zwar auf Pekingente spezialisiert – die Speisekarte gleicht aber vom Umfang und von der Bebilderung her einem Versandhauskatalog: auf ca. 100 Seiten waren ca. 250 Gerichte, quer durch die chinesische Küche abgebildet. Man sollte in einer Gruppe von 5-8 Personen herkommen, um an einem runden Tisch mit Drehplatte eine möglichst große Variation von Speisen probieren zu können. Ente muss natürlich dabei sein. Dazu kommt ein Koch mit einem Arbeitstisch angerückt und schneidet das gebratene Tier in kleine Stücke, die man dann in kleine Pfannkuchen bettet, mit süßer Sojasauce bestreicht und mit Frühlingszwiebeln belegt. Auch alles andere – vom Quallensalat über gesottenes Rindfleisch bis hin zum grünen Gemüse mit Knoblauch war von bester Qualität.

Die Weinkarte lies nicht zu wünschen übrig – von einem Pomerol für € 1200 bis zu einer großen Auswahl australischen und europäischen Weinen ab € 30. Der Service war hier – wie zu erwarten – makellos. Hier gaben wir pro Person ca. € 14 für ein üppiges Mahl inklusive Bier aus.

Am letzten Tag, vor meinem Abflug nach Wuhan hatte ich keine Gesellschaft zum Essen, da ich mich kurz darauf noch mit Dan Stephenson, einem Mitglied der Bar-Consulting-Gruppe Alconomics, auf ein Bar Drinks in The Face treffen wollte. Also nutzte ich die Gelegenheit und habe gleich auch eines der beiden Restaurants des The Face ausprobiert. The Face hat Häuser in Beijing, Shanghai, Jakarta und Bangkok, die alle in asiatisch-kolonialem Stil eingerichtet sind. Es dominieren tropische Hölzer und dunkle Farben, das Licht ist gedämpft; alle Details sind wohl ausgewogen. Ein Platz für romantische Stunden. Chinesisches Essen gibt es hier nicht, stattdessen ein thailändisches und ein indisches Restaurant. Ich probierte letzteres aus und war mit meinem südindischen Lammcurry plus Naan außerordentlich zufrieden – von der Tatsache abgesehen, dass ich das einzige Rezept von der Karte gewählt hatte, dass mit zwei Chilischoten gekennzeichnet war, aber eher im Bereich des leicht scharfen angesiedelt war. Der offene Wein aus Australien war ordentlich aber nicht umwerfend. Für € 10-20 Euro kann man in The Face gepflegt essen und einen schönen Abend verbringen, vor allem, da man nur einen Raum weiter gehen muss, um zur Bar zu gelangen.

Auch hier dominieren dunkle und rote Töne, es gibt einen Billardtisch mit rotem Tuch und das Klackern der Kugeln wirkt wie ein Signal zum weiteren Entspannen. Man hat die Wahl zwischen einer gemütlichen Lounge, einem Außerbereich im begrünten Innenhof, sowie einem Platz an der Bar. Die Qualität der Cocktails ist von unterschiedlicher Qualität. Der klassische Martini war handwerklich gut gemacht, während der Daiquiri nicht unsere Zustimmung fand (hier ist man mehr auf Frozen Daiquiris mit Fruchtpürrees eingestellt). Aber man muss ja nicht unbedingt Coktails trinken – ein Bier oder ein Glas Wein tut es ja auch, und die Atmosphäre und die Qualität des Service lädt dazu ein, einen Abend im The Face zu verbringen.

Schließlich noch ein kleiner Abstecher ins Centro, einer Bar im Hotel Kerry Centre, die mir schon vor zwei Jahren positiv aufgefallen ist. Mit dem Taxi von The Face keine 10 Minuten. Das Centro ist eine andere Welt vom Typ mondäne Champagnerbar für Reiche und Schöne (zum Glück nicht nur); es geht laut zu, die Atmosphäre ist aber ungezwungen. Hier gibt es eine große Auswahl von offenen Weinen aus aller Welt, Zigarren und Cocktails, die ich leider nicht beurteilen kann, da mir zum Absacken nach Weißwein war. Dan bestätigt aber, dass hier manchmal einer der Ausnahmemixer von Beijing – Bruce Lee – die Hand am Shaker hat. Von 21 bis 23 Uhr gibt es hier Live Jazz.

Green T. House
紫云轩餐厅
6 Gongti Xilu
behind Worker’s Stadium
工体西路6号
+86-10-6552-8310/11
info@green-t-house.com

Da Dong Roast Duck Restaurant
大董烤鸭店
at Nanxincang at Tuanjiehu
Bldg 3, Tuanjiehu Beikou
southeast corner of Changhong Qiao
团结湖北口3号楼
东三环路长虹桥东南角
Tel. +86-10-6582-2892/4003/4102

The Face
26 Dong Cao Yuan,
Gong TiNan Lu Chao Yang Ou,Beijing 100020
中国北京市朝阳区工体南路, 东草园26号,100020
+86-10-6551 6788

Centro
im Shangri-La
Kerry Centre
No 1 Guanghua Road
Beijing 100020
China
+86-10-6561 8833

Fotos kommen in einer Woche.

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Die Welt-Online hat ein paar sehr gut gemachte Restaurantlisten erstellt. Hier geht es nicht um die besten, sondern um interessante Restaurants, z.B. in Deutschland oder in der ganzen Welt. Sehr anregend, nett beschrieben, und mit guten Fotografien versehen. Es hat mich sehr gefreut, dass unter der Liste „10 interessante Restaurants aus aller Welt“, das kleine aber feine Monsieur Vuong aufgeführt ist, ein toller Vietnamese in der Alten Schönhauser Straße in Berlin, den ich schon seit langem schätze. Hier gibt es nur wenige Tische, es ist imer voll und man kann, soviel ich weiß, nicht reservieren. Die Küche ist original (ich kann es bezeugen), lecker und unglaublich preiswert. Es gibt ein regelmäßig wechselndes Angebot, Schwerpunkt Suppen.

Alte Schönhauser Straße 46
10119 Berlin, Mitte
Telefon: 030 / 30 87 26 43
http://www.monsieurvuong.de
Öffnungszeiten: Mo–Sa 12.00 bis 24.00, So 14.00 bis 24.00 Uhr
Preise: ab 6,40 €
Küche: Vietnamesisch
Haltestelle: U Weinmeisterstraße

Foto: http://www.monsieurvuong.de

Ich mag ja eigentlich keinen Irish Whiskey, aber Jameson Irish Whiskey sponsort eine coole Webseite: World’s Best Bars. Besonders gefreut hat mich, dass die Victoria Bar (meine zweitliebste in Berlin) gerade als „Bar of the Month“ rezensiert wird. Die Seite hätte ich eher mal kennen sollen – ab jetzt gibt es keine verzweifelte Suche nach einer guten Bar mehr, wenn ich wieder in einer neuen Stadt ankomme.

Auch findet sich ein Hinweis auf die grandiose Jazzbar Archiduc in Brüssel, die wiederum eine meiner liebsten Bars in der Welt ist und die ich anlässlich meines nächsten bevorstehenden Besuchs rezensieren werde. Art Deco pur, und hervorragende Dry Martinis. Probieren Sie eine Martini mit Citadelle, einem französischen Premium Gin.

Victoria Bar
Potsdamer Str.102
Berlin, 10785
Telephone: 0049 30 2300 4956
Hours:6pm – 3 am daily

Archiduc
6 rue Antoine-Dansaert
Brussels,
Telephone: 00 32 2 512 06 52

Internetcommunities schießen ja momentan wie Pilze aus dem Boden. Auch mich hat das Thema Web 2.0 gepackt, und im April hatte ich auch einen riesigen Kogress zu diesem Thema in San Francisco besucht. Leider gab es diesem Blog bis dahin noch nicht – vielleicht muss ich mal meine Notizen aus dieser Zeit aufarbeiten, denn ich hatte doch einige nette Restaurants und Weine gefunden, über die hier zu berichten wäre. Ein andermal.

So ist es nicht verwunderlich, dass es auch eine Community zum Thema Restaurants (und anderer urbaner Dientsleistungen) gibt – Qype (die Tatsache, dass es praktisch kein verfügbaren kurzen Namen für Webseiten gibt, treibt wirklich seltsame Blüten). Qype hat ein simples und (theoretisch) effektives Konzept: Es besteht aus einer Art Blog, in dem jeder registrierte User seine Erlebnisse in und Empfehlungen über seine Stadt niederschreiben kann (mich interessiert hier nur der Teil, der sich mit Restaurants beschäftigt). Weitere Elemente dieser Seite sind ein Tag-System, also eine Kategorisierung der Beiträge durch die User, das unvermeidliche Google Maps-Mashup (d.h. die Verbindung eines Eintrags mit einer Karte, auf der das Restaurant schnell gefunden ist), und einem Bewertungssystem durch andere User (Hilfreich? Gut geschrieben?). Es gibt bereits Einträge aus Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern. So weit so gut.

Die Seite ist offensichtlich noch im Aufbau und so kann man zwar schon viele Tipps einsehen, aber es wird doch noch einige Zeit dauern bis sie wirklich nützlich wird – wenn sie es denn wird. Momentan lässt sich feststellen, dass erstens die Qualität der Einträge – gelinde gesagt – sehr schwankt, und im Großen und Ganzen über Bemerkungen wie

Ambiente ist sehr ansprechend – sehr groß, fast alles ist weiß, alle Stühle sind vom Stil „Louis Seize“-motiviert. Das Personal ist sehr freundlich, aufmerksam und professionell. Ich hätte das bis heute nicht gedacht und bin sehr positiv überrascht. Ich werde demnächst auch mal hier essen gehen.

nicht hinausgeht. Es passiert dann auch, dass ein Restaurant wie das Shiro i Shiro in Berlin Mitte, das innovative Fusionküche bietet, mit chinesisch kategorisiert wird, was überhaupt keine Basis hat (am ehesten würde ich dann noch japanisch durchgehen lassen, da es auch Sushi gibt). Zweitens lässt der Bewertungsmechanismus sehr zu wünschen übrig. Fast alle Einträge sind mit vier oder fünf Sternen bewertet, und die Liste der „besten“ Restaurants in Berlin lässt doch schmunzeln. Unter der ersten zehn finden sich z.B. das Amrit in der Oranienburger Straße. Für die, die es nicht kennen: Amrit ist eine Kette indischer Restaurants zweiter Generation, die sich dadurch auszeichnen, dass die in der ersten Generation Berliner indischer Restaurants vorherschende Sahnesauce durch eine rote süß-saure Pampe ersetzt wurde, die an eine Verwendung von Ketchup (oder ähnlicher Grundzutaten) erinnert – aber vielleicht ist dies momentan einfach der Massengeschmack. Amrit ist sehr erfolgreich, das hängt wohl auch mit dem wohldurchdachten Food und Interieur Design zusammen – richtige Easy Listening Restaurants.

Die führenden Restaurants in Berlin, zum Beispiel das Restaurant 44, fehlen vollkommen in dieser Liste, und es finden sich auch nur drei Einträge im System, die auf dieses Restaurant verweisen („DAS ist es !! Bei Sonnenschein auf der Aussenterasse die “ Evolution “ geniessen.).

Ich werde Qype wohlwollend beobachten und gegebenenfalls wieder darüber berichten.