Italien


Es gibt eine spezielle Sorte von Restaurants, die gibt es nur selten in großen deutschen Städten. Ich meine Restaurants, die kein großes Aufheben um sich machen, Restaurants, die nur eine Gruppe von Eingeweihten kennt, Restaurants wo die Qualität von Speisen, Getränke und Service in einem nicht zu überbietenden Verhältnis zum Preis steht. Das Grünfisch in Berlin ist ein solches Restaurant.

In Berlin-Kreuzberg am Chamissoplatz gibt es das Grünfisch schon seit ca. acht Jahren. Seit ein paar Monaten gibt es eine Dependance am Fasanenplatz in Charlottenburg. Das Grünfisch wird von Vu Pham Dang aus Saigon und von Giovanni Di Liberto aus Sizilien geführt. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn es in manchen Restaurantkritiken heißt, dass hier eine asiatisch-italienische Küche gibt. Für mich ist das Süditalien pur, mit vielleicht ganz seltenen Griffen in die asiatische Gewürzkiste. Aber das was hier – sizilianisch-modern-kreativ – auf den Tisch kommt, ist immer fein abgeschmeckt.

Die Karte wechselt regelmäßig und so gab es, als ich dort zu Besuch war: Ravioli mit Maronensteinpilzpüree gefüllt mit gebratenem Tunfisch auf Steinpilzragout (€ 12), gefolgt von Kaninchenflet mit Maronenpilzen gefüllt im Parmamantel auf Salbeibutter und Mangold (€ 10). Mein Gesprächspartner aß Kürbiscremesuppe mit Süßkartoffel und Kokos (€ 5) sowie Entenbrust auf Organrisotto mit Pfifferlingen (€ 16,50). Bis auf dass die Entenbrust ein bisschen trocken geraten war, hat alles köstlich gemundet.

Beeindruckend auch die große Auswahl guter sizilianischer Weine. Wir tranken Nuhar 2004 von Tenuta Rapitalà, eine Cuvée aus Nero d’Avola und Pinot Nero (€ 35). Oh – was hat dieser Wein mein Herz höher schlagen lassen. Elegant, rassig, mit guter Säure und Tanninen, ein hervorragender Essensbegleiter – sogar zu unseren leichten Speisen. Unbedingt dekantieren lassen! Auf der Webseite des Weinguts (sehens- und hörenswert!) findet man die folgende Anmerkung:

The vineyards where we select the grapes for the production of Nuhar (flower in Arabic) are cultivated at the heart of the mountain which overlooks the Tenuta and from which rises the river „Rabidh Allah“.

Beide Lokale sind angenehm gemütlich und der Service ist herzlich und gut.

Grünfisch – Berlin / Kreuzberg
Willibald-Alexis-Straße 27
10965 Berlin (Kreuzberg)
am Chamissoplatz
nahe U-Bhf. Gneisenaustraße / Platz der Luftbrücke
Telefon & Fax (030) 616 21 252
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 18-24 Uhr

Grünfisch – Berlin / Charlottenburg
Fasanenstraße 42
10719 Berlin (Charlottenburg)
am Fasanenplatz
nahe U-Bhf. Spichernstraße
Telefon & Fax (030) 39 37 15 23
Öffnungszeiten
Montag bis Samstag 18-24 Uhr

Die letzten (?) Sommerabende genießen, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Was gibt es besseres, als mit der Liebsten an einem lauschigen Ort zu sitzen und gut zu speisen und zu trinken? An erster Stelle kommen einem da natürlich die wunderbaren Berliner Biergärten in den Sinn, z.B. das Café am Neuen See, oder die Fischerhütte am Schlachtensee. Oder ein netter Italiener – italienisch geht immer und eigentlich jeden Tag.

Eine weitere Urberliner Institution ist das Aroma in der Hochkirchstraße, an der Grenze von Schöneberg und Kreuzberg – ganz versteckt in einer kleinen Seitenstraße; will man es finden, man muss es kennen. Hier wollten wir schon lange einmal wieder hingehen. Gestern war es soweit.

Das Aroma ist ein typischer Italiener des 90er-Jahre Stil: Man wird grundsätzlich mit Buena Sera begrüßt und mit Signori angeredet, es gibt eine wechselnde Tageskarte mit vielen frischen Speisen, außerdem eine knusprige Holzofenpizza, dazu vernünftige offene Weine. Die Tische sind einfach, es gibt karierte Servietten und die Preise sind erträglich.

Uns hat zuerst einmal die Tageskarte fasziniert. Hier werden italienische Klassiker neu interpretiert, z.B. die Caponata oder jegliches Pastagericht. Wir aßen: eben jene Caponata (Insalata 2 Isole), Kalte Tomatensuppe (Blood Mary), Spaghetti mit Octopussies und Auberginen (Spaghetti con Mocardini) und Tagliatelle mit Kaninchen und Thymian. Dazu trank meine Liebste ein Hefeweizen und ich einen frischen Salento Bianco 2005 Pian de Sole (der beim zweiten Glas irgendwie nicht mehr so gut schmeckte wie beim ersten – war es der gleiche Wein?).

Kurz und gut: das Essen ist ordentlich (aber es fehlte insgesamt an allen Gerichten die Würze), der Wein und die Bedienung ist frisch, und es war wirklich ein schöner Abend, auch wenn die Speisen uns nicht lange in Erinnerung bleiben werden. Ein Tip an den Koch: Mal häufiger zur Pfeffermühle und ins Kräuterbeet greifen. Das größte Plus: man sitzt fantastisch auf einem ruhigen Platz. Kosten für das beschriebene Essen, inkl. 1/2 Liter Wasser: € 51

Das Aroma ist übrigens für sein Sonntagsbrunch berühmt.

Aroma
Hochkirchstr. 8
Berlin-
Schöneberg
Tel. 782 58 21

An der Campo San Luca in der Nähe von San Marco in Venedig gibt es die kleine Bar und Konditorei von Andrea Zanin, der einer der italienischen Meisterpattiseurs ist. Die Bar besticht durch ein cooles Design mit klaren Formen und vor allem die unglaubliche Qualität und Frische der kleinen und großen Sünden, die verlockend auf das Süßmaul warten. Petit Fours, Schokoladentörtchen, etc. alles mit Leichtigkeit und Frische gemacht und von einem netten Service serviert.

Ansonsten kann man an der Bar natürlich den typischen venetianischen Aperitif genießen: Spritz (ausgesprochen: s-p-rritze): Aperol, Prosecco und Mineralwasser, im Verhältnis 2:2:1, dazu eine Orangenscheibe sowie eine dicke grüne Olive. Aperol komt von „öffnen“ – also der Aperitif schlechthin.

Was dem Madrileño seine Tapas, sind dem Venezier die Cicchetti – kleine Happen, die man entweder zum Drink, oder aber auch als volles Mittag- oder Abendessen zu sich nimmt; im Stehen oder Sitzen. Ein perfekter Platz hierzu ist die Trattoria Ca‘ D’Oro „Alla Vedova“ im Stadtteil Cannaregio. Hierhin verírren sich wenige Touristen. Das Restaurant wird in der dritten Generation familiär geführt.

Wie gut, wenn, man von Venezianern in diese Kultur eingeführt wird. Wir waren zu viert und aßen, unter anderem: Scampi, Garnelen, Krabben, Stockfischpürree mit Polenta, Polpetti (fritierte Bällchen aus Kalbshack), Kartoffeloktopussalat (für mich das Highlight), fritierte Peperoni (in Spanien sagt man hierzu „Pimientos al Padron“) und vermutlich noch mehr. Der Hauswein, ein Chardonnay, passte hervorragend.

Adresse:
Ca‘ D’Oro, 3912
(Cannaregio)
Venedig
Telefono: 041-5285324
geschlossen: Donnerstag und Sonntagmittag

Nein, Venedig ist nicht nur Touristenabzocke. Es gibt in Venedig viele Restaurants und Bars, wo man nicht das Gefühl hat, sein Geld in ein Groschengrab zu werfen. Eine solche Location ist die Enoteca Mascareta, fünf Minuten vom Markusplatz entfernt, nahe des Campo Santa Maria Formosa. Mascareta wird von dem bekannten italienischen Sommelier Mauro Lorenzon geführt und folgt dem klassischen Enotecarezept: Man kann essen, man kann aber auch einfach nur drinken, und egal, ob man nur Vospeisen oder ein Menü isst, der Service bleibt der gleiche. Die offene Flasche Wein wird auf den Tisch gestellt und wieviel man am Ende bezahlt, ist Verhandlungs- und Sympatiesache. In jedem Fall fühlt man sich nicht übers Leder gezogen.

Es gibt Vorspeisenplatten, entweder Käse und Schinken/Salami oder ein reichhaltiger Teller mit eingelegtem Fisch und Meeresfrüchten (geräucherter Schwert-, Tun- und Mönchsfisch, Oktopussalat mit kleinen Oliven, Sardellen und Sardinen etc., eine Teller für zwei Personen kostet € 20). Außerdem kann man aus fünf Vorspeisen (z.B. Crespelle mit Jakobsmuscheln, oder Bohnensuppe, je € 15) und fünf Hauptgerichten (z.B. geschmortes Lamm oder Stockfisch, je €20) wählen. Ein Highlight für Hartgesottene: Sepia mit Polenta; das ganze in ein Bad von schwarzer Tinte getaucht – am Ende sah meine Serviette aus, als hätte ich damit schwarze Schuhe geputzt.

Man kann alle Weine glasweise bekommen – d.h. wir reden von mehr als hundert verschiedenen Weinen.  Die Enoteca bietet fünf reginonale Weiß- und fünf Rotweine sowie einen hervorragenden halbtrockenen Spumante zum Glas von € 3 an.

Mich hat vor allem der Valpollicella al Corte del Pozzo 2004 von Fasoli Gino überzeugt; ein Wein, bei dem man daran erinnert wird, warum man Altweltweine trinken sollte. Einen solchen Wein wird man außerhalb von europäischen Lagen nicht finden; und auch in Europa wird so etwas rar. Wie soll man einen solchen Wein beschreiben? Er schmeckt nicht nach roten Beeren, nicht nach Lakritz oder Vanille (ist ja auch nicht im Barrique ausgebaut). Am ehesten noch rote Kirsche, vielleicht auch ein bisschen Pfeffer und Leder, aber ansonsten einfach nur nach Wein; mit ausgeprägter Säure, aber doch weich bis ans Ende des Gaumens.

Enoteca Mascareta
Castello
Calle Lunga Santa Maria Formosa
(nahe Campo Santa Maria Formosa)
Venedig
Telefon: +39 41 523 0744