Frankreich


Nein – den Titel zu diesem Blogeintrag habe ich mir nicht selbst ausgedacht – es ist das Motto dieses kleinen, feinen Restaurants im Herzen Schönebergs. Meine Liebste und ich gehen hier schon seit Jahren gerne hin, bevorzugt im Herbst, wenn es draußen kalt und nass wird. Das La Cocotte serviert nämlich französische Klassiker.

Schon am Telefon wird man mit einem freundlichen „Bon Soir“ begrüßt, und so wird der ganze Abend von einem herrlichen Fronkreisch-Feeling begleitet – das Team ist durchgehend frankophon. Und so bleibt es auch nicht aus, dass wir über die Besonderheit der französischen Nasallaute aufgeklärt werden. Hier ist alles authentisch – und die Freundlichkeit des Service nicht zu überbieten. Viel Zeit sollte man allerdings mitbringen, da die Küche in Stoßzeiten die Bestellungen in ihrem eigenen Tempo abarbeitet.

Wer jetzt glaubt, dass es sich hier um einen Hort der Bürgerlichkeit handelt, täuscht sich. Die Fotografien an den Wänden und der Monitor, auf dem eine Videoinstallation läuft, deuten an, dass man die Traditionen Escoffiers mit urbanem Flair vereint.

Jetzt aber zum Essen. Ich hatte das große Glück, dass Austern auf dem Speiseplan standen. Fine de Clairs, mittlere Größe, von ausgezeichneter Frische und tadellosem Geschmack, so gut, dass ich nach den anfänglichen sechs noch drei Stück nachbestellen musste (6 Stück € 9). Die Liebste und die liebste Tochter aßen mittlerweile Perlhuhnpastete mit Pistazien und Trauben an Trestersenf (€ 4,90). Dazu ein Picpoul de Pinet der Domain de Montredon (€ 14), eine Wein, der aus einer alten autochtonen Rebe im Languedoc gemacht wird und mit seiner säurarmen Frische und seinem Geschmack nach Ananas und Limonen perfekt mit den Austern harmonisierte.

Ins La Cocotte geht man vor allem, um die Schmorgerichte zu essen, die am Tisch in kleinen gusseisernen Brätern serviert werden, ebenso wie die Beilagen, die man frei auswählen kann. Die Liebste aß das Kaninchen in Senfsoße (€ 13,90), die Tochter das unnachahmliche Boef Bourguignon (€ 9,90) und ich entschied mich für die 300g-Variante des Entrecote mit Pfeffer von bester Fleischqualität (€ 19,90). Dazu Puy-Linsen und leckeres Kartoffelpürree mit Rotwein (je € 1,90).

Auch wenn die Wasserpreise zu Buche schlagen (1 l Evian für € 5,90) – insgesamt ein schöner Abend, an dem Preis und Leistung in einem schwer zu überbietenden Verhältnis stehen.

Restaurant La Cocotte
Vorbergstr. 10
10823 Berlin
Tel. 030-78957658

Wer schon einmal versucht hat, in einer mittleren deutschen Provinz- und Universitätstadt am Samstagnachmittag Wein zu kaufen, kann nachvollzehen, wie es mir gestern erging. Ich war bei meinem Bruder zum Essen eingeladen und um 16 Uhr fiel mir in gewohnter Großstadtmanier ein, dass ich ja eigentlich etwas Wein mitnehmen könnte. Nichtirgendeinen Wein, sondern einen guten. Gesagt, getan: in die Innenstadt fahren, die städtischen Parkometer konsequent missachten und dann zu dem einzig mir bekannten Weineinzelhändler in dieser Stadt hineinhuschen (es soll noch weitere geben). Am gleichen Morgen hatte ich um 9 Uhr 50 schon einmal erfolglos vor dem Laden, der Weinrebe am Giessener Markt gestanden. Übrigens ist ebendieser Markt einer der schönsten Wochenmärkte, die ich in Deutschland kenne (Mittwoch und Samstag, viele Produkte aus der Region. Sehenswert, die denkmalgeschützten Marktlauben, in denen die Fleischer sich niedergelassen haben). Am Nachmittag war ich dann ebenso erfolglos, da der Weinladen am Samstag genau von 10 bis 15 Uhr geöffnet hat. Prima!

Also in die Shopping Mall stürzen (ja, auch eine Mittelstadt hat so etwas heutzutage – hier heißt es Neustädter Tor).

Eigentlich bin ich strikter Gegner vom Weinkauf im Supermarktregal, auch wenn ich dem Weinverkostungen Blog für seine differenzierten Betrachtungen zu diesem Thema sehr danke. Wenn ich im Supermarkt Weine kaufe, die ich nicht kenne, bin ich in acht von zehn Fällen enttäuscht. Und dann deprimiert es mich regelmäßig, dass es in Supermärkten eine Riesenauswahl im 2-4 Euro Bereich gibt, die ich mit Missachten strafe, und dann noch einen Barolo oder einen Bordeaux für schlappe zwanzig Euro, die nie ihr Geld wert sind. Aber es gibt ganz wenige Zwischengrößen im Supermarkt. Warum eigentlich? Es trinken doch nicht alle Supermarktkäufer schlechten Wein!

Schließlich gab es dann doch eine Überraschung, genauer gesagt, es gab zwei Überraschungen. Für jeweils unter € 10 konnte ich zwei ausgezeichntete Saint-Emilions erstehen, davon ein Grand Cru, die beide noch am gleichen Abend verkostet wurden. Wir haben die Weine ca. eine Stunde vor der Verkostung geöffnet, aber nicht dekantiert, was zumindest dem Grand Cru gut getan hätte. Beide Weine waren große Klasse, und obwohl sich sie von ihren Basisgeschmacksnoten ähnelten, waren es doch zwei grundverschiedene Weine.

Chateau Peymotoun 2004 Grand Cru der Familie Baeumartin in Saint Christophe des Bardes kam sehr wuchtig daher, mit vollen Tönen aus Zedernholz, Leder, Tabak, Brombeere. Die Tannine sind deutlich herausgearbeitet, so dass dieser Wein mich sicher im Winter noch einmal zu einem dunklen Braten erfreuen wird. Wie bereits erwähnt, sollte dieser Wein dekantiert werden. Nach DI (drymartini-Index) bekommt dieser Wein, der in der Business und First Class von Continental Airlines serviert wird, 44 von 49 möglichen Punkten. Es lohnt sich den Wein hinzulegen, er wird bestimmt noch besser.

Der zweite Wein, Chateau La Claymore 2003 konnte kaum anders sein und doch war er auf seine Art ebenso beeindruckend. Hier waren die Tannine sehr eingebunden, fast versteckt, so dass dieser Wein außergewöhnlich sanft, fast samtig daherkam. Das kann nicht mit dem einen Jahr, den er mehr auf dem Buckel hat, zusammenhängen. Nette Schokoladennoten, schwarze Johannesbeere, Pflaume, im Abgang etwas Erdbeere. Sicherlich der unkompliziertere und „schönere“ Wein und anfangs mein Favorit, schwenkte ich schließlich doch wieder zum Peymouton um, der etwas mehr Charakter hatte. Trotzdem bekommt der La Claymore die gleiche Punktzahl, nämlich DI: 44. Hier kann weitere Lagerung nicht mehr viel verbessern. Jetzt trinken!

Chateau Peymouton: € 9,99
Chateau La Claymore: € 8,99
gekauft bei Tegut, Gießen.

Wer 3 1/2 Stunden Aufenthalt auf einem Flughafen hat, möchte gerne etwas zu sich nehmen. Wenn man als nächstes einen Flug mit Emirates vor sich hat, sollte dieser Snack bescheiden ausfallen. Aber: Paris! Wie wäre es mit einem Dutzend Austern, dazu ein Glas Chablis oder Champagne? Träum doch!

Paris CDG, wenn man die Pass- und Sicherheitskontrollen gemeistert hat, ist kulinarisch genauso provinziell wir Berlin-Schönefeld. Es gibt wenig Flughäfen, wo es sich für den Genießer lohnt zu verweilen. Portland, Oregon, war diesbezüglich mit seiner guten Weinbar eine Überraschung. Aber Paris! Vielleicht hätte ich außerhalb der Sicherheitskontrollen schauen sollen. Zu spät. So bleiben mir ein dick gebuttertes Minibaguette mit Jambon Crue und ein großes Heineken.

Hoffentlich enttäuscht Emirates nicht…

Foto:
Charles de Gaulle International Airport, terminal 2F, baggage claim
Copyright © 2005 David Monniaux