Berlin


Heute ist ein glücklicher Tag. In meiner nächsten Umgebung – der geliebten Akazienstraße – hat ein neues Restaurant aufgemacht und damit meine Auswahl für ein günstiges und schnelles Lunch vergrößert. Die Freude ist groß – das Choice ist ein kleines vietnamesisches Imbissrestaurant mit Schwerpunkt auf Nudelsuppen. Meine große Leidenschaft für die Pho – vietnamesische Nudelsuppe – habe ich in diesem Blog bereits beschrieben.

Vermutlich gibt es westlich von Hanoi keine Stadt, die so viele vietnamesische Restaurants aufweist wie Berlin, im Schnitt von besserer Qualität und authentischer als chinesische Lokale. Monsieur Vuong in Mitte und Mr. Hai & Friends in Charlottenburg sind über die Grenzen der Stadt bekannt.

Choice hat – wie Monsieur Vong – eine kleine Speisekarte, und eine Tageskarte mit fünf Gerichten, alle zwischen € 5-7. Es gibt die Pho in verschiedenen Varianten, andere Nudelsuppen sowie einige Curries. Ich aß von der Tageskarte: Banh Da – Rote Nudelsuppe mit Rindfleisch, Sojakeimen, Koriander, Basilikum, Zimt, Sternanis und Ingwer. Dazu Tra Nhai: Jasmin-Tee mit Lotuskernen, Limettensaft und Honig. Lecker, frisch, so wie es sein muss – und ohne Glutamat. Ich komme wieder.

Choice
Vietnamese Food
Akazienstr. 9
10823 Berlin
Tel. 030-78 00 63 43

Öffnungszeiten: tgl. 11.30-23.30

Nein – den Titel zu diesem Blogeintrag habe ich mir nicht selbst ausgedacht – es ist das Motto dieses kleinen, feinen Restaurants im Herzen Schönebergs. Meine Liebste und ich gehen hier schon seit Jahren gerne hin, bevorzugt im Herbst, wenn es draußen kalt und nass wird. Das La Cocotte serviert nämlich französische Klassiker.

Schon am Telefon wird man mit einem freundlichen „Bon Soir“ begrüßt, und so wird der ganze Abend von einem herrlichen Fronkreisch-Feeling begleitet – das Team ist durchgehend frankophon. Und so bleibt es auch nicht aus, dass wir über die Besonderheit der französischen Nasallaute aufgeklärt werden. Hier ist alles authentisch – und die Freundlichkeit des Service nicht zu überbieten. Viel Zeit sollte man allerdings mitbringen, da die Küche in Stoßzeiten die Bestellungen in ihrem eigenen Tempo abarbeitet.

Wer jetzt glaubt, dass es sich hier um einen Hort der Bürgerlichkeit handelt, täuscht sich. Die Fotografien an den Wänden und der Monitor, auf dem eine Videoinstallation läuft, deuten an, dass man die Traditionen Escoffiers mit urbanem Flair vereint.

Jetzt aber zum Essen. Ich hatte das große Glück, dass Austern auf dem Speiseplan standen. Fine de Clairs, mittlere Größe, von ausgezeichneter Frische und tadellosem Geschmack, so gut, dass ich nach den anfänglichen sechs noch drei Stück nachbestellen musste (6 Stück € 9). Die Liebste und die liebste Tochter aßen mittlerweile Perlhuhnpastete mit Pistazien und Trauben an Trestersenf (€ 4,90). Dazu ein Picpoul de Pinet der Domain de Montredon (€ 14), eine Wein, der aus einer alten autochtonen Rebe im Languedoc gemacht wird und mit seiner säurarmen Frische und seinem Geschmack nach Ananas und Limonen perfekt mit den Austern harmonisierte.

Ins La Cocotte geht man vor allem, um die Schmorgerichte zu essen, die am Tisch in kleinen gusseisernen Brätern serviert werden, ebenso wie die Beilagen, die man frei auswählen kann. Die Liebste aß das Kaninchen in Senfsoße (€ 13,90), die Tochter das unnachahmliche Boef Bourguignon (€ 9,90) und ich entschied mich für die 300g-Variante des Entrecote mit Pfeffer von bester Fleischqualität (€ 19,90). Dazu Puy-Linsen und leckeres Kartoffelpürree mit Rotwein (je € 1,90).

Auch wenn die Wasserpreise zu Buche schlagen (1 l Evian für € 5,90) – insgesamt ein schöner Abend, an dem Preis und Leistung in einem schwer zu überbietenden Verhältnis stehen.

Restaurant La Cocotte
Vorbergstr. 10
10823 Berlin
Tel. 030-78957658

Es gibt eine spezielle Sorte von Restaurants, die gibt es nur selten in großen deutschen Städten. Ich meine Restaurants, die kein großes Aufheben um sich machen, Restaurants, die nur eine Gruppe von Eingeweihten kennt, Restaurants wo die Qualität von Speisen, Getränke und Service in einem nicht zu überbietenden Verhältnis zum Preis steht. Das Grünfisch in Berlin ist ein solches Restaurant.

In Berlin-Kreuzberg am Chamissoplatz gibt es das Grünfisch schon seit ca. acht Jahren. Seit ein paar Monaten gibt es eine Dependance am Fasanenplatz in Charlottenburg. Das Grünfisch wird von Vu Pham Dang aus Saigon und von Giovanni Di Liberto aus Sizilien geführt. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn es in manchen Restaurantkritiken heißt, dass hier eine asiatisch-italienische Küche gibt. Für mich ist das Süditalien pur, mit vielleicht ganz seltenen Griffen in die asiatische Gewürzkiste. Aber das was hier – sizilianisch-modern-kreativ – auf den Tisch kommt, ist immer fein abgeschmeckt.

Die Karte wechselt regelmäßig und so gab es, als ich dort zu Besuch war: Ravioli mit Maronensteinpilzpüree gefüllt mit gebratenem Tunfisch auf Steinpilzragout (€ 12), gefolgt von Kaninchenflet mit Maronenpilzen gefüllt im Parmamantel auf Salbeibutter und Mangold (€ 10). Mein Gesprächspartner aß Kürbiscremesuppe mit Süßkartoffel und Kokos (€ 5) sowie Entenbrust auf Organrisotto mit Pfifferlingen (€ 16,50). Bis auf dass die Entenbrust ein bisschen trocken geraten war, hat alles köstlich gemundet.

Beeindruckend auch die große Auswahl guter sizilianischer Weine. Wir tranken Nuhar 2004 von Tenuta Rapitalà, eine Cuvée aus Nero d’Avola und Pinot Nero (€ 35). Oh – was hat dieser Wein mein Herz höher schlagen lassen. Elegant, rassig, mit guter Säure und Tanninen, ein hervorragender Essensbegleiter – sogar zu unseren leichten Speisen. Unbedingt dekantieren lassen! Auf der Webseite des Weinguts (sehens- und hörenswert!) findet man die folgende Anmerkung:

The vineyards where we select the grapes for the production of Nuhar (flower in Arabic) are cultivated at the heart of the mountain which overlooks the Tenuta and from which rises the river „Rabidh Allah“.

Beide Lokale sind angenehm gemütlich und der Service ist herzlich und gut.

Grünfisch – Berlin / Kreuzberg
Willibald-Alexis-Straße 27
10965 Berlin (Kreuzberg)
am Chamissoplatz
nahe U-Bhf. Gneisenaustraße / Platz der Luftbrücke
Telefon & Fax (030) 616 21 252
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 18-24 Uhr

Grünfisch – Berlin / Charlottenburg
Fasanenstraße 42
10719 Berlin (Charlottenburg)
am Fasanenplatz
nahe U-Bhf. Spichernstraße
Telefon & Fax (030) 39 37 15 23
Öffnungszeiten
Montag bis Samstag 18-24 Uhr

Da las ich doch heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem ansonst hervorragenden Feuilletonartikel („Das Grauen vom Lande: Nicht die Provinz ist böse; es ist der Provinzialismus….Warum wir uns vor Kurt Beck fürchten müssen„), dass Berlin nicht die Metropole ist. Lieber Claudius Seidl, solche Klassifizierungen treffen tief ins Mark meiner Berliner Identität, und ich empfehle Ihnen einen Besuch in der neuen Bar Tausend am Schiffbauerdamm (wenn Sie der Türsteher denn reinlässt).

Gestern abend war ich da, mit den Herren Adam und Heuser von Mixology. Es war, wie zu erwarten, ein feuchter aber vor allem fröhlicher Abend, an dessen Anfang wir noch die angenehme Gesellschaft des Bartenders Mario Grünenfelder genießen konnen, der gerade zum Mixologen des Jahres 2007 gewählt wurde (odr?). Die Freude über Marios Anwesenheit wärte leider nicht lange, da die Bar ab ca. 23 Uhr wie eine Sardinendose gepackt war und er nur von Zeit zu Zeit mit frisch gefüllten Gläsern vorbeischauen konnte.

Die Bar Tausend hat alles was sie dazu prädestiniert, zur angesagten Hauptstadtlocation zu werden, von der man in New York oder São Paulo oder Tokyo redet (bye, bye, 90 Grad…). Gelegen im Epizentrum der Hauptstadt, findet man sie nur, wenn man weiß, wo man suchen soll. Kein Licht, kein Kneipenschild, keine Klingel an der Eisentür unter der Bahnlinie Paris-Moskau. Ein Türsteher, der aber zu früher Stunde Milde walten lässt (wie lange noch?). Klassisches 80er Jahre Clubdesign mit viel Metall und Glas. Super gute Livemusik. Publikum, dass sich gerne sieht und sich sehen lässt. Viel Champagner und Vodka (Green Mark). Also ein Luxus-Hedonisten-schöne Menschen-Schuppen – aber zum Glück auch für Normalos genießbar.

Die Aufgabe von Mario, in einem Laden, der gut und gerne 200 Menschen fasst, hohe Qualität bei den Drinks zu halten, ist eine hohe Herausforderung und ich hoffe, dass er nicht daran verzweifeln wird. Die Drinks sind momentan klasse, wie zu erwarten, ob der Manhattan, der hier mit Rittenhouse Rye und Carapano Antica Formula perfektioniert wird, oder der von uns allen geliebte Beuser & Angus Special (oder so ähnlich), ein Sour auf Chartreuse Grün Basis.

Zu erwähnen ansonsten noch die kleine Karte mit Häppchen (Austern, Dim Sum), die von dem grandiosen Küchenchef Gordon W. serviert werden. Gordon W. ist eine eindrucksvolle kanadische Erscheinung, mit bewegter Geschichte und eigenem Wikipediaeintrag und und alleine schon ein Besuch im Tausend wert. Ich sage es doch: Berlin ist die Metropole.

Vielleicht gibt es hier bald noch ein paar Fotos, solange bei http://www.philipp-m-wittulsky.de/ reinschauen.

Tausend 
Schiffbauerdamm 11
1000 Berlin-Mitte
Tel. 41 71 53 96
Öffnungszeiten: Mi.-Sbd. ab 20 Uhr

Berlin: Am 17. Oktober wurden auf dem erstmals veranstalteten Branchentreff der Barindustrie, dem Bar Convent Berlin, die Mixology Bar Awards 2007 verliehen. Mit diesen Awards zeichnet die Fachzeitschrift Mixology, Magazin für Barkultur, herausragende Leistungen des Bargewerbes aus. Verliehen wurden die Awards in insgesamt 6 Kategorien.

Den Auftakt machte ein „Award für besondere Leistungen“, der von der Jury – prominent besetzt mit Stefan Gabanyi (Schumanns Bar, München), Gregor Scholl (Rumtrader, Berlin), Markus Blattner (Widderbar, Zürich), Marco Pani (Bar Italia, Wien), Ingo Strobel (Motorberlin.com) und Gregor Scholz (Scholz Bar, Stuttgart) – einstimmig der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesprochen wurde, da sie sich im Rahmen des Klimaschutzes besonders um die Qualität des Eises verdient gemacht habe. „Das Eis ist schließlich des Barmanns Gold!“ so die Begründung von Jury-Vorsitz Gregor Scholl.

 

Das „Bardesign des Jahres 2007″, gestiftet von Bombay Sapphire, gewann die Bar des Berliner Q! Hotels für ihr von der bekannten Architekturschmiede Graft gestaltetes Interieur. Ein weiterer Award ging ebenfalls nach Berlin. In der Kategorie „Mixologe des Jahres 2007″ wurde der gebürtige Schweizer Mario Grünenfelder (Bar Tausend) für seine Kreativität ausgezeichnet. Mit Markus Heinze von der Dresdner Sonderbar zeichnete die Jury einen zweiten Bartender aus. Er gewann den Award „Newcomer des Jahres 2007″. Beide Awards wurden vom neuen Premium-Tequila Sierra Milenario präsentiert.

Der mit Spannung erwartete Award für die „Spirituose des Jahres 2007″, gestiftet vom Bardienstleister APS Barsupply, ging an den Kultlikör Green Chartreuse. „In Chartreuse kommt das Wesen der Destillation in seiner ganzen Tiefe zum Ausdruck. Dies ist mit ein Grund, warum dieses Traditionsprodukt auch die junge Generation von Bartendern von Neuem inspiriert. Es ist schlicht Transzendenz in Flaschen!“ begründete Stefan Gabanyi die einstimmige Entscheidung der Jury.

Standing Ovations bekam für die Verleihung des „Awards für das Lebenswerk“ schließlich der bekannte Bartender und Buchautor Franz Brandl. Dieser Award wurde von der russischen Vodkamarke Green Mark präsentiert.

Der Bar Convent Berlin war mit 1068 Besuchern an zwei Veranstaltungstagen in seinem ersten Jahr ein voller Erfolg. Jens Hasenbein, Herausgeber des veranstaltenden Mediums Mixology, freut sich aus diesem Anlass auch schon auf das nächste Jahr: „Unsere Leser und unsere Partner aus der Industrie, die durch ihren Enthusiasmus zur großartigen Stimmung des BCB beitrugen, haben offensichtlich schon seit mehreren Jahren auf eine solche Veranstaltung gewartet. Wir freuen uns, dass wir unserer Branche jetzt auch diese Plattform zur Verfügung stellen konnten. Wir werden den Termin für das Jahr 2008 demnächst bekannt geben und wollen uns im nächsten Jahr natürlich auch noch steigern.“

Foto: Birte Filmer, 103prozent

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat es vor zwei Wochen vorgemacht, ich folge mit gezogenem Hut nach: die Suche nach der guten, nein, der perfekten Pizza ist eröffnet. Nicht jeder hat das Glück, mal schnell an der Piazza di Spagna in Rom (Via della Croce) oder sogar in Neapel vorbei zu schauen, um sich ein Stück pizza a taglio in den Mund zu schieben. Nicht nötig – denn es gibt ja Dolce Pizza in der Maaßenstraße in Berlin Schöneberg (und mittlerweile auch mit Filialen in Kreuzberg und im Prenzlauer Berg).

Das Problem: Dolce Pizza macht nach eigener Auskunft keine Pizza, sondern Focaccia. Ich finde, darüber kann man streiten, denn hier bekommt man wunderbar dünn knusprige Teigfladen, zum Beispiel die klassische Magharita, oder die Napolitana, oder eines der Highlights, die Pizza (Focaccia?) mit scharfer Salami. Der Pizzaofen steht nicht still und im Minutentakt werden die 60cm langen Produkte  auf die Theke geworfen.

Das Stück auf die Hand kostet schlappe € 1,80, einen ganzen Fladen bekommt man für € 14. Achtung: Suchtgefahr.

Dolce Pizza Store 1
Maaßenstr. 6
10777 Berlin

Dolce Pizza Store 2
Hagelbergerstr. 16
10965 Berlin

Dolce Pizza Store 3
Lychener Str 2-4
10437 Berlin

Eine knappe Stunde Zeit bis zum Beginn des Films (Das Bourne Ultimatum – ein Hit wie die anderen beiden der Bourne-Serie). Also warum nicht mal eine Bar ausprobieren, die ich bisher noch nicht besucht hatte: Das Billy Wilder’s im Sony Center am Potsdamer Platz. Die Bar taucht ja durchaus in einzelnen Reviews im Internet auf.

Das Billy Wilder’s hat sicherlich eine der besten Lagen, die es für eine Bar in Berlin geben kann – Philharmonie und diverse Kinos in unmittelbarer Umgebung; alle Touristen in Berlin kommen irgendwann einmal an der Tür vorbei, und die steht weit offen.

Eine Stunde reichte für zwei Drinks: als erstes ein Daiquiri, wobei mich ich statt der Standardvariante mit Havanna Club zu einem 21-jährigen Angostura 1884 aus Trinidad und Tobago entschied (€ 10,50). Der Drink war anstandslos und nach den Regeln der Barkunst mit frischer Limette aus der Presse gemacht. Der alte Rum gab dem Daiquiri einen starken und dunklen Ton. Dann lies ich mir vom Bartender noch einen Drink empfehlen  – einen Whiskey Sour mit Maker’s Mark und Toulon Sirup, der aus braunem Rohrzucker hergestellt wird (€ 8,50). Aromatisch, lecker.

Die Atmosphäre des Billy Wilder’s ist allerdings eher mit einer Bahnhofsgaststätte zu vergleichen. Es geht alles sehr hektisch zu, die Happy Hour und die bereits erwähnte Lage zollt ihren Tribut. Die Auswahl der Spirituosen ist groß, vor allem an Vodkas. Leider sind die Flaschen nicht zentral aufgestellt; Rums und einen Teil der Vodkas kann man im Regal anschauen, alles andere muss man sich aus der Karte heraussuchen. Wasser wird nur auf besonderen Wunsch zu Drinks gerreicht. Positiv fällt die Weinkarte je mit vier offenen roten und weißen Gewächsen auf. Flaschenweine gibt es nicht. Das Barmenü ist übersichtlich und listet sicherlich über 100 verschiedene Cocktails auf.

Gesamturteil: für einen schnellen anständigen Drink vor oder nach dem Kino eine sichere Bank, aber nichts um lange zu verweilen. Die Barkeeper sind auch nicht wirklich auf ein Gespräch eingestellt. Also: eine echte Durchgangsbar. Man kann dann ja noch ein paar hundert Meter weiter südlich einkehren…

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