Akazienstraße


Heute ist ein glücklicher Tag. In meiner nächsten Umgebung – der geliebten Akazienstraße – hat ein neues Restaurant aufgemacht und damit meine Auswahl für ein günstiges und schnelles Lunch vergrößert. Die Freude ist groß – das Choice ist ein kleines vietnamesisches Imbissrestaurant mit Schwerpunkt auf Nudelsuppen. Meine große Leidenschaft für die Pho – vietnamesische Nudelsuppe – habe ich in diesem Blog bereits beschrieben.

Vermutlich gibt es westlich von Hanoi keine Stadt, die so viele vietnamesische Restaurants aufweist wie Berlin, im Schnitt von besserer Qualität und authentischer als chinesische Lokale. Monsieur Vuong in Mitte und Mr. Hai & Friends in Charlottenburg sind über die Grenzen der Stadt bekannt.

Choice hat – wie Monsieur Vong – eine kleine Speisekarte, und eine Tageskarte mit fünf Gerichten, alle zwischen € 5-7. Es gibt die Pho in verschiedenen Varianten, andere Nudelsuppen sowie einige Curries. Ich aß von der Tageskarte: Banh Da – Rote Nudelsuppe mit Rindfleisch, Sojakeimen, Koriander, Basilikum, Zimt, Sternanis und Ingwer. Dazu Tra Nhai: Jasmin-Tee mit Lotuskernen, Limettensaft und Honig. Lecker, frisch, so wie es sein muss – und ohne Glutamat. Ich komme wieder.

Choice
Vietnamese Food
Akazienstr. 9
10823 Berlin
Tel. 030-78 00 63 43

Öffnungszeiten: tgl. 11.30-23.30

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Kürzlich hatte ich einmal wieder die Gelegenheit, einige mir nicht bekannte Rotweine aus Spanien im mittleren Preissegment zu verkosten. Darunter waren einige Preziosen, die durch ihre Art aus dem großen See von Massengeschmacksweinen hervorstechen.

Ándalus Petit Verdot 2003. Die Weine des Principe Alfonso de Hohenlohe, einem Anghörigen eines eintausend Jahre alten fränkischen Adelsgeschlechts, waren mir schon früher aufgefallen. Der Prinz produziert in Andalusien. Neben dem Sherry sind andalusische Weine ja in Deutschland nicht gerade sehr bekannt, obwohl sie den momentan sehr hochfavorisierten süditalienischen Weinen mehr als Paroli geben können. Der Ándalus Petit Verdot ist verdammt gut, aber er ist ungewöhnlich, da diese Rebe sonst nie in reiner Form ausgebaut wird, sondern in Cuvées gemischt wird:

Petit Verdot (dt. ‚kleiner Grünling‘) ist eine sehr spätreifende Rebsorte. Ihr tanninreicher und säurehaltiger Wein wird in manchen Ortschaften des Bordeaux, v. a. in Margaux, in kleinen Teilen der Cuvée hinzugefügt, um dem Wein mehr Stärke und Langlebigkeit zu geben. Ansonsten wird die Rebe vor allem im heißen Südaustralien (z.B. Barossa Valley und Umgebung) angebaut, wo auch sehr kräftige, farbintensive und robuste, manchmal große Rebsortenweine aus ihr gekeltert werden. Kleine Anpflanzungen sind auch in Chile, Südafrika, Kalifornien, Neuseeland, Argentinien und der Schweiz bekannt. (aus Wikipedia)

Der Ándalus besticht durch seine tiefrote Farbe und seinen intensivern Geschmack nach Kirsche, Leder und Schokolade. Wirklich einen Versuch wert! (€25,90)

Ich bin ja im Rioja-Weinladen als der Mann bekannt, „der keinen Rioja mag“. Naja, das Etikett habe ich mir vermutlich verdient. Aber auch ich muss anerkennen, dass sich in Rioja in den letzten Jahren viel getan hat. Viele Riojas sind „moderner“ geworden, d.h. sie schmecken nicht mehr nur vordergründig nach Holz. Ich war sehr überrascht, zwei sehr spannende, außergewöhnliche Weine kennenzulernen, beide von der Kellerei Viña Ijalba. Das besondere an beiden Weinen ist, dass sie schon fast ausgestorbene oder vergessene Reben zum neuen Leben erwecken:

Ijalba Graciano, Crianza 2004:

Graciano gehört zu den seltensten Rebsorten in der Rioja. Ijalba ist im Besitz der größten Graciano-Rebfläche, in der nach traditioneller Weise angebaut wird: eine geringe Rebstockdichte (3500 pro ha) ergibt einen Ertrag von 4000 kg pro ha. (aus dem Katalog des Rioja-Weinladens).

Der Graciano hat eine tiefe dunkle Farbe, schmeckt nach Leder und Schokolade (könnte fast als Pinotage oder Shiraz durchgehen). Dunkle Früchte, kräftige Tannine und wenig Holz zur Abrundung. € 13 sind mehr als angemessen.

Aus der gleichen Kellerei kommt der Dionisos Ruiz Ijalba 2003, der sortenrein aus der Maturana-Rebe hergestellt wird, die fast ausgestorben ist. Weltweit existiert – immerhin oder gerade mal – eine Rebfläche von 2 ha. Ein leichter, wunderbar ausgewogener Wein mit dem Aroma von Johannesbeeren und Himbeeren, etwas Muskatnuss, der nach allem, nur nicht nach Rioja schmeckt. Wenn er nicht € 16,50 kosten würde, könnte man ihn jeden Tag trinken.

Und zum Schluss der Knaller. Zu seinem 25-jährigen Bestehen hat sich der Rioja-Weinladens eine Spezialabfüllung der Navarra-Kellerei Malumbres. Selección del Presidente 2002 ist eine Cuvee aus je 40% Granacha und Tempranillo, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Merlot, die 24 Monate im Barrique gelagert wird. Man muss diesem Wein viel Zeit geben, da direkt nach dem Entkorken der Fassgeschmack zu sehr hervorsticht. Nach dem Dekantieren oder ein paar Stunden nach dem Öffnen der Flasche kann hiervon keine Rede mehr sein – schwere und runde Aromen aus dunklen Beeren, viel Leder und Bitterschokolade machen aus dem Malumbres einen fulminanten Wein, der seine € 23 wert ist.

Alle vier Weine sind erhältlich bein Rioja-Weinspezialist, Berlin.

Fotos: Rioja-Weinspeziaist

Nein – den Titel zu diesem Blogeintrag habe ich mir nicht selbst ausgedacht – es ist das Motto dieses kleinen, feinen Restaurants im Herzen Schönebergs. Meine Liebste und ich gehen hier schon seit Jahren gerne hin, bevorzugt im Herbst, wenn es draußen kalt und nass wird. Das La Cocotte serviert nämlich französische Klassiker.

Schon am Telefon wird man mit einem freundlichen „Bon Soir“ begrüßt, und so wird der ganze Abend von einem herrlichen Fronkreisch-Feeling begleitet – das Team ist durchgehend frankophon. Und so bleibt es auch nicht aus, dass wir über die Besonderheit der französischen Nasallaute aufgeklärt werden. Hier ist alles authentisch – und die Freundlichkeit des Service nicht zu überbieten. Viel Zeit sollte man allerdings mitbringen, da die Küche in Stoßzeiten die Bestellungen in ihrem eigenen Tempo abarbeitet.

Wer jetzt glaubt, dass es sich hier um einen Hort der Bürgerlichkeit handelt, täuscht sich. Die Fotografien an den Wänden und der Monitor, auf dem eine Videoinstallation läuft, deuten an, dass man die Traditionen Escoffiers mit urbanem Flair vereint.

Jetzt aber zum Essen. Ich hatte das große Glück, dass Austern auf dem Speiseplan standen. Fine de Clairs, mittlere Größe, von ausgezeichneter Frische und tadellosem Geschmack, so gut, dass ich nach den anfänglichen sechs noch drei Stück nachbestellen musste (6 Stück € 9). Die Liebste und die liebste Tochter aßen mittlerweile Perlhuhnpastete mit Pistazien und Trauben an Trestersenf (€ 4,90). Dazu ein Picpoul de Pinet der Domain de Montredon (€ 14), eine Wein, der aus einer alten autochtonen Rebe im Languedoc gemacht wird und mit seiner säurarmen Frische und seinem Geschmack nach Ananas und Limonen perfekt mit den Austern harmonisierte.

Ins La Cocotte geht man vor allem, um die Schmorgerichte zu essen, die am Tisch in kleinen gusseisernen Brätern serviert werden, ebenso wie die Beilagen, die man frei auswählen kann. Die Liebste aß das Kaninchen in Senfsoße (€ 13,90), die Tochter das unnachahmliche Boef Bourguignon (€ 9,90) und ich entschied mich für die 300g-Variante des Entrecote mit Pfeffer von bester Fleischqualität (€ 19,90). Dazu Puy-Linsen und leckeres Kartoffelpürree mit Rotwein (je € 1,90).

Auch wenn die Wasserpreise zu Buche schlagen (1 l Evian für € 5,90) – insgesamt ein schöner Abend, an dem Preis und Leistung in einem schwer zu überbietenden Verhältnis stehen.

Restaurant La Cocotte
Vorbergstr. 10
10823 Berlin
Tel. 030-78957658

Die 2. Weinrallye war eine gute Gelegenheit, neue (Wein-)Bekannte zu machen und alte Beziehungen zu vertiefen. Nach intensiven Nachdenken entschloss ich mich in meiner nähesten Umgebung zu forschen: Weine aus den Schöneberger Weinhandlungen. Ich glaube, es gibt keinen Platz auf der ganzen Welt mit einer solchen Dichte an Weinläden. Im Kiez zwischen Kleist- und Bülowstraße im Norden, der Potsdamer Str. im Osten, der Hauptstr. im Südosten und der Martin-Luther-Str. im Westen mit der Magistrale Goltz-/Akazienstraße, also auf ca. 3 qkm, zähle ich mehr als 20 Geschäfte, die überwiegend oder ausschließlich Wein verkaufen. Ich kaufe grundsätzlich in allen diesen Läden, nach Lust und Laune, weil jedes dieser Geschäfte ein anderes Spektrum anbietet. Für die 2. Weinrallye fiel meine Wahl auf neun Weine: vier italienische, zwei australische und drei deutsche Gewächse.

Alle Weine wurden nach einem gleichen sensorischen Verfahren probiert und bis zum Flaschenboden ausgetrunken. Extra zur Weinrallye habe ich auch meinen eigenen Index eingeführt: Der DI (drymartini-Index), der von 1 bis 49 geht.

Das Feld lag zwischen zwischen DI: 25 für „T“ aus der Cantina Tramin und DI: 40 für den Sieger. Am meisten überzeugt hat mich der Wein, den ich als letztes probierte: Gleisweiler Hölle 2004 Riesling Spätlese von Theo Minges in Flemlingen in der Pfalz (€ 7,90 in der Weinhandlung Goltz 23, Goltzstr. 23 in Berlin Schöneberg. Tel 030-2167718, keine Webseite. Achtung: der Laden hat in der Woche nur von 17 bis 20 Uhr geöffnet, am Samstag von 10-17 Uhr).

Der Riesling von Minges hat eine ordentliche Tiefe, er kommt leuchtend grün daher und riecht kräftig nach Frühlingskräutern. Auf der Zunge prickeln Zitrone und Stachelbeere, die superfrische Säure ist aber wunderbar eingebunden und hinterlässt keinen pelzigen Eindruck, wenn der Schluck dann die Kehle herunterrinnt. Gesamteindruck – ein Riesling, der sicher mit vielen kräftigen Speisen harmoniert, ganz bestimmt kein Spargelwein (die Spargelzeit ist ja auch vorbei), aber Curries, kräftige Fischgerichte auch mit Tomaten-Knoblauchnote, Pasta. Geht alles gut. Oder einfach so auf dem Balkon (habe ich ausprobiert). Hier kommt der Wermutstropfen: der 2004er ist ausgetrunken. Also, schnell den 2006er kaufen und zwei Jahre liegen lassen (klappt leider nie bei mir). Ich habe den 2006er schnell noch gekauft und probiert und ich kann vermelden: er ist jetzt schon gut, wunderbar frisch und wird bestimmt noch super. Das Schöne: Minges verwendet jetzt als einer der wenigen Winzer formschöne Glaskorken.

Beide Toprieslinge von Minges liegen im großen Rieslingtest in der laufenden Ausgabe der Weinwelt unter 300 deutschen Rieslingen im oberen Feld, was sie wirklich verdient haben.

Hier die Liste der verkosteten Weine. Der drymartini-Index (DI) hat eine Skala von 0 bis 49.

T 2006, Cantina Tramin, Italien (Süd-Tirol). Chardonnay, Pinot Bianco, Sauvignon Blanc, Riesling. DI: 25. Frisch, aber ein bisschen der Säure zu viel.

Pinot Grigio 2006, Cantina Tramin, Italien (Süd-Tirol). DI: 35. Ausgewogene Säure, Äpfel und Zitrus.

Scalandrino 2006. Fattoria Mantellassi. Italien (Toskana). Vermentino. DI: 31. Frisch, wenig Säure, etwas flach im Abgang.

Le Vaglie 2005. Azienda Santa Barbara. Italien (Marken). Verdicchio. DI: 37 knochentrocken, aber nicht sauer. Klassewein.

Zesty White 2006. Ross Estate. Australien (Barossa Valley). Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling. DI: 37. Am Anfang gefällig, wird dann etwas flacher. Aber einer der Spitzenreiter.

Unwooded Chardonnay 2004. Peppercorn Lane. Australien (Limestone Coast). DI: 36 Eigentlich ganz gut und voll, aber kein Sommerwein.

Laumersheimer Kapellenberg 2005. Knipser. Deutschland (Pfalz). Riesling Kabinett. DI: 39. Knapp abgeschlagen. Viele verschiedene Aromen, wegen der deutlichen Säure eher ein Wein zum Essen.

Blanc de Noir 2006. Pfleger. Deutschland (Pfalz). Spätburgunder. DI: 37. Huch – ein Spätburgunder? Pfleger preist ihn als Weißherbst an, für mich ist er farblich und geschmacklich aber ein Weißwein. Spannend. Fruchtig, trocken.

Die Ergebnisse der Weinrallye gibt es in wenigen Tagen auf www.weinverkostungen.de.