Die oben zitierte Anregung fand ich auf einer Flasche 1998 Dynasty Dry Red. Was für ein wunderbares Kontrastprogramm zu US-amerikanischen Alkoholwarnungen.

Mit chinesischen Weinen stehe ich seit jeher auf Kriegsfuß. China ist ja mittlerweile der sechstgrößte Weinproduzent und auch schon siebtgrößter Weinkonsumenten der Welt (die Zahlen des World Wine Institutes gehen leider nur bis 2001, bei den entsprechenden Wachstumszahlen hat China vermutlich schon einige Plätze gut gemacht). Man kann es nicht aufhalten – das Land der Mitte schiebt sich kontinuierlich in allen Bereichen nach vorne. Bisher hatte ich aber nur selten einen chinesischen Wein entdeckt, der nur im Ansatz meine Gnade fand – vor allem, da in China die Preise für heimische Gewächse denen von Importweinen nicht nachstehen. Aber, man soll ja nicht aufgeben.

Also, auf in der Supermarkt in Wuhan. Aber wie wählt man aus? Beratung ist nicht – es spricht ja keine Verkäuferin Englisch (wäre spannend zu wissen, ob sie etwas von Wein verstehen). Eine Auswahl von ca. 40 Rot- und 10 Weißweinen. Viele alte Jahrgänge, vor allem von The Great Wall of China. Also, erst einmal zwei: einen preiswerten und einen mittelpreisigen.

2001 Moutai Cru Bourgeois (!) für ca. € 3 war in 30 Sekunden erledigt. Einen so stechenden Korkgeruch, dazu noch so starke Azetontöne findet man selten. Schnell in den Ausguss.

Schon anders der bereits erwähnte Dynasty Dry Red Wine 1998 (€ 9). Gerade so am Kippen, aber durchaus noch trinkbar. Geruch undefinierbar, Geschmack undefinierbar, keine Beeren, kein Holz, keine Vanille, vielleicht am ehesten noch Lakritz (vielleicht ein gaaanz kleiner Korkschmecker, und ein klitzekleines bisschen Azeton). Nicht wirklich so gut, dass man nicht auf einen der Importweine zurückgreifen sollte, die es in allen Kaufhäusern gibt. Aber auch nicht so, dass man die Flasche auskippen muss. Und er ist ja gesund.

Ein letzter Versuch. Vielleicht lag es ja im Supermarkt – in Deutschland kaufe ich auch auch nicht dort. Das Restaurant meines Hotels scheint die Flaschen vernünftig zu lagern. Zum chinesischen Abendessen (scharfes Rindfleisch mit vielen grünen Chilischoten, gebratener Tofu mit Frühlingszwiebeln) bestelle ich Changyu Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 1996. Das Weingut besteht seit 1892. Bei Wein-Plus findet man folgende Information:

Der Regierungsbeamte Zhang Bishi führte aus Europa 120 Vinifera-Sorten ein, kaufte 67 Hektar Land in Yantai auf der Halbinsel Shandong und gründete die Kellerei Changyu (Zhang Yu = Wohlstand). Als Kellermeister wurde der österreichische Konsul Baron Max von Babo eingesetzt, der Fässer und Pressen aus Österreich einführte und die Kellerei zu internationalem Ansehen brachte. Das war die Geburtsstunde des heutigen Wein-Unternehmens mit dem vollen Namen „Yantai Changyu Pioneer Wine Company Limited”. Ursprünglich war dies ein reiner Staatsbetrieb, in der Zwischenzeit hält der Staat noch 51% der Aktien. Die Weingärten umfassen knapp 4.700 Hektar Rebfläche.

Ja, diesen Wein kann man trinken. Typischer Cabernet-Geschmack, Lakritz und Leder, kein absoluter Premium-Wein, aber besser als vieles, was man im heimischen Supermarktregal findet. Im Restaurant kostet er € 24, ich vermute, dass der Ladenpreis bei ca. € 10-15 liegt.

Eine gute Zusammenfassung der chinesischen Weinindustrie findet man in der Beijing Rundschau.