Wir kommen seit über fünf Jahren hierher. Irgendwann, nicht lange nach der Eröffnung, hatten wir die Burg Stavenow im Internet entdeckt und kamen für ein Wochenende. Dann für einen zweiwöchigen Sommerurlaub, dann für ein Herbstwochenende, über Weihnachten, Sylvester. Zu jeder Jahreszeit. Inzwischen waren wir mindestens ein dutzend Mal hier.

Was ist die Burg Stavenow? Es hängt kein Schild an der Straße von Karstädt in der Westprignitz, zwischen Hamburg und Berlin, das auf die Burg hinweist. Ein Hotel? Nein – obwohl Zimmer vermietet werden. Eine Ferienanlage? Gott bewahre! Ein Restaurant? Eindeutig nein, obwohl man hier mit Vorbestellung gut essen kann. Was ist es denn? Für mich der perfekte Ort, um in kurzer Zeit in einen tranceähnlichen Zustand der tiefen Entspannung zu geraten.

Das alte Rittergut Stavenow im gleichnamigen 60-Seelendorf war eines dieser heruntergekommenen DDR-Objekte, als sie von Okka de Wall und Alexander Boué Ende der neunziger Jahre entdeckt und gekauft wurde. Im Haupthaus, im alten Stall und in dem Westflügel gibt es kleine und größere Apartments mit ebenso kleiner oder großer Küche. Wie haben alle Apartments durchprobiert und jedes hat seinen eigenen Charme, alle persönlich eingerichtet und voll mit Büchern, die von der Vergangenheit Fräulein de Walls als Buchhändlerin zeugen. Lesestoff muss man hier nicht mitbringen.

Auf dem großen baumbestandenen Grundstück gibt es neben einem Bouleplatz auch einen Badeteich; das Turmzimmer der Burg schmückt seit kurzem ein eleganter Billardtisch mit rotem Tuch. Fast zu jeder Jahreszeit brennt ein Feuer im offenen Kamin; hier lässt es sich nett mit anderen Gästen oder den Burgherren plauschen.

Die Tatsache, dass sich rund um die Burg ein großes und wildreiches Waldgebiet erstreckt; die Möglichkeit, auf kleinen Straßen zur nahe gelegenen Elbe zu radeln, die Abwesenheit von Fernsehern auf den Zimmern (und sehr schlechte Mobilfunkverbindungen), im Sommer die toskanische Veranda, im Winter die gemütlichen Kaminöfen und vor allem das gemächliche Tempo des Burglebens lassen schnell den Alltag vergessen. Am zweiten Tag meiner Ankunft ergreift mich regelmäßig eine große Ruhe und Ausgeglichenheit.

Die Burgherrin kocht auf Wunsch und vielfältig – oft kommen Produkte aus Wald, Wiese und der umgebenden Landwirtschaft auf den Tisch (einschließlich der selbst gezogenen Zicklein); der Weinkeller lässt sich sehen. Frühstück wird ebenfalls nach Bedarf angeboten.

Wer Ruhe sucht, wird in diesem Teil Deutschlands kaum eine besser geeignete Oase finden.

Burg Stavenow
Okka de Wall
D-19357 Stavenow/Prignitz
Tel./Fax: +49-(0)38797-59133

Fotos: Heike Overberg