Zweifelsohne: Der Aufenthalt in einer Bar geht ans Geld. Wenn man zu zweit ist, kommen nur für Getränke locker € 40-50 zusammen. Leider ist dieses Geld nicht immer gut investiert. Ist man mit einer schönen Frau oder einem schönen Mann zusammen, spielt die Frage der Getränkequalität vielleicht nicht die wichtigste Rolle; dann geht es mehr um Beleuchtung, Musik, etc.. Ist man aber dem Thekenmeister alleine ausgeliefert, kann die Wahl der falschen Bar leicht ins Fiasko bzw. einen verdorbenen Abend führen. Daher kam mir die Idee zu einem kleinen Bar-O-Meter, ein kleiner Test, der die Qualität der Bar an Hand einiger Indikatoren anzeigt.

1. An der Tür
Im Prinzip ist eine Bar eine öffentliche Einrichtung. Wer hier Barrieren aufbaut, hat entweder etwas zu verbergen oder pflegt einen aufgesetzten Elitismus. Also: auch wenn ich manchmal die kleine Klingel auch witzig finde, Gesichts- oder Bekleidungskontrolle ist out, was nicht heißt, dass man in jede Bar mit Shorts und Schlappen gehen sollte. Hier hat der Gast die Verantwortung, sich dem Stil der Bar anzupassen. Ein Zeichen für eine gute Bar ist es jedoch, wenn ich an der Tür nach meinem Wunschplatz gefragt werde und, nachdem mir der Mantel abgenommen wurde, zu ebendiesem Platz geleitet werde. Als erstes wird ein Glas Wasser serviert, das regelmäßig nachgefüllt wird. Das ist übrigens im wirtschaftlichen Interesse der Bar – so lässt sich mehr Alkohol vertragen.

2. Orientierung und Einrichtung
Was wäre eine Bar ohne die Bar (im Deutschen auch „Tresen“ genannt)? Der Gast muss die Möglichkeit haben, gleichzeitig zu trinken und das Weiße in den Augen des Bartenders (oder der Bartenderin) zu sehen. Für den Einzeltrinker ist die Bar der Platz der Wahl, am best dort, wo die Bartenderin die Feinarbeit macht, also z.B. Obst zuschneiden. Alles andere ist eine Stil- und Geschmacksfrage, es gibt weder eine über- noch eine unterdesignte Bar. Aber stimmig sollte das Konzept schon sein. Es ist selbstverständlich, dass die Flaschen übersichtlich sortiert sind und der Gast leicht seine Lieblingsspirituosen erkennen kann.

3. Die Getränkekarte
Die Qualität der Barmenüs hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Sie sind die Visitenkarten für eine gute Bar. Ein Barmenü lädt dazu ein, sich mit dem spezifischen Angebot zu beschäftigen, einen generellen Eindruck vom Schwerpunkt der Bar zu bekommen und Lust aufs Trinken zu machen. Natürlich soll die Karte nicht mehr versprechen, als was sie halten kann.

4. Das Angebot an Cocktails
Viel ist nicht unbedingt mehr – es geht nicht um die schiere Anzahl, sondern um die Vielfältigkeit der Drinks. Klassiker gehören dazu, also z.B. Martinis, Daiquiris, Sours, Margaritas, Manhattan, etc.. Eine gute Bar ist stolz auf ihre Eigenkreationen und kennzeichnet diese entsprechend. Das Angebot an alkoholfreien Cocktails sollte vielfältig sein und es sollte auch Cocktails mit wenig Alkohol geben.

5. Die Spirituosen
Von jeder Spirituosengattung sollte es eine gute Auswahl geben, die aber von der Vielfalt der jeweils verfügbaren Brands und von der Spezialisierung der Bar abhängt. Also: jeweils mindestens 4-5 Gins, Vodkas, Bourbons, Malts, Rums. Die Auswahl sagt etwas über die Warenkenntnisse des Barchefs – nur Gordon’s Dry Gin, Absolut Vodka, Bacardi und Jim Beam zeugen von einem eher beschränkten Horizont. Jede gute Bar hat ein paar „Schätze“, die man an anderen Plätzen selten findet, also zum Beispiel eine seltene Rumsorte. Bei Standarddrinks fragt der Keeper einer guten Bar, welche Spirituose der Gast wünscht, also z.B.: „Mit welchem Gin hätten Sie den gerne den Martini?“

6. Die Zutaten
Gute Bars machen ihre Säfte selbst und habe ein hochwertiges Sortiment an Bitters (z.B. Peychaud, oder The Bitter Truth). Zu üppige Garnierung kann zwar schön aussehen, aber auch die Qualität verkleistern. Bei manchen Drinks, z.B. dem Martini, fragt der Keeper den Gast nach der Art der gewünschten Garnitur – oder serviert die Drinks pur, ohne Verzierung.

7. Die Gläser und das andere Zubehör
Fast selbstverständlich, dass die Glasauswahl etwas über den Standard der Bar aussagt. Jeder Drink hat eine typische Glasform, in der sich sein Geschmack am besten entwickelt. Gläser werden vorgekühlt (außer, wenn der Drink später auf Eis serviert wird), entweder im Freezer, oder während der Zubereitung mit einigen Eiswürfeln, die dann verworfen werden. Der Mixer hat eine Vielzahl von Shakern und Rührgläsern, bevorzugt aber für viele Drinks den zweiteiligen Boston-Shaker mit Glasaufsatz.

8. Die  Auswahl an anderen Getränken
Gute Bars verpflichten die Gäste nicht dazu, Coacktails oder harte Sprituosen zu trinken. Eine Auswahl and guten Bieren und vor allem an guten offenen Weinen ist das i-Tüpfelchen. Leider ist die Weinkarte in deutschen Bars sehr häufig unterbelichtet. Hier gibt es viel Entwicklungsarbeit, wie Helmut Adam in der letzten Prinausgabe von Mixology dankenswerterweise geschrieben hat.

9. Das Personal
Jeder Barkeeper ist ein Individuum. Wohl fühle ich mich, wenn ich mit dem Personal plauschen kann, aber auch die Wahl des Schweigens habe. Wie in jedem guten Gastronomiebetrieb ist es letztendlich der zurückhaltende, aber aufmerksame Service, der die Qualität der Bar ausmacht.

10. Ein Test: Der Martini
Ein einfacher Qualitätstest für die Bar ist der Martini. Hier kann der Bartender seine Kunst, aber auch die Bereitschaft zur Dienstleistung zeigen. Er fragt, ob man den Martini dry oder nicht so dry haben möchte. Er fragt nach der Wahl der Spirituose und nach der gewünschten Garnitur (Olive, Zitrone, Gurke, etc.). Er kühlt das Glas vor und serviert einen perfekten, eiskalten, nicht verwässerten Drink. Wohl bekomms.

 Foto: jeffdoe auf Flickr