Gerade erreichte mich die Nachricht, dass am 5. August 2007 die Berliner Jazz-Combo Jazz and all those Charms in der Oxident Bar auftritt. Ich lernte sie anlässlich der letzten Kreuzberger Langen Buchnacht im Mai 2007 kennen. Etwas für schräge Gemüter. Der Name erinnert an Danill Charms – oder Daniel, oder Harms, oder Kharms,  (1905-1942), einen absurden russischen Dichter, der leider fast völlig in Vergessenheit geraten ist. Ich erinnere mich noch an vergnügliche Stunden mit meiner Russischlehrerin in Sankt Petersburg im kalten Dezember 1994, mit der ich stundenlang über seiner Prosa gesessen habe. Leider ist es sehr schwierig, überhaupt etwas im Deutschen über Charms zu finden, daher ist das Jazzkonzert eine gute Gelegenheit, Texte von ihm kennenzulernen, die mit Witz szenisch vorgetragen und musikalisch interpretiert werden.

Poster: © Conrado del Rosario

Eine kleine Kostprobe:

Eine alte Frau lehnte sich aus übergroßer Neugierde zu weit aus dem Fenster, fiel und zerschellte.

Aus dem Fenster lehnte sich eine zweite alte Frau und begann, auf die Tote hinabzuschauen, aber aus übergroßer Neugierde fiel auch sie aus dem Fenster, fiel und zerschellte.

Dann fiel die dritte alte Frau aus dem Fenster, dann die vierte, dann die fünfte.

Als die sechste alte Frau hinausgefallen war, hatte ich es satt, ihnen zuzuschauen, und ging auf den Malcevskij Markt, wo man angeblich einem Blinden einen gestrickten Schal geschenkt hatte.

(gefunden auf der Rohrpostkreuzung)