Nein, dieses Restaurant ist zehn Monate nach seiner Eröffnung kein Geheimtipp mehr, und es gibt vermutlich wenige andere Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern für die man, zumindest am Wochenende, besser zwei bis drei Wochen im Voraus reserviert. Das liegt zum einen daran, dass sich Ruf der Alten Schule in Fürstenhagen unter Berliner Feinschmeckern wie ein Waldbránd im trockenen Sommer Mecklenburgs verbreitet hat. Dazu kommt, dass es hier nur 20-30 Plätze gibt (je nachdem, wie eng die Tische gestellt werden).

Nachdem wir im Tip, im Feinschmecker und im Essen+Trinken von der Alten Schule gelesen hatten, konnten wir nicht länger warten und sind mit Freunden auf eine Landpartie gestartet. Meine Liebste und ich sind – als leidenschaftliche Paddler – seit über zehn Jahren eingeschworene Fans der Feldberger Seenlandschaft. Ich wurde kürzlich von ausländischen Freunden gefragt, was die schönsten Landschaften in Deutschland sind. Meine Antwort: Das bayerische Voralpenland, die Rheinebene südlich von Bonn, und die Seenlandschaft in Norden Brandenburgs und im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Entgegen allen Zweiflern bin ich auch fest davon überzeugt, dass das gastronomische Angebot in diesem Bundesland stetig zunimmt – sofort fallen mir „Ich weiß ein Haus am See“ (Krakow – 1 Michelinstern), „Kleines Meer“ (Waren), „Cafe Namenlos“ (Ahrenshoop) und „Haferland“ (Wieck – 1 Michelinstern) ein. Die „Alte Schule“ setzt dem Ganzen ein Sahnehäubchen auf. Wie lange wird der erste Michelin-Stern auf sich warten?

Jetzt aber zum Restaurant selbst. Hier kocht Floran Löffler, der ehemals Küchenchef im legendären Berliner VAU war. Seine Lebensgefährtin Nadine Gala führt mit ruhiger und souveräner Hand den Service, von dem noch zu sprechen ist. Das Konzept ist denkbar einfach: Es gibt genau ein Menü, das täglich wechselt und nach Wahl aus drei oder vier Gängen besteht (die Gerichte können auch einzeln bestellt werden): zwei Vorspeisen zur Wahl, einen Zwischengang, zwei Hauptspeisen zur Wahl, ein Dessert. Nichts weiter – aber das war auch nicht nötig. Wir hatten das himmlische Glück, dieser Speisefolge zu begegnen:

Allerlei von der Wachtel mit karamelisiertem Spargel
oder
Gazpacho mit Aprikose und Flußkrebsen

Weinbergschnecken mit Steinpilzen und Artischocke

Wildbarsch im Stilmusfond mit Rotweinschalotten
oder
Feines vom „Hullerbusch“-Lamm auf Mangold-Paprika Gemüse

Tumbler von Rhabarber, Erdbeere, Minze und Vanille

Was soll ich sagen? Alles war sehr fein und mit frischen Zutaten aus der Region zubereitet, zum Beispiel Lammfleisch vom naheliegenden Schäferhof „Hullerbusch“. Oft erlebe ich es in anderen Restaurants, dass mich die Vorspeise umhaut, und dann mit jedem Gang die Qualität nachlässt. Hier gibt es eine kontinuierliche Steigerung bis zum Hauptgang. Die Gazpacho war herrlich säuerlich-fruchtig, die Wachtel mit wunderbarem Eigengeschmack, der karamelisierte Spargel ein kleines Zwischenhighlight. Die Schnecken harmonierten gut mit dem Artischockenmus und den Steinpilzen, das Lamm war zart und wohlschmeckend. Für mich der Höhepunkt: der Wildbarsch auf der Haut gebraten mit dem kräftigen Stilmuspüree, neben den Rotweinschalotten gab es noch Buchenpilze und eine Kräutersauce, alles bestens abgeschmeckt. Dann am Schluss noch der leckere süßsaüerliche Nachtisch. Eingerahmt wurde alles von einem Maränenfilet auf Graubrot als Amuse Geule und einer Linzer Torte als zweitem Dessert.

Die Weinkarte bietet 6 offene und 23 Flaschenweine: hier findet man die bekanntesten deutschen Winzer, wie Franz Künstler (Rheingau) oder Rudolf Fürst (Franken), eine Reihe anderer deutscher Gewächse sowie, vor allem im Rotweinfach, Burgunder, Bordeaux und einige Österreicher und Italiener. Wir tranken 2005 Monzinger Halenberg Riesling vom Weingut Emrich-Schönleber (Nahe) sowie den 2004 Spätburgunder von Rudolf Fürst. Der Riesling mit spritziger Frische, Zitrusaromen und Frühlingswiese, der im Barrique ausgebaute Spätburgunder mit kräftigen Gewürznoten (Curry? Koriander?) – für mich momentan einer der besten deutsche Rotweine, der allerdings seinen Preis hat.

Der Service in der Alten Schule: locker, unaufdringlich, witzig und gut beratend. Florian Löffler hat genug Zeit, um sich nach dem Essen seinen Gästen zu widmen. Hier macht es Spaß, vier unverkrampfte schöne Stunden mit Freunden zu verbringen, um dann in einem der acht rustikalen Zimmer („Kartenzimmer“, „Klassenzimmer“, etc.) sein Haupt zu betten. Wiederkommen!

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Vor dem Gutshaus Conow in Wittenhagen, gleich in der Nähe, lässt sich vortrefflich Boule spielen.

Das Dreigangmenü kostet um die 40 €, das Viergangmenü um die 50 €. Die Weinpreise sind äußerst fair kalkuliert. Die gemütlichen Doppelzimmer kosten 75 € inklusive dem Langschläferfrühstück (bis 11 Uhr).

Alte Schule Fürstenhagen
Zur Alten Schule 5
17258 Fürstenhagen/
Feldberger Seenlandschaft
Telefon 039831.22023

http://www.hotelalteschule.de/

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 18.00- 22.00 Uhr