Nichts hat mich auf Kairo vorbereitet. Nicht meine Reisen in viele andere Städte des Nahen Ostens (Beirut! Damaskus! Fes! Marrakesh! Dubai!), auch nicht ein Urlaub am Roten Meer. Was fällt einem zu Kairo ein bevor man da war? Große Stadt. Die Pyramiden. Chaos. Aber ein aufregendes Nachtleben wäre so ziemlich das Letzte, das ich von Kairo erwartet hätte. Auch wenn ich nur wenig Gelegenheit hatte, das Nachtleben auszukosten – wie der Name sagt, es fängt in der Nacht an, und ich musste morgens immer früh raus – hier ein paar Eindrücke:

Es ist wie in eine Reise in die Vergangenheit; eine Zeit von der wir Spätgebornenen manchmal träumen: Hinterhöfe, verrauchte Kneipen mit kritischen Türstehern, und dann: das pralle Leben. Hier ein kleiner Querschnitt durch das Nachtleben von Kairo:

After Eight ist ein Nightclub, d.h. eine Diskothek mit Livemusik in Downtown Kairo. Die Bar gibt es seid 40 Jahren, und es scheint, dass einige der Kellner schon bei der Eröffnung dabei waren. Es erinnert an Cafe Kaese der 60er Jahre – abgegriffenes Mobiliar, eine alte Holztheke. Als Remineszenz an die Moderne: Designerlampen, gepaart mit original Tischleuchten mit Lampenschirmen, die bessere Zeiten gesehen haben. Ab Mitternacht steppt hier der Bär – Dancefloor, und irgendwann, ganz spät, beginnt die Liveband mit orientalischen Rhythmen. 

La Bodega bietet eine Mischung aus Lounge und gediegener Restaurantatmosphäre. Auch diese Location ist schwer zu finden – man geht durch eine große metallene Gründerzeittür und fährt dann entweder mit dem mindestens 100 Jahre alten Aufzug oder geht per Treppe in den ersten Stock. Hier gibt es ein klassisch eingerichtetes Restaurant, ein anderes, das mehr Loungeatmosphäre hat, und eine kleine Bar in rotem Licht. Die Speisen sind der typische euroasiatische Fusionmix, der seit ein paar Jahren modern ist: „Minced Seabass Satay“ (Fischbällchen in cremiger und scharfer Sauce – die haben mir am besten geschmeckt), „A Traveller’s Tale of Chicken“ (gegrillte Hähnchenbrust, etwas trocken, zu Glasnudeln mit Chillies), Schokoladen-Orangenmousse (zu viele Gelatine). Das Menu kostet ca. 12 €. Das Essen könnte etwas besser sein, aber die Atmosphäre macht es wett.

Cairo Jazz Club konzentriert sich ganz auf die Musik – kein aufwendiges Design, kein Schnickschnack – eben ein Jazzclub. Viermal die Woche gibt es europäischen oder orientalischen Jazz. Auf Grund der Hauspolitik werden eigentlich nur Paare hineingelassen, da sich Frauen ansonsten bei einem großen Männerüberschuss nicht wohl fühlen. Mit ein bisschen Diskussion kommt man aber als einzelner Mann auch hinein.

Den besten Dry Martini bekam ich übrigens in der Pianobar des Marriott Hotels.

After Eight Nightclub
6, Kasr El Nile St. 
call +202.574.0855

Cairo Jazz Club
197, 26th july st., Agouza
call +202.345.9939

La Bodega
157, 26th of July Street
Zamalek
call +202.735.0543
Reservation recommended.

Yallabina bietet einen guten Überblick über die Szene.