Ja, der Club existiere noch, wurde mir telefonisch bestätigt. Ja, es wird heute abend Jazz gespielt. Nach meinen letzten Erfahrungen in Sachen Bars in Jakarta war ich etwas vorsichtig geworden und habe das Terrain erst einmal von meinem Hotelzimmer aus sondiert. Der Bell Captain, bevor er mich ins Taxi entließ, rief auch noch einmal im Nine Muses Club an und ließ sich eine Wegbescheibung geben. Auf nach Südjakarta, Blok M (nicht weit vom Stadtteil Kemang, der hier bereits beschrieben wurde). Nachts ca. 25 Minuten mit dem Taxi vom Alila Hotel.

Schon allein der Eingang zum Club ließ mich hoffen: ein mit künstlichen Fackeln beleuchteter Gang, der auf eine Bücherwand stößt. Man biegt nach links ab und kommt zu einer kleinen Ballustrade mit zwei Tischen, von der aus man auf den im unteren Stockwerk  gelegenen Hauptraum blickt. Sofort fühlt man sich wie in einer anderen Welt: Ein wohl durchdachter Stilmix aus asiatischen und europäischen Elementen, eklektizistisch – das scheint momentan das Motto zu sein (by the way: der Duden definiert „Eklektizismus als „unoriginelle, unschöpferische geistige od. künstlerische Arbeitsweise“. So ist das nicht gemeint… Ich bekenne mich zum Stilmix, und finde, das ist Kreativität pur. Außerdem, am Rande – anscheinend ist sich die intellektuelle Gemeinde nicht sicher, ob man dieses Wort mit einem oder zwei „k“ schreibt, eine Google-Suche bringt keine klaren Ergebnisse; der Duden sagt: ein „k“). Gedämpftes Licht, warme Farben. Ca. 50 Plätze. Ein kleiner Patio mit tropischer Vegetation schließt sich an.

Ich ließ mich an der Bar nieder, als einziger (es gibt diese Unsitte in manchen Restaurants: man muss eine Bar haben, aber man will nicht wirklich, dass die Gäste dort sitzen) und gab mich der Performance einer englischen Jazzsängerin mit ihrem indonesischen Trio hin. Nicht schlecht für den Anfang.

Etwas später, ich war kurz mal austreten, kam ich zurück an die Bar und mein Platz war besetzt von einer chinesischen Dame unspezifischen Alters (aber das geht mir bei Chinesen häufig so). „Ich bin die Erdnusslieferantin,“ stellte sie sich vor, „diese Mischung aus Erdnüssen und gerösteten Knoblauchscheiben habe ich heute gemacht. Wussten Sie übrigens, dass es viele verschiedene Varietäten von Erdnüssen gibt?“  Naja, dachte ich, es gibt interessante Möglichkeiten, seinen Unterhalt zu verdienen. Was sie denn noch mache? Den Club zu beraten. Aha, dachte ich, noch eine Beraterin.

Fünf Minuten später stellte sich heraus, das Dorothy Poon die Besitzerin der Nine Muses ist. Sie kommt aus Hong Kong und ist vor vielen Jahren in Jakarta hängen geblieben. Da sie gerne öffentlich singen wollte, eröffnete sie die Bar, in der sie Sonntagabend Mozart- und Pucciniarien, auch mal neapolitanische Volkslieder zum Besten gibt. An allen sechs anderen Tagen in der Woche gibt es Jazz oder Blues. Nebenbei versucht Dorothy, alle möglichen Kulturprojekte anzustoßen und kämpft gegen Windmühlen. Windmühlenkämpfer bekommen bei mir grundsätzlich einen Sympathievorschuss.

Das Konzept der Küche wird bestimmt vom französischen Chefkoch und dem französischen Food- und Beveragemanager. Es gibt gebratene Entenleber auf Brioche mit frischer Mango, Austern, ein bisschen Pasta, Steaks, Fisch. Der Schwerpunkt liegt auf Qualität und daher werden fast alle Produkte aus Europa oder Australien eingeflogen. „Es gibt hier in Indonesien nicht die kontinuierliche Qualität, die wir verlangen.“

Die Getränke? Nicht spektakulär, wollte ich schon sagen und geriet in eine Diskussion mit Dorothy, A’am, dem wunderbar kultivierten Oberkellner, der dem Gast sofort das Gefühl gibt, willkommen zu sein und Zeit für ein Schwätzchen hat, sich aber immer entschuldigt, wenn er sich um andere Gäste kümmern muss, und Gil, dem Beveragemanager. „Sie können froh sein, dass Sie hier Gin trinken können. Die indonesische Regierung ändert momentan ihre Einfuhrgesetze für Alkohol und es ist fast unmöglich, die Getränke zu bekommen, die man haben will. Alles steht für ein halbes Jahr im Containerhafen. Manchmal kaufen wir im Duty Freeshop für unsere Bar ein.“

Ein kultivierter, stylischer und zum Abspannen einladender Ort, Lichtjahre entfernt von den lauten Treffpunkten der jungen Schönen und Wilden Jakartas.

Opening Hours          
Monday – Thursday, Sunday opened from 6.30 pm – 1.00 am
Friday – Saturday opened from 6.30 pm – 2.00 am

No cover charge except on special events

 

Dress code
Casual Smart (no hats, caps, tee shirts, short pants, torn , jeans, and sport shoes allowed)

Contact
Tel +62 21 722 11 88
Address Jl. Wijaya I / 25, Kebayoran Baru,
Jakarta, Indonesia