Manchmal kann man sich sogar als Geschäftsreisender kleine Träume erfüllen. Diesen Traum träumte ich seit 8 Jahren, als zum ersten Mal nach Bandung, in den Bergen von Zentraljava gelegen, kam. Ich war damals anlässlich eines Workshops für zehn Tage in einem innerstädtischen Hotel untergebracht. Zu meinem Geburtstag hatte ich Freunde in das damalige Chedi Hotel eingeladen, das uns wegen seiner spektakulären Lage empfohlen wurde. Vor fünf Jahren wurde das Hotel von einer anderen Kette übernommen und umbenannt, jetzt heißt es Malya. Das Konzept ist geblieben, dazu später mehr.

Bandung ist eine Stadt mit 3 Millionen Einwohnern, ca. 130 km von Jakarta enfernt. Am Wochenende verdoppelt sich die Einwohnerzahl, da viele Familien aus Jakarta herkommen, um in den vielen Factory Outlet Stores einzukaufen (Bandung ist das Zentrum der indonesischen Textilindustrie – hier produzieren viele der großen und kleinen Modemarken. Das Klima ist durch die Höhenlage (700m) auch sehr angenehm, und Bandung hat für einen Kurzurlaub viel zu bieten.

Man kann mit dem Taxi oder mit dem Bus nach Bandung fahren, aber es gibt eine viel bessere Alternative: In drei Stunden schraubt sich der Zug von Jakarta Gambir durch die Berge hoch, vorbei an Reisfeldern und Dörfern mit den typischen Ziegelgedeckten Häusern. Pünktlich auf die Minute und mit viel Charme. Die Fahrt kostet in der 1. Klasse ca. 7 €.

Das Malya Hotel liegt am Rande von Bandung, an einer tropisch bewaldeten Schlucht. Die Luft ist dick, man spürt nicht die nahe Großstadt. Die Einrichtung ist so, wie man es sich von einem Hotel in Südostasien wünscht: Klare asiatische Formen, Wasser, viel Holz, Natur und einzelne, doch nicht zu viele folkloristische Elemente gemischt mit modernen Designs.

Ein Lächeln für die Empfangschefin verhalf mir zu einem Upgrade zu einem Zimmer mit Balkon. Am nächsten Tag wurde mir noch ein Upgrade in eine Suite angeboten, das ich aber dankend ablehnte. Man freut sich als Reisender, wenn man sein Zimmer gefunden hat. Als die Internetverbindung (gebührenfrei) nicht auf Anhieb funktionierte, wurde mir sofort ein anderes Zimmer angeboten, in dem es klappte. Der Service ist wie in den meisten guten Hotels in Indonesien makellos.

Da das Malya in die Schlucht gebaut ist, kommt man im obersten Stock an und fährt bis zum 5. Stock in umgekehrter Reihenfolge nach unten. Der Pool grenzt direkt an die Schlucht, ohne erhöhte Umrandung und fügt sich mit seinen flaschengrünen Kacheln in die umgebende Natur ein. Wie in jedem besseren Hotel in Südostasien lohnt sich ein Besuch im Spa – ich gönnte mir eine einstündige softe Malya Massage, die alle meine Sinne belebt hat.

Was das Malya ganz besonders macht, ist das Restaurant, das oberhalb der besagten Schlucht liegt – weniger wegen des Essen, sondern wegen seiner spektklären Lage. Man sitzt auf der Veranda und lauscht dem ständigen Konzert von Zikaden und Vögeln, begleitet von einem Gamelan- und Flötenspieler. Romantischer geht es kaum. Sensationell ist das Frühstücksbuffet, vor allem wegen seiner verschiedenen Fruchtmuse und kaltgerührter Marmeladen. Das Restaurant konzentriert sich ansonsten auf europäische/italienische Küche, die nicht gerade spektakulär ist und mit der Gesamtqualität des Hotels in keinster Weise mitkommt. Es gibt auch eine kleinere indonesische Karte, aber auch da bekommt man anderweitig mehr geboten. Der Wein schlägt in der Geldbörse zu Buche: Für eine Flasche australischen Howling Wolves 2005 Semillion Sauvignon Blanc mit einem netten frischen Zitrusaroma, aber wenig Abgang zahlte ich schlappe 45 €. Gibt es in Australien Wölfe?

Der Preis für das Hotel? Schwer zu sagen, da mir das Hotel über eine lokale Reiseagentur vermittelt wurde. Ich zahlte ca. 75 €, Frühstück inklusive. Am Wochenende ist das Malya meist ausgebucht, wegen den bereits erwähnten Jakarta-Touristen, und dann ist es auch teuer. Gute Internetangebote sind für dieses Hotel schwer zu finden.

Die unglaublich friedliche Atmosphäre, die frische Luft, die leise Musik, alles das hat dazu beigetragen, dass mir die Arbeit, die ich zu erledigen hatte, leicht fiel. Hier macht das Nomadensein Spaß – mit der Liebsten wäre es aber ein Urlaub für alle Sinne. Ich komme wieder (und werde ein Wort bei der Direktion einlegen, dass sie ihr Restaurant upgraden).

Fotos: drymartini (copyright granted for non-commercial purposes)