Internetcommunities schießen ja momentan wie Pilze aus dem Boden. Auch mich hat das Thema Web 2.0 gepackt, und im April hatte ich auch einen riesigen Kogress zu diesem Thema in San Francisco besucht. Leider gab es diesem Blog bis dahin noch nicht – vielleicht muss ich mal meine Notizen aus dieser Zeit aufarbeiten, denn ich hatte doch einige nette Restaurants und Weine gefunden, über die hier zu berichten wäre. Ein andermal.

So ist es nicht verwunderlich, dass es auch eine Community zum Thema Restaurants (und anderer urbaner Dientsleistungen) gibt – Qype (die Tatsache, dass es praktisch kein verfügbaren kurzen Namen für Webseiten gibt, treibt wirklich seltsame Blüten). Qype hat ein simples und (theoretisch) effektives Konzept: Es besteht aus einer Art Blog, in dem jeder registrierte User seine Erlebnisse in und Empfehlungen über seine Stadt niederschreiben kann (mich interessiert hier nur der Teil, der sich mit Restaurants beschäftigt). Weitere Elemente dieser Seite sind ein Tag-System, also eine Kategorisierung der Beiträge durch die User, das unvermeidliche Google Maps-Mashup (d.h. die Verbindung eines Eintrags mit einer Karte, auf der das Restaurant schnell gefunden ist), und einem Bewertungssystem durch andere User (Hilfreich? Gut geschrieben?). Es gibt bereits Einträge aus Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern. So weit so gut.

Die Seite ist offensichtlich noch im Aufbau und so kann man zwar schon viele Tipps einsehen, aber es wird doch noch einige Zeit dauern bis sie wirklich nützlich wird – wenn sie es denn wird. Momentan lässt sich feststellen, dass erstens die Qualität der Einträge – gelinde gesagt – sehr schwankt, und im Großen und Ganzen über Bemerkungen wie

Ambiente ist sehr ansprechend – sehr groß, fast alles ist weiß, alle Stühle sind vom Stil „Louis Seize“-motiviert. Das Personal ist sehr freundlich, aufmerksam und professionell. Ich hätte das bis heute nicht gedacht und bin sehr positiv überrascht. Ich werde demnächst auch mal hier essen gehen.

nicht hinausgeht. Es passiert dann auch, dass ein Restaurant wie das Shiro i Shiro in Berlin Mitte, das innovative Fusionküche bietet, mit chinesisch kategorisiert wird, was überhaupt keine Basis hat (am ehesten würde ich dann noch japanisch durchgehen lassen, da es auch Sushi gibt). Zweitens lässt der Bewertungsmechanismus sehr zu wünschen übrig. Fast alle Einträge sind mit vier oder fünf Sternen bewertet, und die Liste der „besten“ Restaurants in Berlin lässt doch schmunzeln. Unter der ersten zehn finden sich z.B. das Amrit in der Oranienburger Straße. Für die, die es nicht kennen: Amrit ist eine Kette indischer Restaurants zweiter Generation, die sich dadurch auszeichnen, dass die in der ersten Generation Berliner indischer Restaurants vorherschende Sahnesauce durch eine rote süß-saure Pampe ersetzt wurde, die an eine Verwendung von Ketchup (oder ähnlicher Grundzutaten) erinnert – aber vielleicht ist dies momentan einfach der Massengeschmack. Amrit ist sehr erfolgreich, das hängt wohl auch mit dem wohldurchdachten Food und Interieur Design zusammen – richtige Easy Listening Restaurants.

Die führenden Restaurants in Berlin, zum Beispiel das Restaurant 44, fehlen vollkommen in dieser Liste, und es finden sich auch nur drei Einträge im System, die auf dieses Restaurant verweisen („DAS ist es !! Bei Sonnenschein auf der Aussenterasse die “ Evolution “ geniessen.).

Ich werde Qype wohlwollend beobachten und gegebenenfalls wieder darüber berichten.