Wein


Ja ich weiß es selbst – seit fast zwei Monaten habe ich keinen Blogpost mehr geschrieben. Mir fehlte einfach die Motivation und vor allem die Zeit. Zu viel Arbeit.

In den letzten zwei Wochen war ich auf beruflichem Trip durch Amerikas Osten. Ohio-Conneticut-Massachussetts-Washingto D.C.-Georgia. Fünf Hotels in 14 Tagen, drei Inlandsflüge, Mietwagen. Das Beste aber war die Fahrt im Amtrakzug von Boston nach Washington D.C., durch New York, Philadelphia and Baltimore. In die Fjordlandschaft Conneticuts habe ich mich spontan verliebt.

Kulinarisch gibt es nicht viel zu berichten, da ich meist mit schlechtem Konferenzessen versorgt war. Also in Kurzform die Dinge, die wirklich berichtenswert waren (eigentlich nur drei, neben dem Hummer, den ich in meinem kleinen Hotelrestaurant in Boston für $ 22 gegessen habe):

Restaurant Mio in Washington D.C.: Hier kocht zur Freude der Hauptstädter Stefano Frigerio, der ehmalige Chefkoch des Ritz-Carltons, der zwischendrin versucht hatte, sich in Baltimore selbständig zu machen, dann erfolgreich für diese Institution angeworben wurde. In schlichter, ungezwungener Atmosphäre stimmern Cocktails, Weine, das modern interpretierte italienische Essen und dann auch die Preise (der gegenwärtige Dollarkurs macht das Genießen sowiese noch süßer). Ich aß als Vorspeise kleine Tintenfische in einer scharfen Sauce und dann Wachtel auf Basilikumrisotto mt Steinpilzen.

Ich liebe ja seitdem ich in Oregon war die Pinot Noirs aus Amerikas Nordwesten.  Spannend fand ich daher den Roten von Wein by Joe, ein leicht zu drinkender Pinot Noir, der mit einem frechen Ettikett daher kommt.

Ein Ort, um gute Südstaateküche in Atlanta in lockerer Atmosphäre zu genießen, ist JCT Kitchen & Bar, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Die Austern sind superfrisch, das Fleisch genau auf den Punkt zubereitet und die Pommes waren mit die besten, die ich seit langem gegessen habe (auch hier gibt es übrigens Wein von Joe).

Mio
1110 Vermont Avenue, NW
Washington DC, 20005
Phone: 202-955-0075

JCT Kitchen & Bar
In Atlanta’s Westside Urban Market
1198 Howell Mill Road, Suite 18
Atlanta, GA 30318
Phone: (404) 355-2252 

Es gibt wenig Plätze auf der Erde (außer zuhause – Berlin), auf die ich mich immer wieder die Vorfreude packt und schüttelt. Kapstadt steht einsam an der Spitze meiner Liste. Alleine schon die Fahrt vom Flughafen in die City lässt mein Herz höher schlagen – der erste Blick auf Devil’s Peak und den Tafel Berg, dann öffnet sich der Blick zum Hafen und zur Waterfront, und schon ist man im Herzen eines der schönsten Flecken dieser Erde.

Bei meinem fünften Besuch in Kapstadt habe ich mir ein Fahrrad geliehen. Mein Hotel in Seapoint ist ein hervorragender Ausgangspunkt für kleine Tagestouren, wenn dann am späten Nachmittag das Business ein Ende hat. Wie ein Magnet zieht mich Camps Bay an, 5 km von Sea Point und 10 m vom Stadtzentrum entfernt. Hier kann, wenn der Wettergott gnädig ist nichts anderes als glücklich sein. Blind irgendein Restaurant auswählen, Seafood und Wein bestellen und jeden Moment genießen.

Natürlich müssen es Austern sein (€ 0,60 das Stück), am besten die aus Namibia – es gibt kaum bessere auf dieser Welt. Dazu ein Seafood-Salat mit einer Tomatenvinaigrette (€ 6). Und natürlich ein Sauvignon Blanc, zum Beispiel von Zevenwacht – gib mir die Stachelbeere (€ 12 die Flasche). Das alles im Ocean Blue – oder irgendwo sonst - aber hier stimmt der Service und der Preis.

Die Götter meinen es gut mit mir!

Ocean Blue
Camps Bay
Tel. 438 9838

Kürzlich hatte ich einmal wieder die Gelegenheit, einige mir nicht bekannte Rotweine aus Spanien im mittleren Preissegment zu verkosten. Darunter waren einige Preziosen, die durch ihre Art aus dem großen See von Massengeschmacksweinen hervorstechen.

Ándalus Petit Verdot 2003. Die Weine des Principe Alfonso de Hohenlohe, einem Anghörigen eines eintausend Jahre alten fränkischen Adelsgeschlechts, waren mir schon früher aufgefallen. Der Prinz produziert in Andalusien. Neben dem Sherry sind andalusische Weine ja in Deutschland nicht gerade sehr bekannt, obwohl sie den momentan sehr hochfavorisierten süditalienischen Weinen mehr als Paroli geben können. Der Ándalus Petit Verdot ist verdammt gut, aber er ist ungewöhnlich, da diese Rebe sonst nie in reiner Form ausgebaut wird, sondern in Cuvées gemischt wird:

Petit Verdot (dt. ‘kleiner Grünling’) ist eine sehr spätreifende Rebsorte. Ihr tanninreicher und säurehaltiger Wein wird in manchen Ortschaften des Bordeaux, v. a. in Margaux, in kleinen Teilen der Cuvée hinzugefügt, um dem Wein mehr Stärke und Langlebigkeit zu geben. Ansonsten wird die Rebe vor allem im heißen Südaustralien (z.B. Barossa Valley und Umgebung) angebaut, wo auch sehr kräftige, farbintensive und robuste, manchmal große Rebsortenweine aus ihr gekeltert werden. Kleine Anpflanzungen sind auch in Chile, Südafrika, Kalifornien, Neuseeland, Argentinien und der Schweiz bekannt. (aus Wikipedia)

Der Ándalus besticht durch seine tiefrote Farbe und seinen intensivern Geschmack nach Kirsche, Leder und Schokolade. Wirklich einen Versuch wert! (€25,90)

Ich bin ja im Rioja-Weinladen als der Mann bekannt, „der keinen Rioja mag“. Naja, das Etikett habe ich mir vermutlich verdient. Aber auch ich muss anerkennen, dass sich in Rioja in den letzten Jahren viel getan hat. Viele Riojas sind „moderner“ geworden, d.h. sie schmecken nicht mehr nur vordergründig nach Holz. Ich war sehr überrascht, zwei sehr spannende, außergewöhnliche Weine kennenzulernen, beide von der Kellerei Viña Ijalba. Das besondere an beiden Weinen ist, dass sie schon fast ausgestorbene oder vergessene Reben zum neuen Leben erwecken:

Ijalba Graciano, Crianza 2004:

Graciano gehört zu den seltensten Rebsorten in der Rioja. Ijalba ist im Besitz der größten Graciano-Rebfläche, in der nach traditioneller Weise angebaut wird: eine geringe Rebstockdichte (3500 pro ha) ergibt einen Ertrag von 4000 kg pro ha. (aus dem Katalog des Rioja-Weinladens).

Der Graciano hat eine tiefe dunkle Farbe, schmeckt nach Leder und Schokolade (könnte fast als Pinotage oder Shiraz durchgehen). Dunkle Früchte, kräftige Tannine und wenig Holz zur Abrundung. € 13 sind mehr als angemessen.

Aus der gleichen Kellerei kommt der Dionisos Ruiz Ijalba 2003, der sortenrein aus der Maturana-Rebe hergestellt wird, die fast ausgestorben ist. Weltweit existiert – immerhin oder gerade mal – eine Rebfläche von 2 ha. Ein leichter, wunderbar ausgewogener Wein mit dem Aroma von Johannesbeeren und Himbeeren, etwas Muskatnuss, der nach allem, nur nicht nach Rioja schmeckt. Wenn er nicht € 16,50 kosten würde, könnte man ihn jeden Tag trinken.

Und zum Schluss der Knaller. Zu seinem 25-jährigen Bestehen hat sich der Rioja-Weinladens eine Spezialabfüllung der Navarra-Kellerei Malumbres. Selección del Presidente 2002 ist eine Cuvee aus je 40% Granacha und Tempranillo, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Merlot, die 24 Monate im Barrique gelagert wird. Man muss diesem Wein viel Zeit geben, da direkt nach dem Entkorken der Fassgeschmack zu sehr hervorsticht. Nach dem Dekantieren oder ein paar Stunden nach dem Öffnen der Flasche kann hiervon keine Rede mehr sein – schwere und runde Aromen aus dunklen Beeren, viel Leder und Bitterschokolade machen aus dem Malumbres einen fulminanten Wein, der seine € 23 wert ist.

Alle vier Weine sind erhältlich bein Rioja-Weinspezialist, Berlin.

Fotos: Rioja-Weinspeziaist

Leider hatte ich nur wenig Zeit, die Restaurant- und Barszene in Helsinki zu erkunden, bevor ich zu Freunden nach Mittelfinnland aufgebrochen bin. Diese charmante Stadt hat viel zu bieten, zu Preisen, die dann nicht so hóch liegen wie erwartet.

Zwei Restaurants – zwei Empfehlungen:

Das Aino, in der Nähe des Doms, wirbt mit finnischer Küche. Ein heller, Raum, angenehm dekoriert, genug Platz zwischen den Tischen für persönliche Gespräche und makellos freundlicher Service. Die Speisekarte bietet rustikale finnische Klassiker wie Brathering mit Kartoffelbrei und Rote Beete, oder Blinis mit Stör und Sauerrahm, aber auch feine Speisen wie Rentierfilet mit Crawberry-Sauce. Die Weinkarte ist ordentlich (aber wie in den meisten Restaurants in Finnland sind es die Weine, die einen tief in die Tasche greifen lassen). Warum nicht mal ein Bier, zum Beispiel das rote finnische Bitterbier Huvila E.S.B.?

Gleich um die Ecke liegt das Nuevo – wie der Name andeutet, ein spanisches Restaurant, dass aber sich weniger auf Tapas konzentriert als auf spanische Interpretationen klassischer und moderner Küche, wie z.B. warmer Ziegenkäse auf Blattsalat mit dickem Balsamico-Syrup (€ 8,50), oder Wachtel mit Foie Gras gefüllt, Wurzelgemüse und Perlhuhn-Consommé (€ 28,50). Die Weinliste mit spanischen und internationalen Weinen ist sehr anspruchsvoll und bietet einige außergewöhnliche Gewächse, wie z.B. Cuatro Pasos Mencia 2004, von Martin Codax aus Bierzo (€ 43), einer kleinen Region aus der innovative Weine kommen. Der Quatros Pasos kommt leicht aber doch mit interessanten Lakritzaromen und einem spannenden leichten Salzgeschmack daher (Nein, dem Koch war nicht der Salzstreuer ausgerutscht – wir probierten eine zweite Flasche). Belvini.de schreibt dazu:

Der Name Cuatro Pasos, auf Deutsch die vier Pfoten, stammt von der Entdeckung von vier Bärenpfoten in einer der höchsten Weinlagen, wovon die Trauben für diesen Wein stammen. Es gibt insgesamt vier Weinlagen Otero, Hornija, Corullón und Valtuille mit unterschiedlichen Bodeneigenschaften, wo die Trauben gelesen werden. Der Wein wird 12 Monate in Holzfässern von vier verschiedenen Holzarten ausgebaut, welche diesen unverwechselbaren Geschmack stark beeinflussen. Volle Frucht und ausgeprägte Tannine vermählen sich in diesem Rotwein zu einem opulent-feinnervigen Vergnügen! Ein besonderes Genusserlebnis!

RAVINTOLA AINO
Pohjoisesplanadi 21
00100 Helsinki
Tel.  (09) 624 327

Nuevo 
Sofiankatu 4
00170 Helsinki
Tel: (09) 677 101
E-mail: myyntipalvelu@royalravintolat.com

Foto: (1) drymartini, (2) Belvini.de

Die Klimakatastrophe hat ja manchmal ihr Gutes. Hier sind zwei Argumente: erstens wird in tropischen Ländern am Einsatz von Klimaanlagen gespart und man entgeht dadurch immer häufiger dem drohenden Kältetod. Zweitens wird plötzlich in Ländern guter Wein produziert, die sich vorher allenfalls durch den Anbau von Braugerste auzeichneten.

Ein solches Land ist England. Was ich in der Recherche fuer diesen Blogeintrag lernen musste ist, dass es schon seit der Ankunft der Römer und kontinuierlich über 2000 Jahre in England Wein gab, die Produktion aber 1911 praktisch eingestellt und erst in den fünfziger Jahren wieder aufgenommen wurde.

Nachdem ich in den letzten Monaten schon mehrmals von der außergewöhnlichen Qualität von englischem Sekt gehört und gelesen hatte, war ich ganz gespannt auf die erste Verkostung.

Ein Freund hatte mir eine Flasche Bloomsbury Merret der Kelterei Ridgeview mitgebracht. Der (weiße) Merret hat mich umgehauen. Kombiniert aus 58% Chardonay, 25% Pinot Noir und 17% Pinot Meunier ist das ein Sekt mit wunderbar feinen Perlen, ohne hervorstechenden Säure mit Aroma von Aprikosen und Birnen. Einfach fein. Champagnerqualität.

Nein – den Titel zu diesem Blogeintrag habe ich mir nicht selbst ausgedacht – es ist das Motto dieses kleinen, feinen Restaurants im Herzen Schönebergs. Meine Liebste und ich gehen hier schon seit Jahren gerne hin, bevorzugt im Herbst, wenn es draußen kalt und nass wird. Das La Cocotte serviert nämlich französische Klassiker.

Schon am Telefon wird man mit einem freundlichen „Bon Soir“ begrüßt, und so wird der ganze Abend von einem herrlichen Fronkreisch-Feeling begleitet – das Team ist durchgehend frankophon. Und so bleibt es auch nicht aus, dass wir über die Besonderheit der französischen Nasallaute aufgeklärt werden. Hier ist alles authentisch – und die Freundlichkeit des Service nicht zu überbieten. Viel Zeit sollte man allerdings mitbringen, da die Küche in Stoßzeiten die Bestellungen in ihrem eigenen Tempo abarbeitet.

Wer jetzt glaubt, dass es sich hier um einen Hort der Bürgerlichkeit handelt, täuscht sich. Die Fotografien an den Wänden und der Monitor, auf dem eine Videoinstallation läuft, deuten an, dass man die Traditionen Escoffiers mit urbanem Flair vereint.

Jetzt aber zum Essen. Ich hatte das große Glück, dass Austern auf dem Speiseplan standen. Fine de Clairs, mittlere Größe, von ausgezeichneter Frische und tadellosem Geschmack, so gut, dass ich nach den anfänglichen sechs noch drei Stück nachbestellen musste (6 Stück € 9). Die Liebste und die liebste Tochter aßen mittlerweile Perlhuhnpastete mit Pistazien und Trauben an Trestersenf (€ 4,90). Dazu ein Picpoul de Pinet der Domain de Montredon (€ 14), eine Wein, der aus einer alten autochtonen Rebe im Languedoc gemacht wird und mit seiner säurarmen Frische und seinem Geschmack nach Ananas und Limonen perfekt mit den Austern harmonisierte.

Ins La Cocotte geht man vor allem, um die Schmorgerichte zu essen, die am Tisch in kleinen gusseisernen Brätern serviert werden, ebenso wie die Beilagen, die man frei auswählen kann. Die Liebste aß das Kaninchen in Senfsoße (€ 13,90), die Tochter das unnachahmliche Boef Bourguignon (€ 9,90) und ich entschied mich für die 300g-Variante des Entrecote mit Pfeffer von bester Fleischqualität (€ 19,90). Dazu Puy-Linsen und leckeres Kartoffelpürree mit Rotwein (je € 1,90).

Auch wenn die Wasserpreise zu Buche schlagen (1 l Evian für € 5,90) – insgesamt ein schöner Abend, an dem Preis und Leistung in einem schwer zu überbietenden Verhältnis stehen.

Restaurant La Cocotte
Vorbergstr. 10
10823 Berlin
Tel. 030-78957658

Es gibt eine spezielle Sorte von Restaurants, die gibt es nur selten in großen deutschen Städten. Ich meine Restaurants, die kein großes Aufheben um sich machen, Restaurants, die nur eine Gruppe von Eingeweihten kennt, Restaurants wo die Qualität von Speisen, Getränke und Service in einem nicht zu überbietenden Verhältnis zum Preis steht. Das Grünfisch in Berlin ist ein solches Restaurant.

In Berlin-Kreuzberg am Chamissoplatz gibt es das Grünfisch schon seit ca. acht Jahren. Seit ein paar Monaten gibt es eine Dependance am Fasanenplatz in Charlottenburg. Das Grünfisch wird von Vu Pham Dang aus Saigon und von Giovanni Di Liberto aus Sizilien geführt. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn es in manchen Restaurantkritiken heißt, dass hier eine asiatisch-italienische Küche gibt. Für mich ist das Süditalien pur, mit vielleicht ganz seltenen Griffen in die asiatische Gewürzkiste. Aber das was hier – sizilianisch-modern-kreativ – auf den Tisch kommt, ist immer fein abgeschmeckt.

Die Karte wechselt regelmäßig und so gab es, als ich dort zu Besuch war: Ravioli mit Maronensteinpilzpüree gefüllt mit gebratenem Tunfisch auf Steinpilzragout (€ 12), gefolgt von Kaninchenflet mit Maronenpilzen gefüllt im Parmamantel auf Salbeibutter und Mangold (€ 10). Mein Gesprächspartner aß Kürbiscremesuppe mit Süßkartoffel und Kokos (€ 5) sowie Entenbrust auf Organrisotto mit Pfifferlingen (€ 16,50). Bis auf dass die Entenbrust ein bisschen trocken geraten war, hat alles köstlich gemundet.

Beeindruckend auch die große Auswahl guter sizilianischer Weine. Wir tranken Nuhar 2004 von Tenuta Rapitalà, eine Cuvée aus Nero d’Avola und Pinot Nero (€ 35). Oh – was hat dieser Wein mein Herz höher schlagen lassen. Elegant, rassig, mit guter Säure und Tanninen, ein hervorragender Essensbegleiter – sogar zu unseren leichten Speisen. Unbedingt dekantieren lassen! Auf der Webseite des Weinguts (sehens- und hörenswert!) findet man die folgende Anmerkung:

The vineyards where we select the grapes for the production of Nuhar (flower in Arabic) are cultivated at the heart of the mountain which overlooks the Tenuta and from which rises the river „Rabidh Allah“.

Beide Lokale sind angenehm gemütlich und der Service ist herzlich und gut.

Grünfisch – Berlin / Kreuzberg
Willibald-Alexis-Straße 27
10965 Berlin (Kreuzberg)
am Chamissoplatz
nahe U-Bhf. Gneisenaustraße / Platz der Luftbrücke
Telefon & Fax (030) 616 21 252
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 18-24 Uhr

Grünfisch – Berlin / Charlottenburg
Fasanenstraße 42
10719 Berlin (Charlottenburg)
am Fasanenplatz
nahe U-Bhf. Spichernstraße
Telefon & Fax (030) 39 37 15 23
Öffnungszeiten
Montag bis Samstag 18-24 Uhr

Während sich die Creme de la Creme der europäischen Barszene in Berlin zur ersten Barconvention trifft, bin ich in London untergetaucht. Man muss ja Prioritäten setzen. Kleiner Trip durch Marylebone; ein Stadtteil, den ich noch nicht kannte (nahe Baker Street): auch wenn Berlin ja viel zu bieten hat, werde ich ob der Qualität und Attraktivität der Angebote Londons immer schier verrückt; ich möchte gleich in jeden Pub zum Biertrinken, in jeden zweiten Laden rein zum Lebensmittel kaufen, und in jedem dritten Restaurant essen. Die Auswahl ist dann meist zufällig, und so entschieden sich mein Begleiter und ich uns für Ping Pong, das mit einer Auszeichnung für „emerging concepts“ (ungefähr: aufkommende Konzepte) wirbt.

Ping Pong ist ein Dim Sum Restaurant. Man bekommt eine Speisekarte, eine Checklist und einen Bleistift. Was einem auf der Speisekarte gefällt, kreuzt man auf der Liste an. Eine Portion besteht jeweils aus drei Stücken, was das Teilen zu zweit etwas schwierig macht. Die Speisekarte ist in Gedämpftes, Gebratenes, Gebackenes aufgeteilt. Alles kommt schnell und frisch auf den Tisch. Wir hatten 9 oder 10 verschiedene Portionen, z.B. Roast Pork Puff, oder Spicy Chicken, und viel mehr.  Und dann die Chili-Saucen, die dazu gereicht werden…

Alles ríchtig lecker, und ich hoffe auf die Entdeckung des modernen Dim Sums in Europa (in Schöneberg gibt es schon ein Dim Sum Restaurant, das ich unbedingt ausprobieren muss).

Dazu eine Flasche Waterstone Bridge Reserve Semillion Chardonnay aus Australian, der wie Arsch auf Eimer zum Essen passte.

Das Ganze dann für 46 Pfunde, richtig preiswert für London.

Ach ja: es gibt sieben Filialen des Ping Pong. Ein Kettenrestaurant der besseren Art. Es gibt auch Cocktails, aber die haben wir nicht probiert, auch wenn uns „The Emperor’s Elixir“ sehr gereizt hat.

Ping Pong
Marylebone

10 Paddington Street
London

W1U 5QL
tel: 0207 009 9600

andere Filialen in London

Die Weißweinsaison 2007 neigt sich endgültig ihrem Ende zu. Jetzt werden die schweren Rotweine aus dem Regal geholt, dazu ein schönes Herbstessen, wie z.B. Chili vom Hirsch mit Trockenfrüchten. Aber halt – manchmal gibt es dann doch noch eine Gelegenheit, einen Weißwein zu genießen, z.B. wenn man ein leckeres Fischgericht serviert (bei uns gab es am Samstag den Hirsch und am Sonntag Alfons Schuhbecks Wolfsbarsch in der Salzkruste auf Limettenspinat).

Hierzu ein passender Weißwein war schnell gefunden, der Laurenz Singing Grüner Veltliner vom Weingut Laurenz V im Weinviertel in Österreich. Laurenz Maria Moser produziert Wein in der fünften (V.) Generation und jetzt ist mit seiner Tochter Sophie die sechste hinzugekommen.

Ein ausgesprochen kräftiger Wein mit Aroma und Geschmack von Ananas und Papaya. Meine erste Reaktion war „der schmeckt ja wie Butter“. Also er ist breit und macht am Gaumen viel Freude. Für € 7-8 ist er sein Geld wert.

Bezug: z.B. Jacques Wein-Depot

Leider in meiner Filiale momentan ausgetrunken!

Die oben zitierte Anregung fand ich auf einer Flasche 1998 Dynasty Dry Red. Was für ein wunderbares Kontrastprogramm zu US-amerikanischen Alkoholwarnungen.

Mit chinesischen Weinen stehe ich seit jeher auf Kriegsfuß. China ist ja mittlerweile der sechstgrößte Weinproduzent und auch schon siebtgrößter Weinkonsumenten der Welt (die Zahlen des World Wine Institutes gehen leider nur bis 2001, bei den entsprechenden Wachstumszahlen hat China vermutlich schon einige Plätze gut gemacht). Man kann es nicht aufhalten – das Land der Mitte schiebt sich kontinuierlich in allen Bereichen nach vorne. Bisher hatte ich aber nur selten einen chinesischen Wein entdeckt, der nur im Ansatz meine Gnade fand – vor allem, da in China die Preise für heimische Gewächse denen von Importweinen nicht nachstehen. Aber, man soll ja nicht aufgeben.

Also, auf in der Supermarkt in Wuhan. Aber wie wählt man aus? Beratung ist nicht – es spricht ja keine Verkäuferin Englisch (wäre spannend zu wissen, ob sie etwas von Wein verstehen). Eine Auswahl von ca. 40 Rot- und 10 Weißweinen. Viele alte Jahrgänge, vor allem von The Great Wall of China. Also, erst einmal zwei: einen preiswerten und einen mittelpreisigen.

2001 Moutai Cru Bourgeois (!) für ca. € 3 war in 30 Sekunden erledigt. Einen so stechenden Korkgeruch, dazu noch so starke Azetontöne findet man selten. Schnell in den Ausguss.

Schon anders der bereits erwähnte Dynasty Dry Red Wine 1998 (€ 9). Gerade so am Kippen, aber durchaus noch trinkbar. Geruch undefinierbar, Geschmack undefinierbar, keine Beeren, kein Holz, keine Vanille, vielleicht am ehesten noch Lakritz (vielleicht ein gaaanz kleiner Korkschmecker, und ein klitzekleines bisschen Azeton). Nicht wirklich so gut, dass man nicht auf einen der Importweine zurückgreifen sollte, die es in allen Kaufhäusern gibt. Aber auch nicht so, dass man die Flasche auskippen muss. Und er ist ja gesund.

Ein letzter Versuch. Vielleicht lag es ja im Supermarkt – in Deutschland kaufe ich auch auch nicht dort. Das Restaurant meines Hotels scheint die Flaschen vernünftig zu lagern. Zum chinesischen Abendessen (scharfes Rindfleisch mit vielen grünen Chilischoten, gebratener Tofu mit Frühlingszwiebeln) bestelle ich Changyu Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 1996. Das Weingut besteht seit 1892. Bei Wein-Plus findet man folgende Information:

Der Regierungsbeamte Zhang Bishi führte aus Europa 120 Vinifera-Sorten ein, kaufte 67 Hektar Land in Yantai auf der Halbinsel Shandong und gründete die Kellerei Changyu (Zhang Yu = Wohlstand). Als Kellermeister wurde der österreichische Konsul Baron Max von Babo eingesetzt, der Fässer und Pressen aus Österreich einführte und die Kellerei zu internationalem Ansehen brachte. Das war die Geburtsstunde des heutigen Wein-Unternehmens mit dem vollen Namen „Yantai Changyu Pioneer Wine Company Limited”. Ursprünglich war dies ein reiner Staatsbetrieb, in der Zwischenzeit hält der Staat noch 51% der Aktien. Die Weingärten umfassen knapp 4.700 Hektar Rebfläche.

Ja, diesen Wein kann man trinken. Typischer Cabernet-Geschmack, Lakritz und Leder, kein absoluter Premium-Wein, aber besser als vieles, was man im heimischen Supermarktregal findet. Im Restaurant kostet er € 24, ich vermute, dass der Ladenpreis bei ca. € 10-15 liegt.

Eine gute Zusammenfassung der chinesischen Weinindustrie findet man in der Beijing Rundschau.

Wenn man nur einen kurzen Zwischenstopp in einer Stadt einlegt, ist man froh, wenn einheimische Freunde den Weg bereiten. Wir trafen uns zu viert im Restaurant Star Ferry im Zentrum von Amsterdam. Große Glasfronten öffnen den Blick auf den Überseekai und die Skyline von Amsterdam. Das Star Ferry ist klar gegliedert, kein Schnickschnack, moderne Holztische und viel Platz. Die Spirituosenauswahl verspricht viel; leider werden hier keine Cocktails gemixt.

An einem Abend in der Woche ist das Star Ferry nicht übermäßig besucht und ist ideal für Geschäftsessen oder andere Runden, in denen der Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Austausch steht.

Die Küche ist international modern mit den inzwischen üblichen asiatischen und mediterranen Elementen. Im Spinatsalat (€ 7,50 als Vorspeise, € 14,50 als Hauptgericht) kommen die kanadischen Crawnberries mit ihrem fruchtig-sauren Aroma gut zur Geltung. Als Catch of the Day gab es Schwertfisch mit Pesto, Farmkartoffeln und grünen, Bohnen (€ ca. 18). Alles andere sah sehr lecker und auf den Punkt gekocht aus. Der Service ist makellos.

Es gibt eine gute Auswahl an offenen Weinen. Mich hat vor allem der Cedar Wood aus Kalifornien begeistert (0,1l € 3,60), den ich leider nicht im Internet fand, außer auf der Seite eines britischen Weinhändlers. Eine völlig neue Klasse von Chardonnay; normalerweise sind Überseeweine aus dieser Rebe entweder zu barriquelastig, oder sie haben, wenn unwooded, zu wenig Charakter. Der Cedar Wood ist unwooded und hat viel Charakter, traumhafte Aromen von exotischen Früchten, trocken, aber nicht sauer.

Star Ferry
Piet Heinkade 1,
1019 BR Amsterdam
T 020 – 788 2090

Voor reserveringen
T 020 – 788 2090
reserveringen@starferry.nl

Wer schon einmal versucht hat, in einer mittleren deutschen Provinz- und Universitätstadt am Samstagnachmittag Wein zu kaufen, kann nachvollzehen, wie es mir gestern erging. Ich war bei meinem Bruder zum Essen eingeladen und um 16 Uhr fiel mir in gewohnter Großstadtmanier ein, dass ich ja eigentlich etwas Wein mitnehmen könnte. Nichtirgendeinen Wein, sondern einen guten. Gesagt, getan: in die Innenstadt fahren, die städtischen Parkometer konsequent missachten und dann zu dem einzig mir bekannten Weineinzelhändler in dieser Stadt hineinhuschen (es soll noch weitere geben). Am gleichen Morgen hatte ich um 9 Uhr 50 schon einmal erfolglos vor dem Laden, der Weinrebe am Giessener Markt gestanden. Übrigens ist ebendieser Markt einer der schönsten Wochenmärkte, die ich in Deutschland kenne (Mittwoch und Samstag, viele Produkte aus der Region. Sehenswert, die denkmalgeschützten Marktlauben, in denen die Fleischer sich niedergelassen haben). Am Nachmittag war ich dann ebenso erfolglos, da der Weinladen am Samstag genau von 10 bis 15 Uhr geöffnet hat. Prima!

Also in die Shopping Mall stürzen (ja, auch eine Mittelstadt hat so etwas heutzutage – hier heißt es Neustädter Tor).

Eigentlich bin ich strikter Gegner vom Weinkauf im Supermarktregal, auch wenn ich dem Weinverkostungen Blog für seine differenzierten Betrachtungen zu diesem Thema sehr danke. Wenn ich im Supermarkt Weine kaufe, die ich nicht kenne, bin ich in acht von zehn Fällen enttäuscht. Und dann deprimiert es mich regelmäßig, dass es in Supermärkten eine Riesenauswahl im 2-4 Euro Bereich gibt, die ich mit Missachten strafe, und dann noch einen Barolo oder einen Bordeaux für schlappe zwanzig Euro, die nie ihr Geld wert sind. Aber es gibt ganz wenige Zwischengrößen im Supermarkt. Warum eigentlich? Es trinken doch nicht alle Supermarktkäufer schlechten Wein!

Schließlich gab es dann doch eine Überraschung, genauer gesagt, es gab zwei Überraschungen. Für jeweils unter € 10 konnte ich zwei ausgezeichntete Saint-Emilions erstehen, davon ein Grand Cru, die beide noch am gleichen Abend verkostet wurden. Wir haben die Weine ca. eine Stunde vor der Verkostung geöffnet, aber nicht dekantiert, was zumindest dem Grand Cru gut getan hätte. Beide Weine waren große Klasse, und obwohl sich sie von ihren Basisgeschmacksnoten ähnelten, waren es doch zwei grundverschiedene Weine.

Chateau Peymotoun 2004 Grand Cru der Familie Baeumartin in Saint Christophe des Bardes kam sehr wuchtig daher, mit vollen Tönen aus Zedernholz, Leder, Tabak, Brombeere. Die Tannine sind deutlich herausgearbeitet, so dass dieser Wein mich sicher im Winter noch einmal zu einem dunklen Braten erfreuen wird. Wie bereits erwähnt, sollte dieser Wein dekantiert werden. Nach DI (drymartini-Index) bekommt dieser Wein, der in der Business und First Class von Continental Airlines serviert wird, 44 von 49 möglichen Punkten. Es lohnt sich den Wein hinzulegen, er wird bestimmt noch besser.

Der zweite Wein, Chateau La Claymore 2003 konnte kaum anders sein und doch war er auf seine Art ebenso beeindruckend. Hier waren die Tannine sehr eingebunden, fast versteckt, so dass dieser Wein außergewöhnlich sanft, fast samtig daherkam. Das kann nicht mit dem einen Jahr, den er mehr auf dem Buckel hat, zusammenhängen. Nette Schokoladennoten, schwarze Johannesbeere, Pflaume, im Abgang etwas Erdbeere. Sicherlich der unkompliziertere und „schönere“ Wein und anfangs mein Favorit, schwenkte ich schließlich doch wieder zum Peymouton um, der etwas mehr Charakter hatte. Trotzdem bekommt der La Claymore die gleiche Punktzahl, nämlich DI: 44. Hier kann weitere Lagerung nicht mehr viel verbessern. Jetzt trinken!

Chateau Peymouton: € 9,99
Chateau La Claymore: € 8,99
gekauft bei Tegut, Gießen.

Während meines Urlaubs letzte Woche hatte ich eine Flasche Leopard’s Leap 2004 Cabernet Sauvignon & Merlot (Western Cape, Südafrika) verkostet, da mir die Marke noch gut in Erinnerung war. Der Wein war ok, aber nicht der Brüller. Interessante Tannine, ein Geschmack nach Leder, aber auch eine leicht sprittige Komponente. Sollte ich mich in meiner Erinnerung getäuscht haben?

Heute konnte ich beruhigt feststellen, dass ich mich nicht getäuscht hatte. In meinem Weinkeller fand sich nach längerem Suchen noch eine Flasche Leopard’s Leap 2003 Cape Mountain Red. Und das ist eine ganz andere Sache. Der Cape Mountain Red ist eine feine Cuvee aus Cabernet Sauvignon (52,3%), Merlot (20%), Cinsault (14,6%), Shiraz (7,5%) und Nebbiolo (5,6%) und bietet viele spannende Geschmackserlebnisse – Leder, Schokolade, Vanille, schwarze Johannesbeere und ein bisschen Karamell. Der Wein ist im besten Alter und macht jedem Wein aus der Bordelais Konkurrenz (vor allem, da er preislich bei ca. einem Drittel bis Fünftel eines vergleichbaren französischen Weines liegt).

 

Und das wirklich Großartige an der Sache ist, dass die Winzerei Leopard’s Leap einen eigenen Blog betreibt! Das Traurige ist jedoch, dass es diesen Wein nicht mehr gibt – Leopard’s Leap stellt ihn nicht mehr her. Wer weiß, wo es noch Restbestände zu kaufen gibt, teile es mir bitte mit. Dafür gibt es jetzt den Lookout Red, der aus sieben verschiedenen Reben gemacht wird. Er ist sehr schön in dem mir bis dato noch nicht bekannten Blog Vogels Küche beschrieben. Ich werde ihn sicher bald probieren.

Foto: Vogels Küche

Die 2. Weinrallye war eine gute Gelegenheit, neue (Wein-)Bekannte zu machen und alte Beziehungen zu vertiefen. Nach intensiven Nachdenken entschloss ich mich in meiner nähesten Umgebung zu forschen: Weine aus den Schöneberger Weinhandlungen. Ich glaube, es gibt keinen Platz auf der ganzen Welt mit einer solchen Dichte an Weinläden. Im Kiez zwischen Kleist- und Bülowstraße im Norden, der Potsdamer Str. im Osten, der Hauptstr. im Südosten und der Martin-Luther-Str. im Westen mit der Magistrale Goltz-/Akazienstraße, also auf ca. 3 qkm, zähle ich mehr als 20 Geschäfte, die überwiegend oder ausschließlich Wein verkaufen. Ich kaufe grundsätzlich in allen diesen Läden, nach Lust und Laune, weil jedes dieser Geschäfte ein anderes Spektrum anbietet. Für die 2. Weinrallye fiel meine Wahl auf neun Weine: vier italienische, zwei australische und drei deutsche Gewächse.

Alle Weine wurden nach einem gleichen sensorischen Verfahren probiert und bis zum Flaschenboden ausgetrunken. Extra zur Weinrallye habe ich auch meinen eigenen Index eingeführt: Der DI (drymartini-Index), der von 1 bis 49 geht.

Das Feld lag zwischen zwischen DI: 25 für „T“ aus der Cantina Tramin und DI: 40 für den Sieger. Am meisten überzeugt hat mich der Wein, den ich als letztes probierte: Gleisweiler Hölle 2004 Riesling Spätlese von Theo Minges in Flemlingen in der Pfalz (€ 7,90 in der Weinhandlung Goltz 23, Goltzstr. 23 in Berlin Schöneberg. Tel 030-2167718, keine Webseite. Achtung: der Laden hat in der Woche nur von 17 bis 20 Uhr geöffnet, am Samstag von 10-17 Uhr).

Der Riesling von Minges hat eine ordentliche Tiefe, er kommt leuchtend grün daher und riecht kräftig nach Frühlingskräutern. Auf der Zunge prickeln Zitrone und Stachelbeere, die superfrische Säure ist aber wunderbar eingebunden und hinterlässt keinen pelzigen Eindruck, wenn der Schluck dann die Kehle herunterrinnt. Gesamteindruck – ein Riesling, der sicher mit vielen kräftigen Speisen harmoniert, ganz bestimmt kein Spargelwein (die Spargelzeit ist ja auch vorbei), aber Curries, kräftige Fischgerichte auch mit Tomaten-Knoblauchnote, Pasta. Geht alles gut. Oder einfach so auf dem Balkon (habe ich ausprobiert). Hier kommt der Wermutstropfen: der 2004er ist ausgetrunken. Also, schnell den 2006er kaufen und zwei Jahre liegen lassen (klappt leider nie bei mir). Ich habe den 2006er schnell noch gekauft und probiert und ich kann vermelden: er ist jetzt schon gut, wunderbar frisch und wird bestimmt noch super. Das Schöne: Minges verwendet jetzt als einer der wenigen Winzer formschöne Glaskorken.

Beide Toprieslinge von Minges liegen im großen Rieslingtest in der laufenden Ausgabe der Weinwelt unter 300 deutschen Rieslingen im oberen Feld, was sie wirklich verdient haben.

Hier die Liste der verkosteten Weine. Der drymartini-Index (DI) hat eine Skala von 0 bis 49.

T 2006, Cantina Tramin, Italien (Süd-Tirol). Chardonnay, Pinot Bianco, Sauvignon Blanc, Riesling. DI: 25. Frisch, aber ein bisschen der Säure zu viel.

Pinot Grigio 2006, Cantina Tramin, Italien (Süd-Tirol). DI: 35. Ausgewogene Säure, Äpfel und Zitrus.

Scalandrino 2006. Fattoria Mantellassi. Italien (Toskana). Vermentino. DI: 31. Frisch, wenig Säure, etwas flach im Abgang.

Le Vaglie 2005. Azienda Santa Barbara. Italien (Marken). Verdicchio. DI: 37 knochentrocken, aber nicht sauer. Klassewein.

Zesty White 2006. Ross Estate. Australien (Barossa Valley). Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling. DI: 37. Am Anfang gefällig, wird dann etwas flacher. Aber einer der Spitzenreiter.

Unwooded Chardonnay 2004. Peppercorn Lane. Australien (Limestone Coast). DI: 36 Eigentlich ganz gut und voll, aber kein Sommerwein.

Laumersheimer Kapellenberg 2005. Knipser. Deutschland (Pfalz). Riesling Kabinett. DI: 39. Knapp abgeschlagen. Viele verschiedene Aromen, wegen der deutlichen Säure eher ein Wein zum Essen.

Blanc de Noir 2006. Pfleger. Deutschland (Pfalz). Spätburgunder. DI: 37. Huch – ein Spätburgunder? Pfleger preist ihn als Weißherbst an, für mich ist er farblich und geschmacklich aber ein Weißwein. Spannend. Fruchtig, trocken.

Die Ergebnisse der Weinrallye gibt es in wenigen Tagen auf www.weinverkostungen.de.

Der La Table D’Hote Blog aus der Schweiz beschäftigt sich mit der Frage, welcher Wein am besten zu Curries passt. Da ich mehrmals im Jahr in Asien bin, ist dies eine essentielle Frage. Daniel Ebneter schreibt:

Zu scharfen Curries, die mit Lamm, Schwein oder Gemüse zubereitet sind, kommen am besten Weissweine mit milder Säure zum Zug: Gewürztraminer, Viognier oder Arneis, aber auch Scheurebe und Rieslaner aus Deutschland oder Chenin Blanc. Etwas Restsüsse ist willkommen. Der Wein soll sehr kalt serviert werden.

Bei milden Curries mit Huhn oder Fisch darf es etwas mehr Säure sein. Hier passen Riesling Kabinett, Albariño und Chablis. Oder ganz nobel: Champagner.

Ich unterscheide da zwischen südasiatischen (Indien, Pakistan, Sri Lanka) und südostasiatischen (Thailand, Vietnam) Curries. Deutschen Riesling trinke ich gerne zu südasiatischen Curries, wenn ich denn in Deutschland bin. In Asien muss man dann doch meist auf Neuweltweine zurückgreifen. Da fällt die Wahl meist auf einen Sauvignon Blanc, z.B. aus Südafrika oder Chile, oder auf  einen Chardonnay aus Australien (gerne auch leicht holzig). In Pakistan hilft meist nur der Griff zur Wasserflasche.

Foto: judepics auf Flickr

Die letzten (?) Sommerabende genießen, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Was gibt es besseres, als mit der Liebsten an einem lauschigen Ort zu sitzen und gut zu speisen und zu trinken? An erster Stelle kommen einem da natürlich die wunderbaren Berliner Biergärten in den Sinn, z.B. das Café am Neuen See, oder die Fischerhütte am Schlachtensee. Oder ein netter Italiener – italienisch geht immer und eigentlich jeden Tag.

Eine weitere Urberliner Institution ist das Aroma in der Hochkirchstraße, an der Grenze von Schöneberg und Kreuzberg – ganz versteckt in einer kleinen Seitenstraße; will man es finden, man muss es kennen. Hier wollten wir schon lange einmal wieder hingehen. Gestern war es soweit.

Das Aroma ist ein typischer Italiener des 90er-Jahre Stil: Man wird grundsätzlich mit Buena Sera begrüßt und mit Signori angeredet, es gibt eine wechselnde Tageskarte mit vielen frischen Speisen, außerdem eine knusprige Holzofenpizza, dazu vernünftige offene Weine. Die Tische sind einfach, es gibt karierte Servietten und die Preise sind erträglich.

Uns hat zuerst einmal die Tageskarte fasziniert. Hier werden italienische Klassiker neu interpretiert, z.B. die Caponata oder jegliches Pastagericht. Wir aßen: eben jene Caponata (Insalata 2 Isole), Kalte Tomatensuppe (Blood Mary), Spaghetti mit Octopussies und Auberginen (Spaghetti con Mocardini) und Tagliatelle mit Kaninchen und Thymian. Dazu trank meine Liebste ein Hefeweizen und ich einen frischen Salento Bianco 2005 Pian de Sole (der beim zweiten Glas irgendwie nicht mehr so gut schmeckte wie beim ersten - war es der gleiche Wein?).

Kurz und gut: das Essen ist ordentlich (aber es fehlte insgesamt an allen Gerichten die Würze), der Wein und die Bedienung ist frisch, und es war wirklich ein schöner Abend, auch wenn die Speisen uns nicht lange in Erinnerung bleiben werden. Ein Tip an den Koch: Mal häufiger zur Pfeffermühle und ins Kräuterbeet greifen. Das größte Plus: man sitzt fantastisch auf einem ruhigen Platz. Kosten für das beschriebene Essen, inkl. 1/2 Liter Wasser: € 51

Das Aroma ist übrigens für sein Sonntagsbrunch berühmt.

Aroma
Hochkirchstr. 8
Berlin-
Schöneberg
Tel. 782 58 21

Die chinesische Millionenstadt Lanzhou (sprich: Lan-chow) ist, wenn überhaupt, durch drei Dinge bekannt. Erstens ist sie die Hauptstadt einer der ärmsten chinesischen Provinzen (Gansu), zweitens hatte sie in den neunziger Jahren den zweifelhaften Ruf der Stadt mit der größten Luftverschmutzung der Welt, und drittens wegen der Lanzhou-Nudeln. Ich war drei Mal in Lanzhou und der umgebenden Provinz. Die Küche dort ist eine typisch bäuerliche, geprägt vom harten, trockenen Gebirgsklima. Es gibt Kartoffeln, Wintegemüse, Lammfleisch und Nudeln. Manchmal glaube ich, dass die Nudel genau hier erfunden worden sein muss. Als vor zwei Wochen die Nudelsuppenpreise in Lanzhou um ein paar Cent erhöht wurden, gab es fast einen Volksaufstand.

Eigentlich gehe ich außerhalb von Chinas Landesgrenzen prinzipiell nicht chinesisch essen. Wenn man einmal echte chinesische Küche genossen hat, kann man das, was man in sogenannten China-Restaurants in Europa und in meisten anderen Teilen der Welt vorgesetzt bekommt, nur im Zustand fortgeschrittener Alkoholisierung oder nicht anders zu bezwingenden Hungers herunterbekommen.

 

In Berlin kenne ich genau ein chinesisches Restaurant, das nicht nur meine Gnade findet, sondern in höchsten Tönen besungen wird: Das Selig in Charlottenburg. Eingeklemmt zwischen russischen Billigläden, Sexshops und vor allem einer Reihe anderer asiatischer Restaurants, fällt es äußerlich durch nichts auf. Die Stühle sind aus billigem Holz, es gibt keine Tischdecken (aber auch keine chinesische Folkloredekoration). Nun gut, es gibt minimalistische Hinweise, darauf, dass hier die chinesische Uhr anders tickt: das tiefblaue Aquarium ist ganz anders als der Goldfischteich bei anderen Chinesen, und die offenen Weine (12 ander Zahl) sind mit Kreide an die Wand geschrieben.

 

Hier geht alles um das Essen, das ursprünlicher nicht sein könnte. Und vor allem geht man hierhin, um Lanzhou-Nudeln (Lanzhou Lamian) zu essen – selbstgemachte Bandnudeln in einer kräftigen Brühe mit vielen großen Rindfleischscheiben und Frühlingszwiebeln (€ 8,30). Mehr braucht der Mensch nicht zum Glück. Wobei – es gibt noch mehr zu entdecken, z.B. die Bauernente, die in Teigrollen und einer dicken Sojasauce als Vorspeise gereicht wird (€ 5,90), die Jiao-Zi Teigtaschen, mit Schweinefleisch gefüllt, an einem Lanzhou-Nudelsalat (€ 5,30). Selbst das süß-saure Schweinefleisch nach Art Nordwestchinas (natürlich auch auf Nudeln), schmeckt so ganz anders als das, was man vom Chinesen an der Ecke gewöhnt ist (€ 8,80).

Und jetzt kommt die Krönung – der offene Wein ist von einer Qualität, wie man sie vermutlich in keiner anderen chinesischen Kneipe in ganz Berlin bekommen kann. Es gibt je sechs Weiß- und sechs Rotweine aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Australien und Südafrika. Ich trank Christy’s Land Chardonnay Semillion, gut eingeschenkt, das Glas für € 3,50. Wiederkommen!

Einen schönen Hintergrundbericht über Lanzhou Nudeln finden Sie hier.

Selig
Kantstr. 51
10625 Berlin
Tel: +49 30 31017241

Fotos: drymartini

Der drymartini Blog ist ja eher kein Rezeptblog, da gibt es viele bessere im Internet, zum Beispiel lamiacucina oder 101cookbooks. Ab und zu muss ich aber – es ist mir ein starkes Bedürfnis – über Rezepte berichten, die mich verzaubern, sprachlos machen und die ich am liebsten am nächsten Tag gleich noch einmal essen möchte (es ist aber nichts übriggeblieben). Am Wochende habe ich meine Liebste bekocht. Es erstaunt nicht, dass es sich hierbei um ein Rezept von Eckart Witzigmann handelt. Es gibt keinen Koch, den ich so gerne nachkoche – er garantiert, dass das Rezept nicht meine handwerklichen Fähigkeiten übersteigt und das es garantiert ein eindrucksvolles Geschmackserlebnis wird.

Pochiertes Kalbsfilet mit Frühlingsgemüse und Kräutersauce
Für 2 Personen

Zutaten 1:
1 Karotte, 2 Schalotten, 1 Stange Lauch, Sellerie, Estragon, Petersilie, Lorbeer, Thymian, 2EL weißen Essig, schwarzer Pfeffer, Salz, 0,4l Weißwein

Zutaten 2:
300g Kalbsfilet, 1/2 Bund Schnittlauch, Basilikum, Sauerampfer (ca. 6 Blätter), andere Kräuter, z.B. die aus der Frankfurter Grünen Soße (oder Estragon, Kerbel, Petersilie), 4EL Olivenöl  (oder auch mehr), 1EL weißer Essig, 1 Prise Zucker, Salz, schwarzer Pfeffer, 1 hartgekochtes Ei, Fleur de Sel.

Zutaten 3:
300g Gemüse nach Belieben (alles heimische, keine Mittelmeergemüse)

Am Vortag einen Wurzelsud aus den geputzten und klein geschnittenen Kräutern und Gemüsen sowie den weiteren Zutaten 1 kochen (Kochzeit: ca. 15 Minuten, mehr schadet nicht). Abkühlen lassen. Das Kalbsfilet über Nacht im erkalteten Sud marinieren und in Vorfreude schlafen gehen.

Am nächsten Tag Kräuter der Zutaten 2 kleinhacken. 1/3 davon beiseite stellen. Den Rest in der Küchenmaschine mit Olivenöl und Essig pürieren, mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken. Eiweiß und Eigelb getrennt hacken. Alles erstmal beiseite stellen und sich einen Überblick über das bisherige Tagewerk verschaffen. Weintrinken nicht vergessen.

Den Sud (ohne Kalbsfilet) zum Kochen bringen. Kalbsfilet zuerst in einem Bratschlauch vertäuen und das ganze mit Alufolie umwickeln. Feuer unter dem Sud ausstellen und Filet in der Doppelfolie in den heißen Sud legen (nicht gelogen – ich brauchte auch eine Weile, um es zu verstehen). Fleisch 25 Minuten ziehen lassen. Länger macht nichts, verändert aber auch nicht das Ergebnis.

Gemüse blanchieren.

Kalbsfilet auspacken, in den restlichen Kräutern wälzen (das hat bei mir nicht so gut geklappt). Aufschneiden in eher große Stücke. Auf dem Teller anrichten: Fleischstücke mit Fleur de Sel, Eiweiß und Eigelb bestreuen, Gemüse mit der Kräutersoße übergießen.

Wir haben noch kleine rote Pellkartoffeln dazu gegessen.

Das Fleisch ist nach dieser Prozedur innen rosa, fast noch roh. Es hat alle Geschmacksstoffe bei sich behalten. Wenn es ein gutes Fleisch war (als gute Konsumenten kaufen wir nur beim Biometzger), und man halbrohes Fleisch abhaben kann, wird man mit einem sensorischen Orgasmus belohnt. Suchtfaktor extrem hoch!

Witzigmann empfiehlt dazu Neuseeländischen Pinot Noir. Wir tranken einen Weißen, einen 2006 Pinot Grigio der Cantina Tramin in Südtirol, der meiner Meinung nach perfekt gepasst hat.

Der drymartini Blog beteiligt sich an der zweiten Weinrallye, die kürzlich von weinverkostungen.de ausgerufen wurde. Sie steht unter dem Motto „MustTaste Weiss unter 10 Euro“. Zum 14. August 2007 haben alle Weinblogs, darüber hinaus aber auch interessierte Hobbyblogschreiber die Gelegenheit, ihre liebsten Weißweine zu beschreiben, die den Preis von € 10 nicht überschreiten und im deutschen Handel erhältlich sind. Wer keinen Blog hat, kann auch hier auf drymartini.de veröffentlichen. Bitte lesen Sie zuerst die Teilnahmebedingungen und schicken Sie Ihren Artikel bis zum 9. August an info(at)drymartini(dot)de.

Und jeder Zeitraum hat etwas Eigenes, Frauen, Mädchen oder Kastanien. (André Heller).

Wenn der richtige Sommer kommt, werden die Flaschen schweren Rotweins im untersten Regal gespeichert und der Weiß- und Roséwein wird hervorgekramt. Ich bin bekennender Rosétrinker, auch wenn ich sicherlich nur ein paar Flaschen davon im Jahr verputze; das hängt auch von den Außentemperaturen ab. Bei Rosés gibt es natürlich solche und solche: Meist gibt man ja nicht mehr als 5 € für eine Flasche aus und verdünnt ihn dann noch mit Mineralwasser, wirft ein Stück Zitrone, einen Minzezweig und einen Eiswürfel rein und fertig ist ein schöner Sommerdrink. Da kommt es schon meist nicht mehr so sehr auf die Sorte an, wenn er spritzig und fruchtig und nicht von allzu schlechter Qualität ist.

Wenig bekannt ist, dass es durchaus auch anspruchsvollere Rosés gibt, die zumindest mit einem Weißwein mittlerer Qualität mithalten können und in ihrem Charakter zwischen Weiß- und Rotwein stehen. Das Besondere eines solchen Weines ist, dass er mit mehr Speisen harmonisiert, als ein typischer Weißer oder Roter.

Castillo Perelada, 2006 ist ein solcher Wein. Schon wieder aus Katalonien! Ein Highend Rosé, der aus 100% Cabernet Sauvignon gekeltert wird, eine schöne dunkle Farbe hat und nach Himbeeren schmeckt. Dieser Wein setzt sich wohltuend von der Masse ab, sehr viel besser kann man einen Rosé nicht machen. Er könnte diejenigen enttäuschen, die das leichte Provence-Feeling suchen – da gibt viele gute Alternativen. Der Perelada ist zu schade für meinen Sommerdrink, ich werde aber bestimmt in diesem Sommer noch die eine oder andere Flasche davon genießen.

Castillo Perelada 2006 Cabernet Sauvignon Rosé
bei Der Rioja Weinspezialist
€ 9

Es ist doch interessant, wie die ungeübte Zunge sich in Momenten der unkritischen Wohligkeit täuschen lässt. Vor einiger Zeit schrieb ich aus Indonesien über Yellowtail Shiraz. Ich habe diesen Wein in Deutschland noch einmal nachgeschmeckt (Edeka Hagenburg, € 4,98) und ich war schockiert über meine eigene erste Wertung. Der Wein ist viel zu dick, viel zu geschönt, und vor allem, alles andere als trocken. Das von mir beschriebene Zuckerwattegefühl überwiegt. Der Yellowtail ist sicherlich geeignet, um Nichtweintinker an die Syrahtraube heranzuführen, aber mir kommt er so schnell nicht wieder ins Glas. Leider ist es momentan zu heiß, dass ich eine wirkliche Empfehlung für eine Alternative abgeben kann – Weißwein und Cocktailwetter.

Bratislava ist in den letzen Jahren so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Jedesmal, wenn ich hier bin, freue ich mich schon im Voraus auf die kulinarischen Genüsse, die diese Stadt zu bieten hat. Ich kenne wenig Plätze auf der Welt, die auf einer Fläche von ca. 2 qkm soviele anspruchsvolle Restaurants mit guter Qualität zu bieten haben. Die Altstadt von Bratislava ist so ein Platz. Und besonders viel Spaß macht Bratislava im Sommer, wenn ausnahmslos alle Altstadtrestaurants eine Terasse bzw. einen Platz an der Sonne anbieten können. Jedesmal wenn ich nach ein bis zwei Monaten Abwesenheit hierher komme, haben wieder eine Handvoll neuer Locations aufgemacht, ohne dass alte Restaurants und Bars an ihrer Stelle geschlossen haben.

Meinen Reigen mit Restaurantempfehlungen für Bratislava beginne ich mit meinem momentanen Lieblingsrestaurant, dem Paparazzi, das traditionelle und moderne italienische Küche auf hohem Niveau zu erschwinglichen Preisen anbietet. Das Paparazzi hat auch eine Cocktailbar, mit einer ansehnlichen Drinkskarte, die nicht nur in der Stadt ihresgleichen sucht. Der Barchef ist Stanislav Vadra, von dem noch an anderer Stelle zu reden sein wird, ebenso wie von der Bar selbst (es scheint die beste in der Stadt zu sein…). Jetzt erst einmal das Essen:

Das Essen im Paparazzi hat mich noch nie enttäuscht. Die Speisekarte ist sortiert nach Vorspeisen (10 Gerichte!), Salate (5!), Risotto (5 Gerichte!), frische Pasta (25 Gerichte!), Fleisch vom Grill und Fisch (20 Gerichte!) und Desserts. Die Qualität der Pasta ist berückend, und neben einigen klassischen Rezepten wie z.B. Pasta mit Ricotta und Spinat, die hier hier zur Perfektion getrieben werden, findet man viele spannende Experimente, wie z.B. Gnocchi neri con ragú de pesce bianco, pesto di rucola e olio de pomodoro (€ 10), ein Gericht für Fischesser, mit starken martitimen Aromen, die mit dem kräftigen Rucolapesto und dem wunderbar fruchtigen Tomatenöl harmonieren. Es geht weiter mit einer Kombination von Fischen, auf einer sizilianischen Capponata, oder klassisch/modernen Fleischrezepten.

Hinter dem Küchenkonzept steckt als Consultant Antonio Iacovelli und als Küchenchef Ladislav Vavro, der jedes Jahr Italien bereist, um neue Ideen für seine kreative Küche zu bekommen.

Man kann blind alle Gerichte von der Karte wählen, die Auswahl ist groß und es ist immer gut – und, was in Bratislava nicht selbstverständlich ist, immer im Preis angemessen. Die Weinkarte geht durch alle italienischen Weinregionen. Der Wermutstropfen: die Preise für die Weine sind stolzer als für das Essen, und leider gibt es keine slowakischen Flaschenweine – auch von diesen wird noch zu reden sein. Wir entschieden uns für einen Santa Catarina 2004 Tocai Friulano von der Winzerei Fantinel (im Restaurant ca. € 54, im Internet ca. € 9): schöne Frühlings- und Zitrusaromen, helle Gewürze, feine Säure. Ein perfekter Begleiter zu den kräftigen Fischgerichten, der seinen Körper den Speisen anpasst.

Paparazzi
geöffnet: immer
Laurinska 1
81101 Bratislava
+421 2 5464 7971

Fotos: (1) suyitan auf Flickr, (2) Impuls-Shop

Die kleinen Überraschungen sind es, die das Leben kolorieren. Ich war auf dem Weg vom Flughafen Wien-Schwechat nach Bratislava. An einem – endlich – schönen, warmen Sommerabend war mir nach leichtem Weißwein. Ich wusste, es würde zu spät sein, um nach meiner Ankunft noch eine Flasche zu ergattern, und ich wusste auch, dass ich in meiner Stadtwohnung in Bratislava nur Rotwein gebunkert hatte. Also hieß ich meinen Taxifahrer an einer Tankstelle in Hainburg, kurz vor der Grenze zu halten. Wer kauft schon Wein an Tankstellen? In Berlin würde ich nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden.

Neben dem normalen Schund, den man in allen Tankstellen in der Welt findet, entdeckte ich den Grünen Veltliner 2006 von Jurtschitsch („GrüVe“). Irgendwann, irgendwo hatte ich desen Wein schon einmal getrunken, ohne negative Erinnerungen, also griff ich zu (musste aber noch zwei Stunden warten, bis mein Kühlschrank ihn auf Trinktemperatur herunter gekühlt hatte).

Wer Grünen Veltliner mag, wird Spaß an dem GrüVe habe, auch wenn er nicht wirklich ein Spitzenwein ist. Er erinnert an Mirabellen, Aprikose, Quitte und Apfel. Ein netter Wein für den Sommer.

Die beste Beschreibung fand ich bei Terra Vinum:

Der leichteste Grüne Veltliner beeindruckt mit frischem Duft, feiner Frucht und Würze – er ist zart und spritzig mit belebendem Säurespiel. Seit 20 Jahren prägt der unverkennbare Stil des bekannten österreichischen Malers Christian Ludwig Attersee das Etikett des Veltliner-Klassikers. Für den Jahrgang 2006 hat der Künstler „GrüVe-Gold“ gewählt.

Die Trauben werden selektiv von Hand gelesen, sorgfältig gerebelt und mit sehr geringem Druck gepresst. Ohne jeglichem Einsatz von Pumpen fließt der geklärte Most dann vom 4-stockigen Presshaus in den darunterliegenden Naturkeller und wird in gekühlten Edelstahltanks bei ca. 18°C langsam vergoren. Damit werden vor allem die zarten Duft- und Aromastoffe gefördert. Die Frische und die Frucht des Veltliner Klassikers werden durch den Ausbau im Stahltank unterstrichen.

Also doch mal an der Tanke Wein kaufen?

Preis: € 8,99 an der Jet-Tankstelle in Hainburg, Niederösterreich. Im Internet zwischen € 6,90 und € 9,99.

Foto: Der feine Weinhandel

Am Samstag hat mich die Liebste bekocht. Es gab Ziegenkäse im Filoteig mit Quittenkonfit, Kaninchenfilet im Karottenmantel mit Selleriepüree und Kumquat-Chili-Sauce, Tunfisch im Spinatmantel mit Rote-Beete-Vinaigrette (alle Rezepte aus einem alten Modern Living Heft) sowie ein Schokoladen Crème brûlée von Mario Kotaska (aus der letzten Sendung von Kerner’s Köche). Dazu probierten wir die folgenden Sommerweine:

2006 Chardonnay von Dr. Steiner, Pfalz: Sage jemand, die Klimakatastrophe hätte nicht etwas Gutes. In Deutschland gibt es mehr und mehr akzeptable Weine von Reben, die man zuvor nur in südlichen Gefilden verortet hätte. Der Chardonnay von Dr. Steiner hat hat ein leichtes mineralisches Aroma, wenig Säure und bietet für den Preis von € 5-6 Euro (beim Erzeuger, oder bei Galleria Kaufhof) ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Leider passte er überhaupt nicht zum Kaninchen; da er so federleicht ist, ging er etwas im Geschmack der Kumquat-Chili-Sauce baden.

2006 Mulderbosch Sauvignon Blanc, Stellenbosch. Ein typischer Vertreter südafrikanischer Sauvignon Blancs mit zurückhaltenden Tropenfrüchten (Banane? Guave? Stachelbeere?). Nichts sticht hervor, der Wein ist ausgewogen und leicht trinkbar mit guter Säure, angesichts des stolzen Preises (€ 15 bei Galleria Kaufhof) enttäuscht er aber doch ein wenig. Allerdings hat er zu dem Tunfisch hervorragend gepasst.

Eine große Überraschung war der Savanna Dry Premium Cider aus Südafrika (0,33l bei Galleria Kaufhof für € 1,99 oder im Internet auf http://www.savannadry.de/). Trocken, leicht bitter mit einem Geschmack nach Birne oder Quitte. Hervorragend zu dem fritierten Ziegenkäse mit Quittenkonfit.

Leider gibt es die Rezepte nicht im Internet, daher das Highlight hier zum Nachkochen:

Kaninchen in Möhrennudeln mit Selleriepüree

4 Kaninchenrückenfilets
Salz, Pfeffer
2 sehr große Möhren
1 EL Öl, 1 EL Butter
600g Knollensellerie
1/2 Zitrone
Zucker
80ml Sahne
100g Crème fraiche
10 Kumquats
1 Knoblauchzehe
1 rote Chilischote
150ml Reisessig
150g Zucker

Filets mit Salz und Pfeffer würzen. Möhren schälen und mit einem Gemüseschneider in „Möhrenspaghetti“ schneiden. Diese stramm um das Fleisch wickeln und erst kurz vor dem Servieren bei mittlerer Temperatur in Öl und Butter 4min rundherum braten. Für das Püree Sellerie putzen, schälen und in Stücke schneiden. In wenig Wasser mit Salz, Zucker und etwas Zitronensaft weich kochen. Abgießen, abtrocknen. Die Sahne und Crème fraiche aufkochen und drin die Sellerie pürieren. Mit Salz und Zucker abschmecken. Für die Sauce die Kumquats in Scheiben schneiden. Knoblauchzehe abziehen und fein würfeln. Chilischote in dünne Scheiben schneiden. Alles mit dem Essig und dem Zucker 30min einkochen lassen, bis es leicht sämig ist. Die gebratenen Kaninchenfilets mit dem Selleriepüreee und der Kumquatsauce servieren.

Foto: Mulderbosch (1), http://www.savannadry.de/ (2)

Nein, dieses Restaurant ist zehn Monate nach seiner Eröffnung kein Geheimtipp mehr, und es gibt vermutlich wenige andere Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern für die man, zumindest am Wochenende, besser zwei bis drei Wochen im Voraus reserviert. Das liegt zum einen daran, dass sich Ruf der Alten Schule in Fürstenhagen unter Berliner Feinschmeckern wie ein Waldbránd im trockenen Sommer Mecklenburgs verbreitet hat. Dazu kommt, dass es hier nur 20-30 Plätze gibt (je nachdem, wie eng die Tische gestellt werden).

Nachdem wir im Tip, im Feinschmecker und im Essen+Trinken von der Alten Schule gelesen hatten, konnten wir nicht länger warten und sind mit Freunden auf eine Landpartie gestartet. Meine Liebste und ich sind – als leidenschaftliche Paddler - seit über zehn Jahren eingeschworene Fans der Feldberger Seenlandschaft. Ich wurde kürzlich von ausländischen Freunden gefragt, was die schönsten Landschaften in Deutschland sind. Meine Antwort: Das bayerische Voralpenland, die Rheinebene südlich von Bonn, und die Seenlandschaft in Norden Brandenburgs und im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Entgegen allen Zweiflern bin ich auch fest davon überzeugt, dass das gastronomische Angebot in diesem Bundesland stetig zunimmt – sofort fallen mir „Ich weiß ein Haus am See“ (Krakow – 1 Michelinstern), „Kleines Meer“ (Waren), „Cafe Namenlos“ (Ahrenshoop) und „Haferland“ (Wieck – 1 Michelinstern) ein. Die „Alte Schule“ setzt dem Ganzen ein Sahnehäubchen auf. Wie lange wird der erste Michelin-Stern auf sich warten?

Jetzt aber zum Restaurant selbst. Hier kocht Floran Löffler, der ehemals Küchenchef im legendären Berliner VAU war. Seine Lebensgefährtin Nadine Gala führt mit ruhiger und souveräner Hand den Service, von dem noch zu sprechen ist. Das Konzept ist denkbar einfach: Es gibt genau ein Menü, das täglich wechselt und nach Wahl aus drei oder vier Gängen besteht (die Gerichte können auch einzeln bestellt werden): zwei Vorspeisen zur Wahl, einen Zwischengang, zwei Hauptspeisen zur Wahl, ein Dessert. Nichts weiter – aber das war auch nicht nötig. Wir hatten das himmlische Glück, dieser Speisefolge zu begegnen:

Allerlei von der Wachtel mit karamelisiertem Spargel
oder
Gazpacho mit Aprikose und Flußkrebsen

Weinbergschnecken mit Steinpilzen und Artischocke

Wildbarsch im Stilmusfond mit Rotweinschalotten
oder
Feines vom „Hullerbusch“-Lamm auf Mangold-Paprika Gemüse

Tumbler von Rhabarber, Erdbeere, Minze und Vanille

Was soll ich sagen? Alles war sehr fein und mit frischen Zutaten aus der Region zubereitet, zum Beispiel Lammfleisch vom naheliegenden Schäferhof „Hullerbusch“. Oft erlebe ich es in anderen Restaurants, dass mich die Vorspeise umhaut, und dann mit jedem Gang die Qualität nachlässt. Hier gibt es eine kontinuierliche Steigerung bis zum Hauptgang. Die Gazpacho war herrlich säuerlich-fruchtig, die Wachtel mit wunderbarem Eigengeschmack, der karamelisierte Spargel ein kleines Zwischenhighlight. Die Schnecken harmonierten gut mit dem Artischockenmus und den Steinpilzen, das Lamm war zart und wohlschmeckend. Für mich der Höhepunkt: der Wildbarsch auf der Haut gebraten mit dem kräftigen Stilmuspüree, neben den Rotweinschalotten gab es noch Buchenpilze und eine Kräutersauce, alles bestens abgeschmeckt. Dann am Schluss noch der leckere süßsaüerliche Nachtisch. Eingerahmt wurde alles von einem Maränenfilet auf Graubrot als Amuse Geule und einer Linzer Torte als zweitem Dessert.

Die Weinkarte bietet 6 offene und 23 Flaschenweine: hier findet man die bekanntesten deutschen Winzer, wie Franz Künstler (Rheingau) oder Rudolf Fürst (Franken), eine Reihe anderer deutscher Gewächse sowie, vor allem im Rotweinfach, Burgunder, Bordeaux und einige Österreicher und Italiener. Wir tranken 2005 Monzinger Halenberg Riesling vom Weingut Emrich-Schönleber (Nahe) sowie den 2004 Spätburgunder von Rudolf Fürst. Der Riesling mit spritziger Frische, Zitrusaromen und Frühlingswiese, der im Barrique ausgebaute Spätburgunder mit kräftigen Gewürznoten (Curry? Koriander?) – für mich momentan einer der besten deutsche Rotweine, der allerdings seinen Preis hat.

Der Service in der Alten Schule: locker, unaufdringlich, witzig und gut beratend. Florian Löffler hat genug Zeit, um sich nach dem Essen seinen Gästen zu widmen. Hier macht es Spaß, vier unverkrampfte schöne Stunden mit Freunden zu verbringen, um dann in einem der acht rustikalen Zimmer („Kartenzimmer“, „Klassenzimmer“, etc.) sein Haupt zu betten. Wiederkommen!

Noch ein kleiner Tipp am Rande: Vor dem Gutshaus Conow in Wittenhagen, gleich in der Nähe, lässt sich vortrefflich Boule spielen.

Das Dreigangmenü kostet um die 40 €, das Viergangmenü um die 50 €. Die Weinpreise sind äußerst fair kalkuliert. Die gemütlichen Doppelzimmer kosten 75 € inklusive dem Langschläferfrühstück (bis 11 Uhr).

Alte Schule Fürstenhagen
Zur Alten Schule 5
17258 Fürstenhagen/
Feldberger Seenlandschaft
Telefon 039831.22023

http://www.hotelalteschule.de/

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag von 18.00- 22.00 Uhr

Ägyptischer Wein ist im Allgemeinen gruselig, mit leichten Abstufungen. Es ist immerhin anzuerkennen, dass überhaupt eine Weinindustrie existiert – wobei mittlerweile es kaum noch Länder gibt, die keinen Wein produzieren. Ich probierte Gianaclis „Chateau Grand Marquis“ Pinot Blanc, ein trockener Wein mit intensivem Aroma von Gummibärchen. Im Restaurant Al Bodega trank ich auf Empfehlung des Kellners „Shahrazade“, angeblich ein Chardonnay (oder doch auch ein Pinot Blanc?), kann aber leider keine Referenz hierzu finden (auch hier ein leichter Gummibärchengeschmack, aber subtiler). Andere Weißweine waren leider nicht der Erwähnung wert und zu den Rotweinen bin ich nicht durchgedrungen. Eine ausführliche ägyptische Vinografie findet man auf Vinography.com.

Nachtrag (18.6.07): Shahrazade Rotwein – ein Cabernet Sauvignon/Merlot Cuvee, im Joint Venture mit einem französischen Winzer aus dem Bordeaux, überrascht dann doch mit anständiger Qualität auf gehobenen französischem Landweinniveau.

Nein, Venedig ist nicht nur Touristenabzocke. Es gibt in Venedig viele Restaurants und Bars, wo man nicht das Gefühl hat, sein Geld in ein Groschengrab zu werfen. Eine solche Location ist die Enoteca Mascareta, fünf Minuten vom Markusplatz entfernt, nahe des Campo Santa Maria Formosa. Mascareta wird von dem bekannten italienischen Sommelier Mauro Lorenzon geführt und folgt dem klassischen Enotecarezept: Man kann essen, man kann aber auch einfach nur drinken, und egal, ob man nur Vospeisen oder ein Menü isst, der Service bleibt der gleiche. Die offene Flasche Wein wird auf den Tisch gestellt und wieviel man am Ende bezahlt, ist Verhandlungs- und Sympatiesache. In jedem Fall fühlt man sich nicht übers Leder gezogen.

Es gibt Vorspeisenplatten, entweder Käse und Schinken/Salami oder ein reichhaltiger Teller mit eingelegtem Fisch und Meeresfrüchten (geräucherter Schwert-, Tun- und Mönchsfisch, Oktopussalat mit kleinen Oliven, Sardellen und Sardinen etc., eine Teller für zwei Personen kostet € 20). Außerdem kann man aus fünf Vorspeisen (z.B. Crespelle mit Jakobsmuscheln, oder Bohnensuppe, je € 15) und fünf Hauptgerichten (z.B. geschmortes Lamm oder Stockfisch, je €20) wählen. Ein Highlight für Hartgesottene: Sepia mit Polenta; das ganze in ein Bad von schwarzer Tinte getaucht – am Ende sah meine Serviette aus, als hätte ich damit schwarze Schuhe geputzt.

Man kann alle Weine glasweise bekommen – d.h. wir reden von mehr als hundert verschiedenen Weinen.  Die Enoteca bietet fünf reginonale Weiß- und fünf Rotweine sowie einen hervorragenden halbtrockenen Spumante zum Glas von € 3 an.

Mich hat vor allem der Valpollicella al Corte del Pozzo 2004 von Fasoli Gino überzeugt; ein Wein, bei dem man daran erinnert wird, warum man Altweltweine trinken sollte. Einen solchen Wein wird man außerhalb von europäischen Lagen nicht finden; und auch in Europa wird so etwas rar. Wie soll man einen solchen Wein beschreiben? Er schmeckt nicht nach roten Beeren, nicht nach Lakritz oder Vanille (ist ja auch nicht im Barrique ausgebaut). Am ehesten noch rote Kirsche, vielleicht auch ein bisschen Pfeffer und Leder, aber ansonsten einfach nur nach Wein; mit ausgeprägter Säure, aber doch weich bis ans Ende des Gaumens.

Enoteca Mascareta
Castello
Calle Lunga Santa Maria Formosa
(nahe Campo Santa Maria Formosa)
Venedig
Telefon: +39 41 523 0744

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl von Zuckerwatte? Ich meine nicht die Süße, sondern die Art, wie der Mund sich anfühlt – „gefüllt“ ist eine annähernde Beschreibung. Ein ähnliches Gefühl habe ich bei dem Genuss vieler australischer Rotweine. Ich meine das nicht unbedingt negativ, manchmal mag man das ja. Ein typischer Wein dieser Richtung ist der Yellow Tail Shiraz, angeblich der meist verkaufte 750ml Rotwein in den USA. Auch wenn das kein gutes Zeichen sein kann (welche Rebflächen haben die denn?), ist der Yellow Tail durchaus drinkbar, vor allem wenn er leicht gekühlt ist (15 Grad?). So beschreibt ihn die Winery:

A vibrant, deep purple colour leads to a nose of lifted berry aromas with spicy notes. The full-bodied palate shows generous ripe fruit characters with underlying earthy tones and lingering sweet berry flavours. A touch of vanillin oak adds balance and softness to the long, enjoyable finish.

Naja, ein bisschen zu viel des Guten, aber ich mochte die leichte Pfeffernote und mit einer guten Zigarre (Dos Hermanos, Robusto) macht er durchaus Spaß.

Foto: http://www.yellowtailwine.com.au/

Manchmal kann man sich sogar als Geschäftsreisender kleine Träume erfüllen. Diesen Traum träumte ich seit 8 Jahren, als zum ersten Mal nach Bandung, in den Bergen von Zentraljava gelegen, kam. Ich war damals anlässlich eines Workshops für zehn Tage in einem innerstädtischen Hotel untergebracht. Zu meinem Geburtstag hatte ich Freunde in das damalige Chedi Hotel eingeladen, das uns wegen seiner spektakulären Lage empfohlen wurde. Vor fünf Jahren wurde das Hotel von einer anderen Kette übernommen und umbenannt, jetzt heißt es Malya. Das Konzept ist geblieben, dazu später mehr.

Bandung ist eine Stadt mit 3 Millionen Einwohnern, ca. 130 km von Jakarta enfernt. Am Wochenende verdoppelt sich die Einwohnerzahl, da viele Familien aus Jakarta herkommen, um in den vielen Factory Outlet Stores einzukaufen (Bandung ist das Zentrum der indonesischen Textilindustrie – hier produzieren viele der großen und kleinen Modemarken. Das Klima ist durch die Höhenlage (700m) auch sehr angenehm, und Bandung hat für einen Kurzurlaub viel zu bieten.

Man kann mit dem Taxi oder mit dem Bus nach Bandung fahren, aber es gibt eine viel bessere Alternative: In drei Stunden schraubt sich der Zug von Jakarta Gambir durch die Berge hoch, vorbei an Reisfeldern und Dörfern mit den typischen Ziegelgedeckten Häusern. Pünktlich auf die Minute und mit viel Charme. Die Fahrt kostet in der 1. Klasse ca. 7 €.

Das Malya Hotel liegt am Rande von Bandung, an einer tropisch bewaldeten Schlucht. Die Luft ist dick, man spürt nicht die nahe Großstadt. Die Einrichtung ist so, wie man es sich von einem Hotel in Südostasien wünscht: Klare asiatische Formen, Wasser, viel Holz, Natur und einzelne, doch nicht zu viele folkloristische Elemente gemischt mit modernen Designs.

Ein Lächeln für die Empfangschefin verhalf mir zu einem Upgrade zu einem Zimmer mit Balkon. Am nächsten Tag wurde mir noch ein Upgrade in eine Suite angeboten, das ich aber dankend ablehnte. Man freut sich als Reisender, wenn man sein Zimmer gefunden hat. Als die Internetverbindung (gebührenfrei) nicht auf Anhieb funktionierte, wurde mir sofort ein anderes Zimmer angeboten, in dem es klappte. Der Service ist wie in den meisten guten Hotels in Indonesien makellos.

Da das Malya in die Schlucht gebaut ist, kommt man im obersten Stock an und fährt bis zum 5. Stock in umgekehrter Reihenfolge nach unten. Der Pool grenzt direkt an die Schlucht, ohne erhöhte Umrandung und fügt sich mit seinen flaschengrünen Kacheln in die umgebende Natur ein. Wie in jedem besseren Hotel in Südostasien lohnt sich ein Besuch im Spa – ich gönnte mir eine einstündige softe Malya Massage, die alle meine Sinne belebt hat.

Was das Malya ganz besonders macht, ist das Restaurant, das oberhalb der besagten Schlucht liegt – weniger wegen des Essen, sondern wegen seiner spektklären Lage. Man sitzt auf der Veranda und lauscht dem ständigen Konzert von Zikaden und Vögeln, begleitet von einem Gamelan- und Flötenspieler. Romantischer geht es kaum. Sensationell ist das Frühstücksbuffet, vor allem wegen seiner verschiedenen Fruchtmuse und kaltgerührter Marmeladen. Das Restaurant konzentriert sich ansonsten auf europäische/italienische Küche, die nicht gerade spektakulär ist und mit der Gesamtqualität des Hotels in keinster Weise mitkommt. Es gibt auch eine kleinere indonesische Karte, aber auch da bekommt man anderweitig mehr geboten. Der Wein schlägt in der Geldbörse zu Buche: Für eine Flasche australischen Howling Wolves 2005 Semillion Sauvignon Blanc mit einem netten frischen Zitrusaroma, aber wenig Abgang zahlte ich schlappe 45 €. Gibt es in Australien Wölfe?

Der Preis für das Hotel? Schwer zu sagen, da mir das Hotel über eine lokale Reiseagentur vermittelt wurde. Ich zahlte ca. 75 €, Frühstück inklusive. Am Wochenende ist das Malya meist ausgebucht, wegen den bereits erwähnten Jakarta-Touristen, und dann ist es auch teuer. Gute Internetangebote sind für dieses Hotel schwer zu finden.

Die unglaublich friedliche Atmosphäre, die frische Luft, die leise Musik, alles das hat dazu beigetragen, dass mir die Arbeit, die ich zu erledigen hatte, leicht fiel. Hier macht das Nomadensein Spaß - mit der Liebsten wäre es aber ein Urlaub für alle Sinne. Ich komme wieder (und werde ein Wort bei der Direktion einlegen, dass sie ihr Restaurant upgraden).

Fotos: drymartini (copyright granted for non-commercial purposes)

Kurzer Boxenstopp in Berlin, wenige Stunden vor meiner nächsten Asienreise. Diese warmen Tage im Mai sind es, die mir immer wieder vermitteln, warum ich gerne hier lebe. Das Leben verlagert sich auf die Straße, man sitzt im Freien, um zu genießen und den Genuss mit anderen zu teilen.

Ohne festen Plan startete ich und fand ich mich in meinem liebsten Berliner Tapas Restaurant, dem Pan y Tulipan in der Winterfeldtstraße in Berlin Schöneberg wieder. Davon muss ich bald mehr schreiben, denn gute Tapas Restaurants sind rar. Ich aß Crocetas de Bacalao und Manchego mit Kapernbeeren.

Berichten will ich über einen frischen Wein, den ich trank. Der Zapadorado 2005 Verdejo der Bodegas Rueda Pérez war genau das, was diesen späten Frühlingstag pefekt machte. Ich habe mich, zugegebenermaßen, in der letzten Zeit etwas an Sauvignon Blanc sattgetrunken. Da ist ein Verdejo die richtige Alternative, bietet er doch ähnliche exotische Geschmackssensationen.

Der Zapadorado hat meine Nase erst einmal mit einem intensiven Duft nach Frühlingswiese angefixt (zum Glück bin ich nicht Heuschnupfen gefährdet). Danach Ananas und andere helle Früchte. So schmeckt der Sommer!

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