Drinks


Wie bereits mehrfach in diesem Blog berichtet, gab es in 2007 kaum einen Monat (eine Woche), in dem nicht ein neuer Gin lanciert wurde. Wir sahen in 2006 den hervorragenden und ausführlich gewürdigten Blue Gin von Reisetbauer, der jetzt in der zweiten Vintage-Ausgabe erschienen ist. Dann 2007 G-Vine aus Frankreich, gar nicht zu reden vom  Old Tom Gin Revival.

Jetzt gibt es auch einen konkurrenzfähigen deutschen Gin: Adler Berlin Dry Gin der Preußischen Spirituosen Manufaktur. Einen Wacholder-Aficionado wie mich freut die Besinnung auf die Ureigenschaften dieser Spirituose. Neben den deutlichen Wacholder-Noten gibt es Koriander, Ingwer, Lavendel und Zitronenschale. Alles sehr ausgewogen und hervorragend für einen Dry Martini geeignet (am besten mit Zitronenzeste). Die Destillate werden sorgfältig verarbeitet und der Gin wird dann noch einige Monate in Steingutgefäßen gelagert, damit er sein Aroma entfalten kann. Sehr, sehr lecker…

Die Krönung des mit ca. 30 Euro nicht gerade preiswert veranschlagten Wässerchen  ist die Abfüllung in eine Apothekerflasche mit Glasstopfen.

Ach ja, das Etikett: Darüber ist soviel diskutiert worden, dass ich mich jeglicher Stimme enthalte. Irgendwie gewöhne ich mich langsam daran…

 Foto: Preußische Spirituosen Manufaktur GbR

Da las ich doch heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem ansonst hervorragenden Feuilletonartikel („Das Grauen vom Lande: Nicht die Provinz ist böse; es ist der Provinzialismus….Warum wir uns vor Kurt Beck fürchten müssen„), dass Berlin nicht die Metropole ist. Lieber Claudius Seidl, solche Klassifizierungen treffen tief ins Mark meiner Berliner Identität, und ich empfehle Ihnen einen Besuch in der neuen Bar Tausend am Schiffbauerdamm (wenn Sie der Türsteher denn reinlässt).

Gestern abend war ich da, mit den Herren Adam und Heuser von Mixology. Es war, wie zu erwarten, ein feuchter aber vor allem fröhlicher Abend, an dessen Anfang wir noch die angenehme Gesellschaft des Bartenders Mario Grünenfelder genießen konnen, der gerade zum Mixologen des Jahres 2007 gewählt wurde (odr?). Die Freude über Marios Anwesenheit wärte leider nicht lange, da die Bar ab ca. 23 Uhr wie eine Sardinendose gepackt war und er nur von Zeit zu Zeit mit frisch gefüllten Gläsern vorbeischauen konnte.

Die Bar Tausend hat alles was sie dazu prädestiniert, zur angesagten Hauptstadtlocation zu werden, von der man in New York oder São Paulo oder Tokyo redet (bye, bye, 90 Grad…). Gelegen im Epizentrum der Hauptstadt, findet man sie nur, wenn man weiß, wo man suchen soll. Kein Licht, kein Kneipenschild, keine Klingel an der Eisentür unter der Bahnlinie Paris-Moskau. Ein Türsteher, der aber zu früher Stunde Milde walten lässt (wie lange noch?). Klassisches 80er Jahre Clubdesign mit viel Metall und Glas. Super gute Livemusik. Publikum, dass sich gerne sieht und sich sehen lässt. Viel Champagner und Vodka (Green Mark). Also ein Luxus-Hedonisten-schöne Menschen-Schuppen – aber zum Glück auch für Normalos genießbar.

Die Aufgabe von Mario, in einem Laden, der gut und gerne 200 Menschen fasst, hohe Qualität bei den Drinks zu halten, ist eine hohe Herausforderung und ich hoffe, dass er nicht daran verzweifeln wird. Die Drinks sind momentan klasse, wie zu erwarten, ob der Manhattan, der hier mit Rittenhouse Rye und Carapano Antica Formula perfektioniert wird, oder der von uns allen geliebte Beuser & Angus Special (oder so ähnlich), ein Sour auf Chartreuse Grün Basis.

Zu erwähnen ansonsten noch die kleine Karte mit Häppchen (Austern, Dim Sum), die von dem grandiosen Küchenchef Gordon W. serviert werden. Gordon W. ist eine eindrucksvolle kanadische Erscheinung, mit bewegter Geschichte und eigenem Wikipediaeintrag und und alleine schon ein Besuch im Tausend wert. Ich sage es doch: Berlin ist die Metropole.

Vielleicht gibt es hier bald noch ein paar Fotos, solange bei http://www.philipp-m-wittulsky.de/ reinschauen.

Tausend 
Schiffbauerdamm 11
1000 Berlin-Mitte
Tel. 41 71 53 96
Öffnungszeiten: Mi.-Sbd. ab 20 Uhr

Berlin: Am 17. Oktober wurden auf dem erstmals veranstalteten Branchentreff der Barindustrie, dem Bar Convent Berlin, die Mixology Bar Awards 2007 verliehen. Mit diesen Awards zeichnet die Fachzeitschrift Mixology, Magazin für Barkultur, herausragende Leistungen des Bargewerbes aus. Verliehen wurden die Awards in insgesamt 6 Kategorien.

Den Auftakt machte ein „Award für besondere Leistungen“, der von der Jury – prominent besetzt mit Stefan Gabanyi (Schumanns Bar, München), Gregor Scholl (Rumtrader, Berlin), Markus Blattner (Widderbar, Zürich), Marco Pani (Bar Italia, Wien), Ingo Strobel (Motorberlin.com) und Gregor Scholz (Scholz Bar, Stuttgart) – einstimmig der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesprochen wurde, da sie sich im Rahmen des Klimaschutzes besonders um die Qualität des Eises verdient gemacht habe. „Das Eis ist schließlich des Barmanns Gold!“ so die Begründung von Jury-Vorsitz Gregor Scholl.

 

Das „Bardesign des Jahres 2007″, gestiftet von Bombay Sapphire, gewann die Bar des Berliner Q! Hotels für ihr von der bekannten Architekturschmiede Graft gestaltetes Interieur. Ein weiterer Award ging ebenfalls nach Berlin. In der Kategorie „Mixologe des Jahres 2007″ wurde der gebürtige Schweizer Mario Grünenfelder (Bar Tausend) für seine Kreativität ausgezeichnet. Mit Markus Heinze von der Dresdner Sonderbar zeichnete die Jury einen zweiten Bartender aus. Er gewann den Award „Newcomer des Jahres 2007″. Beide Awards wurden vom neuen Premium-Tequila Sierra Milenario präsentiert.

Der mit Spannung erwartete Award für die „Spirituose des Jahres 2007″, gestiftet vom Bardienstleister APS Barsupply, ging an den Kultlikör Green Chartreuse. „In Chartreuse kommt das Wesen der Destillation in seiner ganzen Tiefe zum Ausdruck. Dies ist mit ein Grund, warum dieses Traditionsprodukt auch die junge Generation von Bartendern von Neuem inspiriert. Es ist schlicht Transzendenz in Flaschen!“ begründete Stefan Gabanyi die einstimmige Entscheidung der Jury.

Standing Ovations bekam für die Verleihung des „Awards für das Lebenswerk“ schließlich der bekannte Bartender und Buchautor Franz Brandl. Dieser Award wurde von der russischen Vodkamarke Green Mark präsentiert.

Der Bar Convent Berlin war mit 1068 Besuchern an zwei Veranstaltungstagen in seinem ersten Jahr ein voller Erfolg. Jens Hasenbein, Herausgeber des veranstaltenden Mediums Mixology, freut sich aus diesem Anlass auch schon auf das nächste Jahr: „Unsere Leser und unsere Partner aus der Industrie, die durch ihren Enthusiasmus zur großartigen Stimmung des BCB beitrugen, haben offensichtlich schon seit mehreren Jahren auf eine solche Veranstaltung gewartet. Wir freuen uns, dass wir unserer Branche jetzt auch diese Plattform zur Verfügung stellen konnten. Wir werden den Termin für das Jahr 2008 demnächst bekannt geben und wollen uns im nächsten Jahr natürlich auch noch steigern.“

Foto: Birte Filmer, 103prozent

Jeder, dem ich erzählte, dass ich ins Milk&Honey in London gehen würde bekam glänzende Augen. „Eine tolle Bar,“ „perfekte Drinks“, etc. waren nur einige der Worte, die ich auf den Weg mit bekam. Also, nichts wie hin.

Ein Besuch im Milk&Honey ist eine logistische Aufgabe. Kommt man in das New Yorker Stammhaus nur als Mitglied rein (und man wird Mitglied nur auf Grund einer Empfehlung), so öffnet die Bar in London ihre Pforten auch für Normalsterbliche. Aber einfach hingehen funktioniert nicht – man muss, wenn man nicht Mitglied ist, sich voranmelden und hoffen, einen der begehrten Plätze zu ergattern. In meinem Fall waren mehrere Anläufe nötig. Da die Anmeldung durch einen Kenner der europäischen Barszene nicht fruchtete, probierte ich es selbst durch eine Email, und siehe da, Emma schrieb die wunderbaren Worte: „We will be seeing you on Thursday, then.“

Well done. Ich traf mich mit einem Londoner Bekannten, der es bis dato auch noch nicht auf die Gästeliste geschafft hatte. Kein Schild an der schwarzen Tür deutet auf die Bar hin – man muss wissen, wo man sie zu suchen hat. Im Vorraum, ein kleiner Tresen, an dem die Gästeliste abgehakt wird. Dann wird man ins Reich eingelassen.

Man muss dem Designer der im Jahre 2002 eröffneten Bar ein Kompliment machen – die Atmosphäre wirkt wie original dreißiger Jahre. Sehr gedämpftes Licht, spärliche Dekoration, gekachelte Decke, Resopaltische. Alles sehr stimmig. Die Cocktailkarte ist mit 35 Drinks übersichtlich, aber der Ober gibt gleich den Hinweis, dass man natürlich alles andere auch bestellen kann. Ich versuchte es mit einem Rye Sour, der tatsächlich absolut harmonisch und perfekt war. Wir probierten dann noch eine Reihe anderer Drinks, wovon mir der The Business (Gin, Honig, Limettensaft) zu süß geraten war. Die Barkarte wird durch eine gute Auswahl an Weinen und Tapas komplettiert.

Als Gast wird man im Mil&Honey ja üblicherweise um 23 Uhr herauskomplementiert, dann ist nur für Members geöffnet. Wir flohen schon viel früher, denn leider macht auch hier die Akkustik, in der Mischung von Musik und lauten Gesprächen eine Unterhaltung sehr schwierig.

Ich hatte ja noch eine zweite Adresse zu absolvieren. Als ich bei Lubos in Nitra war, hatte ich Eric Lorinc kennengelernt, der mich einludt, bei ihm in der Purple Bar im Sanderson Hotel vorbeizuschauen, auch in Soho und nur fünf Minuten Fußweg vom Milk&Honey entfernt. Das Sanderson Hotel ist ein witziges Designhotel, das vor allem Menschen aus der Multimediabranche anspricht. Ein ekklektischer Mix von Möbeln, verspielt bis zum Extrem. Hier gibt es zwei Bars: die Long Bar, die ihrem Namen gerecht wird und die jeden Abend eine Mischung von jungem und hippen urbanen Publikum anzieht. Dann gibt es aber auc noch die kleine, aber feine Purple Bar, die eigentlich nur für Hotelgäste und Members öffnet. Aber auch hier heißt es: Non-members are advised to make a guest list reservation.

Die Purple Bar ist, wenn man es so bezeichnen kann, ein vollkommener Gegensatz zum Milk&Honey. Wie der Name sagt, dominiert hier die Farbe Lila. Die Musik ist gedämpft, würde das moderne Design dem nicht widersprechen, würde ich sagen, dies ist eine alte englische Hotelbar, wo man sich zur gepflegter Konversation trifft. Der Vergleich hinkt aber, da die Purple Bar dem postmodernen urbanen Geschmack des angehenden 21. Jahrhunderts entspricht.

Der Chefbartender, Eric, ist zusammen mit Stan Vadrna auf Welttour gegangen und hat wie Stan den hohen Qualitätsanspruch mitgebracht. Das Barmenü fokussiert sich auf Martinis, wobei der Begriff Martini hier sehr weit gefasst ist – im Prinzip kann ja eben fast jeder Cocktail als Martini verkauft werden. Entsprechend dem Geschmack des gewünschten Klientels gibt es eine Riesenauswahl an Vodkas, aber auch die Bandbreite anderer Spirituosen, einschließlich meines geliebten Bourbon und Rye Whyskey, lässt sich sehen. Eric mixt mir zuerst einen Drink aus Grapefruitsaft, Limettensaft, Gin, und noch ein bis zwei anderen Zutaten (Apricot Brandy? Bitters?), der gut geraten war. Dann, zum Abschlus, noch einen Old Ripp Van Rinkle Bourbon 10ys, der duch seinen leicht torfigen Geschmack überzeugt – fast schon ein Malt. Überhaupt, auch hier, wie im Milk&Honey überzeugt die Qualität aller Drinks. Mit Stan, Lubos und Eric hat das kleine Land Slowakei der Welt jetzt schon drei große Talente hinter dem Tresen geschenkt.

Um 24h30, zurück in meinem Stadtteil near Earl’s Court war ich dann doch überrascht, dass man nicht überall in London um diese Zeit noch ein Absackerbier bekommt.

Milk and Honey
Poland Street Soho
London, W1F
Tel. +44 (0) 7000 655 469

Purple Bar
im SANDERSON HOTEL
50 Berners Street
London
Tel. +44 (0) 20 7300 1496
6pm-3am Monday through Saturday
6pm-12am Sunday
Members and Residents only.
Non-members are advised to make
a guest list reservation.
England W1T 3NG

Den Auftakt des Communitytreffens von Cocktaildreams am vergangenen Samstag in Hattersheim bildete das Bourbontasting. Neun Sorten des amerikanischen Whiskeys standen dabei zur Auswahl. Getestet wurden die Brände in drei Dreierblocks. Dabei wurden Notizen erstellt und Punkte von 1-10 vergeben – 1 für Fusel, 10 für Edelgetränk. Wir möchten hierbei noch betonen, dass keiner der 16 Tasting-Teilnehmer sich auf Bourbon spezialisiert hat. Die Zahlen und Bewertungen entstanden daher von Laien und können durchaus von anderen Whiskey-Tastings abweichen. Das ist auch der Grund, warum dieses Jahr der Bourbon auserwählt wurde. Im Hobbybereich wird dieser Spirituose kaum Beachtung gezeigt, obwohl er bei Bartendern wegen seiner Mixability sehr beliebt ist. Um die Vielfalt und die Unterschiede genauer kennen zu lernen, fiel die Wahl auf den Kornbrand aus den Staaten. Die Bewertung fiel folgendermaßen aus:

Die überall erhältlichen Sorten Four Roses, Jim Beam White Label sowie Jim Beam Black Label bildeten das Schlussfeld des Blindtastings. Alle diese Brände haben kaum spürbares Aroma, sind alkoholisch scharf und besitzen einen kaum spürbaren Abgang. Ein Drink der vom Aroma eines Whiskeys abhängig ist, wie zum Beispiel ein Old Fashioned, wird mit einem dieser Whiskeys hemmungslos untergehen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es keinen Sinn macht, sich einen dieser Bourbons zuzulegen.

Auch die Produkte aus dem Hause Wild Turkey wurden nicht sehr hoch bewertet. Die achtjährigeVersion Wild Turkey Rare Breed ist zwar ein reifer, runder Whiskey, unterscheidet sich von seinen acht Konkurrenten aber durch einen sehr starken torfig-erdingen Geschmack wie man ihn eher bei einem Scotch erwarten könnte. Vielleicht ein Grund, weshalb das teurere Produkt einen hinteren Platz eingenommen hat. Der normale Wild Turkey schnitt ein wenig besser ab. Die Aromen und Geschmäcker waren insgesamt runder und harmonierten somit besser miteinander. Diese beiden Brände haben einen leichten Abgang mit Eichenaroma. Hier gab es die Minoritätsmeinung des ehrwürdigen Drymartini-Bloggers – immerhin der älteste der Verkoster, für den der Wild Turkey Rare Breed mit seinem auch an Calvados erinnernden Aroma an der Spitze der Auswahl lag.

Gleichauf und im oberen Feld befinden sich Makers Mark sowie Woodford Reserve. Zwei solide Mixbourbons, die ihren Preis wert sind. Geruch von Toffee und Caramel, gut balancierte Holznoten und kein Brennen im Abgang machen diese Whiskeys eine Anschaffung wert.

Der teuerste Bourbon und der von den meisten Teilnehmern als Favoriten auserwählte war Blanton Cask Strange (Edition Süddeutsche Zeitung). Leicht süß mit Honig- und Caramelaromen setzte sich die Sonderauflage durch. Sehr mundfüllend im Geschmack aber dennoch erstaunlich sanft, kann dieser teure Bourbon auf ganzer Linie überzeugen. Ein absolute Kaufempfehlung für den puren Genuss.

Sieger, nach glatten sieben von zehn Punkten, ist allerdings der 12-jährige I.W. Harper. Wie der Blanton ist auch er sehr zart, gut balanciert mit Spuren von Vanille und Caramel. Das machte Ihn schlussendlich zum Mix- und Trinkbourbon des Cocktailforums und konnte in einem vom Drymartini gemixten Whsykey Sour absolut überzeugen.

Bleibt zu bemerken, dass die Auswahl der verkosteten Whiskeys nur einen Auftakt bildet. Wer mehr erfahren will, kann zum Beispiel in der Switch-Bar in Hattersheim oder im Paolos Frankfurt weitaus exotischere und in Deutschland selten ausgeschenkte Bourbons und Ryes probieren, z.B. den wunderbaren Eagle Rare. Kürzlich von Drymartini mit viel Spaß verkostet: Booker’s Bourbon mit 62 Vol%.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit von Cocktailwelt (Federführung ) und Drymartini (Mitarbeit & Erweiterung).

Punkte:
4,06 – Four Roses
4,13 – Jim Beam White Label
4,38 - Wild Turkey Rare Bread
4,94 - Jim Beam Black Lable
4,94 – Wild Turkey 8
5,88 – Makers Mark
5,88 – Woodford Reserve
6,50 – Blantons (SZ-Edition)
7,00 – I.W. Harper 12

Seit ich blogge, bin ich zum leidenschaftlichen Perlensucher geworden. Perlen in der Provinz. Wenn Sie Wuhan oder Nitra nicht kannten, wird es Ihnen vielleicht genauso mit Hattersheim gehen, außer Sie kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Um die Relationen zurechtzurücken: Wuhan hat 9 Millionen Einwohner, Nitra 100.000 und Hattersheim hat 25.000. Um es etwas genauer zu beschreiben: Hattersheim ist nicht der Ort, in dem die meisten Bankmanager aus dem nahegelegenen Frankfurt wohnen; es ist eher eine Schlafstadt für die umliegende Industrie, z.B. dem benachbarten Höchst. Würden Sie dort eine Top-Bar erwarten? Sehen Sie – ich auch nicht; aber so langsam lerne ich, meine Großstadtarroganz abzulegen.

Karsten Kuske hat nach Abschluss seiner Lehr- und Wanderjahre eine Bar mit dem Namen „Switch – Die bewegte Bar“ eröffnet. Der Fantasie sind bei diesem Namen keine Grenzen gesetzt: es handelt sich tatsächlich um eine professionelle und hochqualitative Cocktailbar. Mit dem Namen verhält es sich so:

„Switch“ bedeutet wechseln, das bezieht sich auf das ständig wechselnde Zusatzangebot an Cocktails, Spirituosen, Weinen und Snacks. Unser Motto lautet „Gastronomie in Bewegung“ und daher kommt der Beiname „Die bewegte Bar“.

Kuske hat im Laufe seiner Jahre hunderte Spirituosen angesammelt, darunter viele Rums, American and Scottish Whysk(e)ys und noch mehr. Daraus macht er eine Vielzahl von guten Drinks, angefangen von den Klassikern in allen Variationen, Tiki und Fancy Drinks, Coladas. Zusätzlich bietet sich natürlich ein Ritt durch die Spirituosenabteilung an. Mich als eingfleischten Boubon-Trinker hat die große Auswahl gefreut, und die Tatsache, dass Karsten neben vielen anderen Blue Gin im Programm hat.

Die Switch-Bar hat von Mittwoch bis Samstag von 19h00 bis 2h00 geöffnet. Sie ist nur ein Jahr nach ihrer Eröffnung zur Nr. 1 der Bars im Rhein-Main-Gebiet (außer Frankfurt) gewählt worden.

Übrigens: Mit der S1 ist man in 15 Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof in Hattersheim. Noch 5 Minuten Fußweg, und Sie können bei Karsten Kuske gepflegt in der Provinz trinken.

Switch – Die bewegte Bar
Am Kirchgarten 11
65795 Hattersheim am Main
Tel.: 0 61 90 . 92 70 25

Ein Trend, der in Asien und den USA schon lange in ist, setzt sich jetzt langsam auch in Deutschland durch: die Kombination von Bar und Restaurant, in voneinander abgegrenzten Räumen. Mir kommt das sehr gelegen, da ich aus dem Alter heraus bin, in dem ich von Kneipentür zu Kneipentür ziehen muss. Allerdings entfällt dadurch auch der Verdauungs- und Ernüchterungsspaziergang, so dass man bei der Zusichnahme von Speis und Drank doppelt aufmerksam sein muss.

„Wohin in Frankfurt“, ging meine Frage an den Experten für gehobene Barkultur? Trocken die kurze Antwort per E-Mail: „Frankfurt? Na klar! Steffen Lohr im Biancalani.“

Da ich mich ohnehin mit ausländischen Freunden auf ein gutes Dinner treffen wollte, passte dieser Tipp, nach kurzem Check auf der Webseite des Biancalani, perfekt. Einem runden Abend sollte nichts im Weg stehen.

Das Biancalani liegt auf der Sachsenhäuser Uferseite von Frankfurt nahe der Flößerbrücke, wo in den letzten Jahren ein kleines urbanes Subzentrum im modernen Mailänder Stil entstanden ist. Das Ensemble besteht aus einem Restaurant, einer Enoteca und der Cocktailbar mit Lounge.

Wir entschieden uns für das Sandwichverfahren: Drink – Essen - Drink. Ich kam etwas früher, um mit dem Keeper ins Gespräch zu kommen. „Sind Sie Steffen Lohr?“ – „Nee – der ist schon seit ein paar Wochen nicht mehr hier, mixt jetzt im ‘Ich Weiß,’ einer neuen Bar. Ich bin sein Schüler und habe das jetzt hier übernommen.“ Ein Blick in die Karte lässt daran erinnern, dass hier auch schon Bastian Heuser von den Travelling Mixologists gewirkt hat. Kreativität pur. Ich entschied mich für den ‘Cilantro-Chili-Gimlet’, einer Mischung aus Koriandersamen, frischem roten Chili, Gin, Rose’s Lime Juice und frischem Limettensaft. Eine Superkombination, die Leuten gefallen wird, die sowohl Gimlet als auch Chili mögen. Leider wurde der Drink nicht wie in der Karte angekündigt, in eine Martinischale abgeseiht, sondern (wie später auch der Sazerac) in einem Tumbler auf Eis serviert, was den Drink nach 5 Minuten verwässerte. Das Glas Wasser musste nachgefragt werden. Der Barkeeper fragt nicht nach der Wunschspirituose im Gimlet. Also, ein bisschen Üben (und vielleicht auch noch Unterstützung von den alten Helden) bringt die neue Crew sicher schnell auf den Stand, den das Biancalani bestimmt halten möchte.

Aber jetzt ins Restaurant – die Speisekarte hatte mich schon neugierig gemacht; sie verspricht moderne italienische Küche ohne modischen Schnickschnack zu akzeptablen Preisen – wenn die Qualität stimmt. Um es kurz zu sagen: Die Qualität stimmt auf den Punkt. Alles ist ganz fein, der Geschmack der jeweils wenigen Zutaten ist hervorragend herausgearbeitet.

Ich begann mit dem warmen Salat vom Octopus und Steinpilzen mit Croutons, Minze und Petersilie (€ 13,50): Der Oktopus butterweich und die Vinaigrette geradezu perfekt. Alles harmoniert. Dann als Zwischengang Entenstopfleber und Boudin-Blutwurst im Strudelteig auf Balsamico-Linsen mit Apfel (€ 13): auch hier das gleiche Gefühl: passt schon, wie der Wiener sagen würde. Schließlich noch die Dorade auf kleinen Artichoken mit Oliven (€ 22,70): Lecker, aber nicht so aufregend wie der Kabeljau mit Kalbszunge auf Wirsing und Kartoffelpüree und grobem Senf, den ich probieren durfte.

Mit den Weinen haben wir uns nicht sehr ausführlich beschäftigt, da wir noch von unseren Cocktails genug hatten. Der offene Soave war jedenfalls sehr ordentlich.

Von meiner Beschreibung möchte man meinen, dass dies ein perfektes Restauranterlebnis war. Leider weit gefehlt. Denn so gut das Essen, so qualvoll war es für uns, da die Raumakkustik in dem 70-Plätzerestaurant für einen solchen Lärm sorgt (ich schätze, um die 70-80dB), der nicht nur die Kommunikation gestört, sondern nach spätestens einer Stunde auch zu einem ansteigenden Rauschen im Kopf geführt hat. Schade!

Biancalani
Restaurant, Enoteca und Bar
Walter-von-Cronberg Platz 7-9
Frankfurt am Main
069-689776.15/.25/.20

Kennen Sie Wuhan? Nie gehört? Die Stadt gehört zu den fünfzig größten der Welt (Population 5-9 Millionen, je nach Zählweise – „Provinz“ ist eher metaphorisch gemeint), ist ein Technologiezentrum in Süd-Mittel-China und wird durch den Jangtse geteilt. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, dort sechs Tage zu weilen. Wenn mir langweilig wurde (und das passierte ziemlich oft), ging ich in das Blue Sky Cafe. Das Blue Sky ist einer der Treffpunkte von Langnasen, aber 60% der Gäste sind Chinesen. Ein bisschen Typ amerikanische Sportsbar, ein bisschen heruntergekommen, kann man hier aber ganz formlos und angenehm trinken, essen und tanzen (viel gute Lationmusik). Essen ist typisch europäisch-amerikanisch (Pizza, Burger, etc.); zur Zeit meines Besuchs gab es die marokkanische Woche mit leckerer Tagine.

Vom gepflegten Trinken soll die Rede sein. Meine Augen konnten nicht größer sein, als ich das Cocktailmenü und parallel dazu die Spirituosenauswahl zu sehen bekam. Ca. 50 Cocktails, vor allem Klassiker gibt es hier. Aber würden sie unter der kritischen Zunge des Drymartini-Testers bestehen? Sie bestanden. Alle Cocktails, die ich im Laufe meiner Besuche testete, z.B. Martini, Manhattan, Daiquiri waren handwerklich gut gemacht.

Hier wirkt Carson. Carson spricht praktisch kein Englisch, so war ich auf die Hilfe der Kellner und Kellnerinnen angewiesen, die auch nicht gerade flüssig waren. Carson hat on-the-job gelernt, und es gab wohl irgendwann mal einen Ausländer, der ihn in die Kunst der Mixologie eingeführt hat. Carson hat Produktkenntnisse und seine Handwerksfähigkeiten konstant entwickelt.

Die Rede ist von der Blue Sky Filiale in Hankou. Die Filiale in Wuchang habe ich nicht ausprobiert.

Blue Sky(蓝色天空咖啡)
Hankou Jianshe Dadao #735 (汉口建设大道735号)
(027) 85807466/85759937 
geöffnet: 11.00-2.00

Foto: Joerg1975 auf Flickr

Es gibt Bars, mit denen man sofort in love fällt. Die Q-Bar in Peking (danke an Dan Stephenson) ist so ein Platz. Wie viele besondere Plätze ist sie ein bisschen off centre, das heißt nicht mitten dort, wo sich die Touristenmassen konzentrieren. Sanlitun ist jedem Touristen als einer der Top-Nightlife-Adressen bekannt, ich habe mich dort nie wohl gefühlt. Folgt man jedoch der Sanlitunstraße ein bisschen (nach Osten? Westen? Norden? Süden?), kommt man in eine ruhigere Gegend. Hier liegt das Eastern Inn, ein lokales Zweisternehotel, und ein kleine Leuchtreklame weißt auf die Q-Bar hin. Nicht sehr auffällig, und eigentlich ein Platz, an dem man gleich wieder umdrehen möchte. Ich wollte einfach wieder einmal nicht glauben, dass ich am richtigen Ort bin, betrat die sehr post-sozialistische „Lobby“, und betrat den Aufzug. Kein Hinweis auf die Q-Bar, also drückte ich auf die höchste, die fünfte Etage. Immer noch kein Hinweis auf die Bar (ein ähnliches Feeling wie im Palladium in Nitra). Also noch mal eine abgeranzte Treppe hoch, und schon ist man in einer anderen Welt. Die Q-Bar hat eine schöne Dachterasse mit Holzmöbeln und Teelichtern. In der eigentlichen Bar ein langer Tresen; einfaches, aber klares Design, dunkelrote Wände, kein Schnickschnack – einfach nur Bar.

Hier wirkt Wendy (die linke der beiden Damen auf dem Photo), die aber nicht die Hauptmixerin des Hauses ist. George muss ich ein anderes Mal kennenlernen. Wendy macht gute Cocktails, alles stimmt. Gute Auswahl an Vodkas und Malts (natürlich), aber auch überraschend viele Gins; wenig Rums. Ein klar gegliedertes Menü, und die Drinks stimmen. Ich startete mit einem Q-Bar-Martini (Gin oder Vodka, Vermouth, Minze!) – perfekt. Überhaupt – die Martiniauswahl war eine der besten, die ich seit langem gesehen habe. Dann einen XYZ, eine Art Daiquiri (weißer Rum. Cointreau, Limonensaft), und schließlich ein Bourbon Sour.

Die Q-Bar gilt unter vielen Barflies als die beste Pekings.

6/F, Eastern Hotel
Corner of Sanlitun Nanlu and Gongti Nanlu
三里屯南路和工体南路交接口
朝阳医院东门逸羽酒店6层
Phone: 6595-9239, 139-1031-9718
www.qbarbeijing.com
drink@qbarbeijing.com
Open 6pm-2am

Eine knappe Stunde Zeit bis zum Beginn des Films (Das Bourne Ultimatum – ein Hit wie die anderen beiden der Bourne-Serie). Also warum nicht mal eine Bar ausprobieren, die ich bisher noch nicht besucht hatte: Das Billy Wilder’s im Sony Center am Potsdamer Platz. Die Bar taucht ja durchaus in einzelnen Reviews im Internet auf.

Das Billy Wilder’s hat sicherlich eine der besten Lagen, die es für eine Bar in Berlin geben kann – Philharmonie und diverse Kinos in unmittelbarer Umgebung; alle Touristen in Berlin kommen irgendwann einmal an der Tür vorbei, und die steht weit offen.

Eine Stunde reichte für zwei Drinks: als erstes ein Daiquiri, wobei mich ich statt der Standardvariante mit Havanna Club zu einem 21-jährigen Angostura 1884 aus Trinidad und Tobago entschied (€ 10,50). Der Drink war anstandslos und nach den Regeln der Barkunst mit frischer Limette aus der Presse gemacht. Der alte Rum gab dem Daiquiri einen starken und dunklen Ton. Dann lies ich mir vom Bartender noch einen Drink empfehlen  – einen Whiskey Sour mit Maker’s Mark und Toulon Sirup, der aus braunem Rohrzucker hergestellt wird (€ 8,50). Aromatisch, lecker.

Die Atmosphäre des Billy Wilder’s ist allerdings eher mit einer Bahnhofsgaststätte zu vergleichen. Es geht alles sehr hektisch zu, die Happy Hour und die bereits erwähnte Lage zollt ihren Tribut. Die Auswahl der Spirituosen ist groß, vor allem an Vodkas. Leider sind die Flaschen nicht zentral aufgestellt; Rums und einen Teil der Vodkas kann man im Regal anschauen, alles andere muss man sich aus der Karte heraussuchen. Wasser wird nur auf besonderen Wunsch zu Drinks gerreicht. Positiv fällt die Weinkarte je mit vier offenen roten und weißen Gewächsen auf. Flaschenweine gibt es nicht. Das Barmenü ist übersichtlich und listet sicherlich über 100 verschiedene Cocktails auf.

Gesamturteil: für einen schnellen anständigen Drink vor oder nach dem Kino eine sichere Bank, aber nichts um lange zu verweilen. Die Barkeeper sind auch nicht wirklich auf ein Gespräch eingestellt. Also: eine echte Durchgangsbar. Man kann dann ja noch ein paar hundert Meter weiter südlich einkehren…

Wie gesagt, ich liebe Daiquiris. So macht man einen guten Daiquiri (Danke, Angus):

Der Drink wird noch besser, wenn man bei der Wahl des Rums etwas wählerischer ist. Momentan bevorzuge ich den Rum von St Kitts, den Mike mir mal mitgebracht hat, mit wunderbaren floralen Aromen – leider ist die Flasche alle. Mike – wo kriege ich den?

Außerdem bin ich kürzlich auf Flensburger Entdeckungstour gewesen.Für die Novizen: Flensburg war die deutsche Hochburg des Rums, und es gibt dort immer noch viel zu entdecken. Bald mehr in diesem Blog.

Wer die Perlen liebt, muss bereit sein zu tauchen.

Alle haben von ihm gehört, aber keiner kennt ihn – Luboš Rácz, der bloggende Bartender aus der slowakischen Provinz. Luboš war in den letzten Monaten in den deutschen Cocktailforen und Blogs durch seine fundierten Einsichten aufgefallen, und durch seinen Barblog (auf slowakisch). Der drymartini Blog war neugierig und hat sich auf den Weg in die tiefe osteuropäische Provinz aufgemacht, nach Nitra, einer 100.000 Seelen-Stadt, durch die ich schon oft durchgekommen bin, aber nie angehalten habe. Immer fiel mir der Satz aus einem meiner Lieblingsfilme ein, Blue Moon, von Josef Hader, in dem Detlev Buck in irgendeiner slowakischen Provinzkaschemme an der Bar zu Hader sagt: „Dir steht auf die Stirn geschrieben Ich will etwas erleben. Is nicht – tote Hose.“

Also stieg ich in Bratislava in einen der mehrmals stündlich verkehrenden Überlandbusse (€ 3, 70-90 Minuten) und fuhr durch die zentraleuropäische Steppe, die sich vom Neusiedlersee bis tief nach Ungarn zieht, um in einer zutiefst osteuropäischen Stadt anzukommen. Hier soll ein Barkünstler wirken? Der nächste Schock saß tief:

Getrennte Taxis für Frauen und Männer? War hier kürzlich eine islamische Republik ausgerufen worden? Gab es vielleicht bei Luboš nur noch Virgin Coladas und alkoholfreie Martinis? Tatsächlich standen genau zwei Taxis hinter dem Toilettengebäude – und der erste Fahrer sagte kollega. Der Kollege (Männertaxi?) übernahm und nach drei Minuten und einer Taxirechnung von € 1,80 stand ich am Rande eines Bauzaunes mit einem mehr oder wenig dezenten Hinweis auf das Paladium (aufatmen: die Frauen gehen nicht verschleiert durch die Straßen von Nitra!):

Immer noch wolte ich nicht glauben, dass ich hier richtig war, bis ich zwei Stockwerke über dunkle Treppen gestiegen war und sich mir ein dezentes Restaurant mit Bar (oder umgekehrt) eröffnete. Und da stand er, der Cocktailprinz aus der Provinz, Luboš.

Um es auf den Punkt zu bringen: ich habe vier Stunden so verbracht, wie ich es mir wünsche und vorletzte Woche in meinen 10 Kriterien für eine gute Bar beschrieben habe. Sollte ich in den 10 Kriterien Punkte von 1-10 vergeben (100 für das perfekte Ergebnis), läge das Paladium irgendwo im Bereich von 80 bis 90 (den Martini-Test habe ich leider nicht gemacht, aber ich bin mir sicher, er wäre zur vollen Zufriedenheit ausgefallen).

Die vier Drinks waren ausnahmslos lecker und kreativ; es gab Wasser ohne Ende; die Qualität der Spirituosen und der Zutaten waren superb (Bitter Truth! selbstgemachte Infusionen!). Luboš hat ein wunderschönes Barmenü (wer es sehen will, muss mich auf einen Drink einladen – oder in die Slowakei fahren).

Ich startete mit einem Gimlet aus mit thailändischen Zitronengras-Zitronenschalen-Tee versetzten Bombay Gin, Lime Juice und Limonensaft, eine Spur Litschi-Likör und als Krönung getrocknete und zerriebene Limonenschalen (hoffentlich ungespritzt). Super.

Dann eine Eigenkreation: Simplicity. Bombay, Zitrone, Sirup Orangenblütenbitter, Orangenbitter (beide von Bitter Truth),  Eiweiß und ein Schuss Grand Manier. Fantastisch.

Anschließend stiegen wir auf meinen Wunsch aufs Rumfach um. Ich liebe, seitdem ich blogge und in der Triobar war, Daiquiris: Damoisan weißer Rum aus Guadeloupe, Rohrzucker, Limonensaft. Einfach erfrischend.

Schließlich hat mir Luboš noch einen weiteren eigenen Drink serviert: Pineapple Daiquiri. Zerquetschte Ananas, Matusalem Rum, Havanna Reserva mit Vanilleschote infundiert, Rohrzucker mit Vanilleschote aromatisiert, Zitronensaft  (ein bisschen zuviel der Vanille, aber auch lecker). Dann war es an der Zeit, den Bus nach Bratislava zu nehmen.

Ich erwähnte es bereits: das Paladium ist auch ein Restaurant, mit einer italienisch / asiatisch /zentraleuropäisch angehauchten Speisekarte. Ich aß ein Risotto mit Cherry- und getrockneten Tomaten, Basilikum und Hühnerbrust. Ausgezeichnet; auf den Punkt gekocht und aromatisch. Man sagt, dass man in Nitra nicht besser essen kann. Den Namen des Küchenchefs und Partners von Luboš muss ich noch einmal recherchieren.

Ich sollte es eigentlich nicht erwähnen, aber ich tue es doch: es wird wenig Plätze auf dieser Welt geben, wo man für so wenig Geld so gepflegt speisen und trinken kann. Manchmal schämt man sich, auf der Sonnenseite des Leben geboren zu sein.

Ach ja: Eric Lorincz, der in London mixt, war auch da.

Stanislav Vadrna und Luboš Rácz: Zwei Künstler an Plätzen, wo man sie nicht erwartet hätte.

Paladium bar and restaurant
Sturova 71
Nitra
Tel. +42-37-650 6578

Fotos: drymartini (1-3), Luboš Rácz (4)

Zweifelsohne: Der Aufenthalt in einer Bar geht ans Geld. Wenn man zu zweit ist, kommen nur für Getränke locker € 40-50 zusammen. Leider ist dieses Geld nicht immer gut investiert. Ist man mit einer schönen Frau oder einem schönen Mann zusammen, spielt die Frage der Getränkequalität vielleicht nicht die wichtigste Rolle; dann geht es mehr um Beleuchtung, Musik, etc.. Ist man aber dem Thekenmeister alleine ausgeliefert, kann die Wahl der falschen Bar leicht ins Fiasko bzw. einen verdorbenen Abend führen. Daher kam mir die Idee zu einem kleinen Bar-O-Meter, ein kleiner Test, der die Qualität der Bar an Hand einiger Indikatoren anzeigt.

1. An der Tür
Im Prinzip ist eine Bar eine öffentliche Einrichtung. Wer hier Barrieren aufbaut, hat entweder etwas zu verbergen oder pflegt einen aufgesetzten Elitismus. Also: auch wenn ich manchmal die kleine Klingel auch witzig finde, Gesichts- oder Bekleidungskontrolle ist out, was nicht heißt, dass man in jede Bar mit Shorts und Schlappen gehen sollte. Hier hat der Gast die Verantwortung, sich dem Stil der Bar anzupassen. Ein Zeichen für eine gute Bar ist es jedoch, wenn ich an der Tür nach meinem Wunschplatz gefragt werde und, nachdem mir der Mantel abgenommen wurde, zu ebendiesem Platz geleitet werde. Als erstes wird ein Glas Wasser serviert, das regelmäßig nachgefüllt wird. Das ist übrigens im wirtschaftlichen Interesse der Bar – so lässt sich mehr Alkohol vertragen.

2. Orientierung und Einrichtung
Was wäre eine Bar ohne die Bar (im Deutschen auch „Tresen“ genannt)? Der Gast muss die Möglichkeit haben, gleichzeitig zu trinken und das Weiße in den Augen des Bartenders (oder der Bartenderin) zu sehen. Für den Einzeltrinker ist die Bar der Platz der Wahl, am best dort, wo die Bartenderin die Feinarbeit macht, also z.B. Obst zuschneiden. Alles andere ist eine Stil- und Geschmacksfrage, es gibt weder eine über- noch eine unterdesignte Bar. Aber stimmig sollte das Konzept schon sein. Es ist selbstverständlich, dass die Flaschen übersichtlich sortiert sind und der Gast leicht seine Lieblingsspirituosen erkennen kann.

3. Die Getränkekarte
Die Qualität der Barmenüs hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Sie sind die Visitenkarten für eine gute Bar. Ein Barmenü lädt dazu ein, sich mit dem spezifischen Angebot zu beschäftigen, einen generellen Eindruck vom Schwerpunkt der Bar zu bekommen und Lust aufs Trinken zu machen. Natürlich soll die Karte nicht mehr versprechen, als was sie halten kann.

4. Das Angebot an Cocktails
Viel ist nicht unbedingt mehr – es geht nicht um die schiere Anzahl, sondern um die Vielfältigkeit der Drinks. Klassiker gehören dazu, also z.B. Martinis, Daiquiris, Sours, Margaritas, Manhattan, etc.. Eine gute Bar ist stolz auf ihre Eigenkreationen und kennzeichnet diese entsprechend. Das Angebot an alkoholfreien Cocktails sollte vielfältig sein und es sollte auch Cocktails mit wenig Alkohol geben.

5. Die Spirituosen
Von jeder Spirituosengattung sollte es eine gute Auswahl geben, die aber von der Vielfalt der jeweils verfügbaren Brands und von der Spezialisierung der Bar abhängt. Also: jeweils mindestens 4-5 Gins, Vodkas, Bourbons, Malts, Rums. Die Auswahl sagt etwas über die Warenkenntnisse des Barchefs – nur Gordon’s Dry Gin, Absolut Vodka, Bacardi und Jim Beam zeugen von einem eher beschränkten Horizont. Jede gute Bar hat ein paar „Schätze“, die man an anderen Plätzen selten findet, also zum Beispiel eine seltene Rumsorte. Bei Standarddrinks fragt der Keeper einer guten Bar, welche Spirituose der Gast wünscht, also z.B.: „Mit welchem Gin hätten Sie den gerne den Martini?“

6. Die Zutaten
Gute Bars machen ihre Säfte selbst und habe ein hochwertiges Sortiment an Bitters (z.B. Peychaud, oder The Bitter Truth). Zu üppige Garnierung kann zwar schön aussehen, aber auch die Qualität verkleistern. Bei manchen Drinks, z.B. dem Martini, fragt der Keeper den Gast nach der Art der gewünschten Garnitur – oder serviert die Drinks pur, ohne Verzierung.

7. Die Gläser und das andere Zubehör
Fast selbstverständlich, dass die Glasauswahl etwas über den Standard der Bar aussagt. Jeder Drink hat eine typische Glasform, in der sich sein Geschmack am besten entwickelt. Gläser werden vorgekühlt (außer, wenn der Drink später auf Eis serviert wird), entweder im Freezer, oder während der Zubereitung mit einigen Eiswürfeln, die dann verworfen werden. Der Mixer hat eine Vielzahl von Shakern und Rührgläsern, bevorzugt aber für viele Drinks den zweiteiligen Boston-Shaker mit Glasaufsatz.

8. Die  Auswahl an anderen Getränken
Gute Bars verpflichten die Gäste nicht dazu, Coacktails oder harte Sprituosen zu trinken. Eine Auswahl and guten Bieren und vor allem an guten offenen Weinen ist das i-Tüpfelchen. Leider ist die Weinkarte in deutschen Bars sehr häufig unterbelichtet. Hier gibt es viel Entwicklungsarbeit, wie Helmut Adam in der letzten Prinausgabe von Mixology dankenswerterweise geschrieben hat.

9. Das Personal
Jeder Barkeeper ist ein Individuum. Wohl fühle ich mich, wenn ich mit dem Personal plauschen kann, aber auch die Wahl des Schweigens habe. Wie in jedem guten Gastronomiebetrieb ist es letztendlich der zurückhaltende, aber aufmerksame Service, der die Qualität der Bar ausmacht.

10. Ein Test: Der Martini
Ein einfacher Qualitätstest für die Bar ist der Martini. Hier kann der Bartender seine Kunst, aber auch die Bereitschaft zur Dienstleistung zeigen. Er fragt, ob man den Martini dry oder nicht so dry haben möchte. Er fragt nach der Wahl der Spirituose und nach der gewünschten Garnitur (Olive, Zitrone, Gurke, etc.). Er kühlt das Glas vor und serviert einen perfekten, eiskalten, nicht verwässerten Drink. Wohl bekomms.

 Foto: jeffdoe auf Flickr

Sitzen zwei Drinksblogger am Tresen. Sagt der eine: „Wie macht die Arbeit?“ Sagt der andere: „Hart. Ich musste gestern abend dienstlich trinken.“

Am Freitag Abend waren der Mixology Blog und drymartini gemeinsam unterwegs. Kurz zusammengefasst: es war ein kurzweiliger Abend, an dem vielleicht der Grundstein für schöne gemeinsame Projekte gelegt wurde. Wir starteten in der Bar, die unter vielen Kennern als die beste Berlins gehandelt wird: Die Victoria Bar. Hier ist einfach alles perfekt: die Drinks, die Gäste, der Service, die Atmosphäre, das Design. Manchmal ist es mir etwas zu perfekt, aber ich bin gerne hier. Der Chefbartender, Gonçalo de Sousa Monteiro, ist, wenn es denn eine Expertenwahl gäbe, einer der Gurus der deutschen Barszene – der Schumann des angehenden 21. Jahrhunderts?

Mir gefiel am besten der Sazerac, ein Cocktail mit Bourbon, Peychaud-Bitter und Absinth. Der Ursprung dieses Cocktails liegt im Jahr 1830. Ich fand hierzu folgende Notiz:

Der erste Cocktail der Welt , der Sazerac-Cocktail, war übrigens ein Absinth-Cocktail. Der Franzose Antoine Peychaud (Erfinder des Sazerac) experimentierte in New Orleans mit verschiedenen Mixgetränken und servierte Erfindungen in Eierbechern. Da die Amerikaner aber das französische Wort für Eierbecher, „coquetier“, nicht richtig aussprechen konnten, wurden die Drinks von Peychaud bald Cocktails genannt.
 (aus: absinthhandel.de)

Dann zogen wir um, ca. 500 Meter Luftlinie, ins Lebensstern. Das Lebensstern hat vor kurzem an einem Ort eröffnet, der jedem Berliner Connaisseur ein Tempel der Leidenschaft ist: Das Cafe Einstein. Lange vor der Zeit hat sich in den siebziger Jahren in einer Gründerzeitville in der Kurfürstenstraße dieses typische Wiener Cafehaus etabliert – schon lange eine Urberliner Institution.

Jetzt also das Lebensstern. Elegant, aber nicht elitär. Gemütlich, aber nicht heimelig. Ein Bartender (Thomas Pflanz), der gerne und angenehm mit dem Gästen plauscht, die größte Auswahl an Gins, die ich je in einer Bar gesehen habe (und mindestens ebenso viele Vodkas), und tolle Cocktails. Den Lebensstern möchte ich kennenlernen  – es gibt eine gute Chance, dass dies  meine neue Lieblingsbar in Berlin wird – und es wird bald einen ausführliches Posting zu dieser außergewöhnlichen Bar geben.

victoria bar
Potsdamer Straße 102
10785 Berlin
030 – 25759977

Lebensstern – Bar im Einstein
Kurfürstenstraße 58
10785 Berlin
Tel: 030 – 263 91 922

Fotos: travelling-mixologists (1), lebensstern (2)

Die Geschichte des Martinis ist eng mit dem Aufstieg und Fall der amerikanischen Moderne verbunden, sagt Max Rudin, ein Historiker, der sich durch eine spannende und anregende Aufarbeitung der Geschichte des Martinis verdient gemacht hat. Seine Gedanken kann man im Internet nachlesen: “THERE IS SOMETHING ABOUT A MARTINI” (American Heritage, July/August 1997 Volume 48, Issue 4) – und nachhören. Ein Interview mit Rudin ist in der Sylvestersendung von 1997 der Society of American Historians zu hören (leider nur im Real Media Format; ich bemühe mich um die Rechte und werde es dann weiterverarbeiten). Das ca. zwanzigminütige Interview ist so kurzweilig, dass es bei mir zu einem Standardbegleiter zu einem frühabendlichen Martini, vielleicht beim Kochen, werden wird (ein Hinweis – das Interview beginnt im Audioclip etwa nach sechs Minuten).

Der Martini ist der moderne Cocktail, sagt Rudin, und er ist uramerikanisch. Er wurde populär in der gleichen Zeit wie der Jazz, die ersten Anfänge neuer sexueller Freiheiten, der Wolkenkratzer und andere Elementen der Moderne. Er tauchte in den amerikanischen Barkarten in den achtziger Jahren des 19. Jh. auf., und wurde populär in den 1930ern. Der Ursprung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Viele kennen sicherlich die Geschichte des Goldgräbers, der seine Schulden in einer Bar im kalifornischen Martinez mit einem Nugget bezahlen wollte. Als der Keeper kein Wechselgeld zur Vergügung hatte, sagte der Miner: „Mach mir noch einen Drink,“ woraufhin der Bartender ihm ein Getränk mixte, dass er daraufhin „Martinez“ genannt haben wollte. Die Geschichte ist schön, sagt Rudin, aber eben nur eine von vielen. Der Aufstieg des Martinis wurde durch die Prohibition gefördert, da man mit harten Spirituosen mehr Gewinn als mit Bier und Wein machen konnte – und weil der Gin leichter zu fälschen war als Whiskey.

Während der Martini in seiner Frühzeit eher ein süßer Drink war, ist er in der Zeit immer trockener geworden. Dies hat dazu geführt, dass er immer mehr als typischer Männerdrink verstanden wurde, ein Stigma, das sich in der heutigen postmodernen Zeit glücklicherweise immer mehr verliert. Während der Autor 1997 noch den Niedergang des Dry Martinis in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts beschreibt, kann man heute sagen: der Martini hat sich seinen Platz an der Spitze des Barmenüs wieder zurück erobert. Da gehört er hin!

Foto: Icka auf Flickr

Mike aus der Triobar schreibt:

schon lange wurde darueber gemunkelt, das demnächst eine Neuauflage des Old Tom Gins zu erwarten wäre… Nun steht er hier vor mir:

Die Interpretation des Old Tom Gins aus dem Hause Haromex Gin im Old Tom Style mit 40%, natürlich noch ohne offizielles Label und Bottling.

Das was die Herrschaften von Haromex dort kreiert haben, ist zwar nicht ein typischer Old Tom Gin, aber er hat durchaus viele charakterliche Gemeinsamkeiten und er ist keineswegs ein Gin-Likör.

Tastingnotes:

Klarer schöner kräftiger Wacholder,
leichte Fruchtnoten sehr dezent,
klare Schärfe und im Abgang lang anhaltend süß.

Ich finde es ist ein sehr schöner Gin, der eine klare Old Tom Gin-Charakteristik mit sich führt.

Er duerfte sich sehr gut in einen Martini einpassen, bei einem Martinez bin ich mir noch ein wenig unsicher, aber im Gimlet vermute ich, laeuft er zu Höchstform auf – auch als Gin&Tonic kann er vermutlich brillieren.

Ich werde ihn heute Abend mal ausgiebig auf Herz und Nieren pruefen in meiner Bar. Also wer Lust hat und in Berlin ist, der komme einfach mal vorbei…

Für alle den Old Tom Gin nicht so viel sagt, ein wenig was zum Lesen:

http://www.mixology.eu/blog/drinksblog/old-tom-gin-kehrt-zuruck
http://groups.msn.com/DrinkBoy/spirits.msnw?action=get_message&mview=0&ID_Message=15919&LastModified=4675627192879264596
http://bitters-blog.blogspot.com/2007/06/old-tom-mike.html
http://bitters-blog.blogspot.com/2007/03/martinez-cocktail.html
http://www.haromex.com

Triobar – Cocktailbar
Eisenacher Str. 10
10777 Berlin

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, meine eigenen Webseitenstatistiken zu lesen. Ja, der drymartini Blog hat tatsächlich letzte Woche zum ersten Mal die 200er Besuchermarke geknackt. Und das im zarten Alter von zwei Monaten. Der Vater kann stolz auf sein Kind sein. So, das musste mal gesagt werden.

Noch spannender als die puren Zahlen ist allerdings die Auflistung der Suchbegriffe, mit denen Menschen zu drymartini.de finden. Spitzenreiter sind Suchbegriffe wie etwa „Alte Schule Fürstenhagen“ oder „Cicchetti“. Doch dann gibt es manchmal Menschen, die z.B. nach der Deutschen Schule in Bandung suchen, oder nach einer Gründerzeittür (zumindest bei Google kann ich keinen Hinweis darauf finden, wie diese Begriffe zu meinem Blog geführt haben).

Aber heute gab es den absoluten Hit. Ein Besucher (oder war es doch eine Besucherin, ich tippe auf letzteres) wollte wissen „macht martini dry dick“ – und tatsächlich, drymartini.de erscheint an dritter Stelle in Google. Ich befürchte, die Besucherin hat bei mir keine eindeutige Antwort auf ihre Frage gefunden. Daher hole ich das jetzt nach. Natürlich wird man in Amerika fündig. Eine kurze Recherche führte aber zu keinem eindeutigen Ergebnis. Hier die Einzelwertungen (einschließlich der Olive):

210 kcal bei dietbites.com (mit Vodka, mit Olive)

Stephanie14 schreibt im Caloriecount-Forum:

i just got back to univeristy, so far i’ve been doing super well with exercising everyday and eating my maintenance calories only (i’m at maintenance so it’s okay!) but tonight we are having a few drinks at my apartment (i’m going to do vodka and diet coke) that’ll add up to 130 calories, but then we are going to this bar for MARTINI MONDAY! I’m only going to have 1 martini (maybe), but i can’t find the nutrtionals on martinis… one website said 800 and another said 160… does anybody know the nutritional details on martinis?? or a type of low cal martini i could order?? thanks!

Für low cal martini Rezepte bin ich überaus dankbar! (Brrr… warum muss man auch immer seine Stereotypen bestätigt sehen?)

Drinksmixer will in einem Dirty Martini (also mit Olivenwasser) 240 kcal ausgemacht haben.

Die virtuelle FuBar gibt eine Olive sowie Zitronenzeste rein, kommt aber nur auf schlanke 115 kcal.

Das hift alles nicht weiter. Also ist genauere Produktrecherche notwendig. Im Einzelnen war es nicht einfach, da sich alle Quellen auf unterschiedliche Maße und Konzentrationen beziehen - fl.oz., ml, g, 40%, 45% oder 47%. Meine eigenen drei Flaschen (Bombay Sapphire, Hendrick’s und Blue Gin) geben überhaupt keine Auskunft. Und dann der Wermut! Für mich enthält ein guter Dry Martini gar keinen Wermut, da er dekantiert wird (oder, wie mal jemand gesagt hat – der Dry Martini atmet nur den Duft des Wermuts ein). Also vernachlässigen (hat sowieso nur 99 kcal auf 100g)? Und die Olive? Hier kam meine Briefwaage zum Einsatz. Nach Konsultation verschiedener Webseiten komme ich zu folgendem, ungefähren Ergebnis:

40ml Gin (47%) haben 90 kcal,
5ml Vermouth hat 5 kcal
1 dicke grüne spanische Olive von Carbonell (10g): 15 kcal

Macht zusammen: 110 kcal pro Dry Martini (die FuBar hatte also Recht). D.h. acht Martinis haben so viele Kalorien wie eine Pizza! Ergo – Dry Martini macht nicht dick, denn wer bitte hat schon einmal an einem Abend acht Dry Martinis getrunken? Bitte melden, derjenige bekommt von mir einen Gutschein für eine Entziehungskur geschenkt. 

Schließlich – es gibt tatsächlich schon eine Diskussion zum Thema „Macht Dry Martini dick?“ Es gibt einfach alles im Internet (auch wenn die Angabe über den Kaloriengehalt von Oliven in dieser Diskussionsrunde offensichtlich von der Ginindustrie gesponsort wurde).

Wohl bekomm’s.

Fotos (Flickr): Wickenden (1), rick (2), ZenOptic (3)

Am  Mittwoch hatte die Liebste Geburtstag und ich habe seit langem mal wieder zum Shaker gegriffen. Für ungefähr 15 Gäste habe ich 6 Stunden lang gemixt. Es war ein voller Erfolg – ein Gast hat es fast geschafft, die ganze Karte durchzutrinken. Keiner Gäste hatte einen Hangover (nur ich). Hier ist meine Barkarte:

Bar Menu
18. Juli 2007

  
Major Strasser: What is your nationality?
Richard Blaine: I’m a drunkard.

martini
gin; dry vermouth. stirred, not shaken. keeper’s favourite, but take care. ask for your personal martini.

vodkatini
vodka; dry vermouth. you don’t like juniper berries?

dirty martini
gin oder vodka; dry vermouth; olivenwasser. just dirty.

gimlet
gin; rose’s lime juice; limonensaft. first stage to heaven.

heavenly gimlet
gin; holunderblütensirup; limonensaft; soda. final stage to heaven.

natural daiquiri
brauner oder weißer rum; limonensaft; brauner zucker; soda; zimt. no bacardi feeling – pure caribbean.

margarita
tequila; cointreau; limonensaft; salz. classical sour.
um 19 uhr: frozen erdbeer margarita

watermelon man
vodka; wassermelonenlikör; grenadine; limonensaft; o-saft. call me mr. watermelon man.

planters punch
brauner rum; o-saft; ananassaft; zitronensaft; grenadine. perfect tropical feeling.

dark & stormy
rum, ginger beer; ginger ale; soda; minze; limette; ingwer. enjoy a spicy refreshment.

manhattan
bourbon whiskey, vermouth rosso, orangen bitter. late hours with the bartender.

gin tonic
gin; fever tree tonic water. not just a gin tonic.

venezia spritz
aperol; prosecco; soda. to a long, hot summer.

bloody mary
vodka; tomatensaft; tabasco; worcestersauce. do you have a hangover?

virgin mary (alkoholfrei)
tomatensaft; tabasco; worcestersauce. just in case.

minze on the rocks (alkoholfrei)
grüner tee; pfefferminztee; aprikosennektar; soda; minze. fresh mint. hot summer.

dark & windy (alkoholfrei)
ginger beer; ginger ale; soda; minze; limette; ingwer. fresh and spicy – for ginger lovers.

Am besten gingen: Erdbeer Margarita (natürlich, aber ich mochte ihn nicht), Dark & Stormy (Dank an Mike), die Gimlets und der Daiquiri. Mein liebster Freund hat sich den ganzen Abend an meinem Planters Punch festgehalten. Watermelon Man ging auch, aber den fand ich selbst gruselig. Zwei oder drei Gäste haben sich aber auch an die Martinis gewagt, sozusagen als Urerfahrung – hier war viel Beratung notwendig. Die alkoholfreien Drinks wurden auch gerne genommen (außer der Virgin Mary, die neben dem Vodkatini und dem Dirty Martini der einzige Drink war, der überhaupt nicht geordert wurde). Ich brauchte 10kg Eiswürfel und 10kg Crushed Eis von Eisvogel in den praktischen Styroporbehältern.

Bar Consultant: Mike aus der Triobar
Foto:  www.ideofact.com

Vor einer Weile schrieb ich über G-Vine, eine neue Ginsorte aus Frankreich. Ich beklagte mich damals über die mangelnde Eignung dieser Spirituose für den Dry Martini. Inzwischen habe ich aber erfahren dürfen, dass man aus dem G-Vine mit kundiger Hand sehr nette Drinks machen kann. Mike aus der Triobar macht hieraus einen wunderbar harmonischen Gimlet, indem er Limonensaft und Holunderblütenlikör zugibt. Lecker! Man kann diesen Drink auch hervorragend mit Vodka und Holunderblütensirup variieren (gibt es im Reformhaus, z.B. von der Firma Eden).

Die Triobar in der Eisenacher Straße 10 in Berlin sollte ich eigentlich schon längst besprochen haben. Die Bar wird im August umziehen, und dazu wird es einen Review geben. Wer noch einmal die kleine Bar in Schöneberg besuchen möchte, sollte sich sputen. Mike ist ein wandelndes enzyklopädisches Lexikon in Bezug auf Drinks und Spirituosen und hat im Laufe der Jahre Schätze gesammelt, die man so in keiner anderen Bar findet.

Triobar – Cocktailbar
Eisenacher Str. 10
10777 Berlin
Öffnungszeiten:
Do.-So. ab 19:30 Uhr
Reservierung erwünscht
Tel: 0163- 207 5677

Foto: Triobar

Ich bin so sehr im Englischen verhaftet, dass es mir schon zweimal passiert ist, dass ich ein Posting in Englisch beginne. Das letzte Mal habe ich noch brav übersetzt, jetzt einmal zur Abwechslung drymartini im englischen O-Ton:

I am starting a new series of Martini Art, dedicated to good photography that shows the essence of a Dry Martini. Maybe this will turn into a competition later on.

Today, I start with the photo stream of Ken30684, a Flickr User. The only thing we can learn about him from his profile is „I’m Male and Taken.“ Ken30684 has a small set that is called Ode To the Martini. On the search for an Avatar to be used for this and other blogs, I found thousands of results for martini and glass. I liked Ken’s photos instantly, they have a certain ease that fits well to my favourite drink. Kind as he is, he gives away all user rights if one attributes to him.

Die Präsentation der Fotos von Ken30684 ist die erste in einer neuen Reihe, die ich Martini Art nenne. Mehr wird folgen. Bitte schauen Sie sich die gesamte Reihe an: Ode To the Martini. Hier ein paar Beispiele seiner Kunst:

One is not enough, too is too many

The Metronome Martini

Is Gibson A Martini?

Wie in allen Handwerksberufen gibt es im Prinzip drei Arten von Barmixern: die Angelernten, die einen Gin Tonic oder eine Cuba Libre zusammengießen und eine miserable Caipirinha zubereiten können. Dann die Handwerker, die ihren Beruf erlernt haben, Kenntnis von Zutaten und Grundrezepten habe, und eine breite Palette von Cocktails zubereiten können. Und schließlich gibt es diejenigen, die sich vom Handwerker zum Magier entwickelt haben.  Wenn du das Glück hast, einen solchen Zauberer zu treffen, möchtest du, dass der Abend kein Ende nimmt.

Stanislav Vadrna ist ein solcher Magier. Ich traf ihn im Paparazzi in Bratislava, eines der verschiedenen Restaurants der Red Monkey Group. Wir waren verabredet und ich war von Helmut Adam, der den Mixology-Blog betreibt, vorgewarnt.  Aber ich war nicht vorbereitet darauf, was mich erwartete.

Zuerst die Facts: Stan ist 31 Jahre alt und hat sich irgendwann zwischen seinen beiden Leidenschaften entscheiden müssen: Fotografie und Drinks. Wenn seine Fotografien nur halb so gut wie seine Drinks sind, empfehle ich ihn für jeden globalen Fotowettbewerb. Kein Wunder also auch, dass sein Barmenü fürs Paparazzi 2006 den ersten Preis der Annual American Cocktail Awards gewonnen hat – ein wunderbar designtes Buch, mit dem man sich stundenlang beschäftigen kann. Die Juroren schrieben: „It was your obvious dedication to the cocktail, and the passion for this art, which was obvious in your menu … It was the type of menu that made us think ‘we need to visit this bar.’“

Stan ist nach seinen Lehrjahren in London, Ibiza und Tokio zurückgekehrt. Von seiner letzten Station hat er die Liebe zum Detail mitgebracht.

Ich begab mich in seine Hände.

Wir starteten mit einer Martini-Variante, die aus Hendrick’s Gin, Carpano Antica Formula (einem an Portwein erinnernden roten Wermut), Peychaud’s Bitter (aus New Orleans), Öl aus der Zitronenschale sowie als Garnitur einem Gurkenstern bestand. Ein starker Start in einen guten Abend. Es sollte noch besser werden.

Nachdem ich mich mit ein paar Crostini gestärkt hatte, ging es weiter mit einem Natural Daiquiri. Nun trinke ich normalerweise alle 2-3 Jahre mal einen Daiquiri und kenne eigentlich nur die landläufige Variante mit weißem Rum, Zitrone, oder anderen Früchten, z.B. Brombeere. Das hier war etwas völlig anderes. Die Basis: Sailor Jerry Rum (von einer amerikanischen Karibikinsel: Rum, mit Gewürzen aromatisiert), Limonensaft (bei Stan gibt es nur frische Säfte), Sirup, Mineralwasser sowie eine Zimtstange als Garnitur. Wow! Fast schon ein Weihnachtsgetränk, und doch nicht zu schwer, betört dieser Drink durch die Gewürze.

Und schließlich: The Grande Finale. Wie lange habe ich schon keinen Old Fashioned mehr getrunken, obwohl ich ihn geliebt habe. Aber das war wieder etwas, was man nicht so einfach auf der Barkarte findet: Woodford Reserve, einer meiner Lieblingsbourbons („makes other Bourbons feel underdressed“), lange und in kleinen Portionen, mit einem braunen Zuckerwürfel und Angostura Bitter verrührt, und dann mit einem Schaum getoppt, der aus Ahornsirup, Zitronenschale, und noch einer anderen Zutat bestand, an die ich mich auf Grund meines vorgerückten alkoholisierten Zustands leider nicht mehr so genau erinnere. Muss irgendetwas milchiges gewesen sein, hat jedenfalls grandios geschmeckt, wenn ich sonst auch nicht so auf Süßkram im Glas stehe.

Vielleicht haben Sie Glück und Sie treffen auf Stan, der viel reist, und auch noch andere Bars in Bratislava beaufsichtigt. Nehmen Sie sich Zeit.

Foto: Tails of the Cocktail

Siehe auch: http://www.stanislavvadrna.com/

Ich mag ja eigentlich keinen Irish Whiskey, aber Jameson Irish Whiskey sponsort eine coole Webseite: World’s Best Bars. Besonders gefreut hat mich, dass die Victoria Bar (meine zweitliebste in Berlin) gerade als „Bar of the Month“ rezensiert wird. Die Seite hätte ich eher mal kennen sollen – ab jetzt gibt es keine verzweifelte Suche nach einer guten Bar mehr, wenn ich wieder in einer neuen Stadt ankomme.

Auch findet sich ein Hinweis auf die grandiose Jazzbar Archiduc in Brüssel, die wiederum eine meiner liebsten Bars in der Welt ist und die ich anlässlich meines nächsten bevorstehenden Besuchs rezensieren werde. Art Deco pur, und hervorragende Dry Martinis. Probieren Sie eine Martini mit Citadelle, einem französischen Premium Gin.

Victoria Bar
Potsdamer Str.102
Berlin, 10785
Telephone: 0049 30 2300 4956
Hours:6pm – 3 am daily

Archiduc
6 rue Antoine-Dansaert
Brussels,
Telephone: 00 32 2 512 06 52

Es ist ziemlich spannend, was sich momentan im Ginfach abspielt. Der simple Trinker kannte noch vor zwei, drei Jahren nur Gordon’s, vielleicht Tanqueray, dann auch Bombay Sapphire und schließlich die Billigdrinks, die man höchstens in der Neuköllner Eckkneipe anfasste. Plötzlich tauchen unterschiedlichste Marken auf; von vielen ist hier schon berichtet worden. Dabei geht die Entwicklung in zwei unterschiedliche Richtungen: Gin, der eigentlich kein Gin ist, z.B. G-Vine (um neue Kundengruppen anzulocken), und dann andere Gins, die sich der Uridee des Gins verschrieben haben und die Wacholderbeere nicht verleugnen.

Ich gebe es zu: ich bin mehr als begeistert von dem östereichischem Blue Gin, destilliert von Hans Reisetbauer, genauer gesagt: ich bin euphorisch. Sorry, Vodkatrinker, not meant for you. Noch nie habe ich einen Gin getrunken, der sich so klar zu seinen Wurzeln, der Genévrier, bekennt. Dieser Gin eckt an, kratzt, und ist doch so fantastisch ausgewogen – und hat große Chancen, meinen besten Freund, Bombay Sapphire, zu beerben. Im Gin Tonic bietet er solche intensiven Geschmackserlebnisse, dass man an andere Brands nicht mehr interessiert ist. Diese Qualität hat ihren Preis, so kommt der Blue Gin auf ca. € 30 für 0,7l.

...viel Wacholder in der Nase mit Anklängen von Lemonen und Orangen. „27 Gewürze aus 14 Ländern sind drin“, sagt Reisetbauer, „an der richtigen Mischung haben wir ein Jahr gearbeitet.“  (von http://www.wasistlos.at/wasistlos/436006?PHPSESSID=)

Danke, Hans Reisetbauer.

Foto: Winetimes

Am Samstag hat mich die Liebste bekocht. Es gab Ziegenkäse im Filoteig mit Quittenkonfit, Kaninchenfilet im Karottenmantel mit Selleriepüree und Kumquat-Chili-Sauce, Tunfisch im Spinatmantel mit Rote-Beete-Vinaigrette (alle Rezepte aus einem alten Modern Living Heft) sowie ein Schokoladen Crème brûlée von Mario Kotaska (aus der letzten Sendung von Kerner’s Köche). Dazu probierten wir die folgenden Sommerweine:

2006 Chardonnay von Dr. Steiner, Pfalz: Sage jemand, die Klimakatastrophe hätte nicht etwas Gutes. In Deutschland gibt es mehr und mehr akzeptable Weine von Reben, die man zuvor nur in südlichen Gefilden verortet hätte. Der Chardonnay von Dr. Steiner hat hat ein leichtes mineralisches Aroma, wenig Säure und bietet für den Preis von € 5-6 Euro (beim Erzeuger, oder bei Galleria Kaufhof) ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Leider passte er überhaupt nicht zum Kaninchen; da er so federleicht ist, ging er etwas im Geschmack der Kumquat-Chili-Sauce baden.

2006 Mulderbosch Sauvignon Blanc, Stellenbosch. Ein typischer Vertreter südafrikanischer Sauvignon Blancs mit zurückhaltenden Tropenfrüchten (Banane? Guave? Stachelbeere?). Nichts sticht hervor, der Wein ist ausgewogen und leicht trinkbar mit guter Säure, angesichts des stolzen Preises (€ 15 bei Galleria Kaufhof) enttäuscht er aber doch ein wenig. Allerdings hat er zu dem Tunfisch hervorragend gepasst.

Eine große Überraschung war der Savanna Dry Premium Cider aus Südafrika (0,33l bei Galleria Kaufhof für € 1,99 oder im Internet auf http://www.savannadry.de/). Trocken, leicht bitter mit einem Geschmack nach Birne oder Quitte. Hervorragend zu dem fritierten Ziegenkäse mit Quittenkonfit.

Leider gibt es die Rezepte nicht im Internet, daher das Highlight hier zum Nachkochen:

Kaninchen in Möhrennudeln mit Selleriepüree

4 Kaninchenrückenfilets
Salz, Pfeffer
2 sehr große Möhren
1 EL Öl, 1 EL Butter
600g Knollensellerie
1/2 Zitrone
Zucker
80ml Sahne
100g Crème fraiche
10 Kumquats
1 Knoblauchzehe
1 rote Chilischote
150ml Reisessig
150g Zucker

Filets mit Salz und Pfeffer würzen. Möhren schälen und mit einem Gemüseschneider in „Möhrenspaghetti“ schneiden. Diese stramm um das Fleisch wickeln und erst kurz vor dem Servieren bei mittlerer Temperatur in Öl und Butter 4min rundherum braten. Für das Püree Sellerie putzen, schälen und in Stücke schneiden. In wenig Wasser mit Salz, Zucker und etwas Zitronensaft weich kochen. Abgießen, abtrocknen. Die Sahne und Crème fraiche aufkochen und drin die Sellerie pürieren. Mit Salz und Zucker abschmecken. Für die Sauce die Kumquats in Scheiben schneiden. Knoblauchzehe abziehen und fein würfeln. Chilischote in dünne Scheiben schneiden. Alles mit dem Essig und dem Zucker 30min einkochen lassen, bis es leicht sämig ist. Die gebratenen Kaninchenfilets mit dem Selleriepüreee und der Kumquatsauce servieren.

Foto: Mulderbosch (1), http://www.savannadry.de/ (2)

Wie man in diesem Blog und in jeder gut sortierten Bar leicht entdecken kann, erlebt der Gin momentan eine Renaissance (wenn er denn je außerhalb des Britischen Empires wirklich mehr als Nischengetränk war). Jeden Monat kommt eine neue Ginsorte auf den deutschen Markt, so dass man als Amateurtrinker mit dem Verkosten gar nicht hinterher kommt.

Was macht man mit Gin? Blöde Frage, trinken natürlich. Nur wie, das ist die Frage. Für mich gilt es diese Reihenfolge: Dry Martini (abends,in der Bar), Gin Tonic (nachmittags, auf der Terasse, in tropischen Ländern), Gimlet (einmal im Jahr, als Alternative). Alles andere interessiert mich wenig. Selten betrachtet man die Frage der Wahl des Getränks in Bezug auf das Tonic Water. Hier galt im allgemeinen das weltweite Monopol von Schweppes. So muss ein Tonic schmecken, dachte ich, nichts ahnend. Bis ich in einer internationalen Gourmetzeitschrift den Hinweis auf alternative Tonicsorten fand.

Besonders interessiert hat mich dabei Fever Tree aus London. Der Name verweist auf den Ursprung der Bitter-Getränke: der Baum der China-Rinde, im Englischen auch Fieberbaum genannt. Auf der Webseite von Fever Tree findet man folgende nette historische Belehrung:

Legend has it that the bark of the fever-tree was first used by the Spanish in the early 1630s when it was given to the Countess of Chinchon, who had contracted malaria (known colloquially as the ‘fever’) whilst living in Peru. The Countess recovered and the healing properties of the tree were discovered.

Despite this success its reputation was slow to catch on, it was imported to Europe under the name ‘Jesuits Powder’ which proved a very poor selling strategy in Protestant England. Even when Charles II in 1679 was cured of the ‘fever’ its popularity was not assured as its use remained the secret of his physician (Robert Talbor).

However, the healing power of this remarkable tree only became world renowned in the 1820’s when officers of the Indian Army, in an attempt to ward off malaria, mixed quinine (the extract from the bark of the fever-tree) with sugar and water, creating the first Indian Tonic Water.

It was made more palatable when they added a little expedient of gin to the mixture. The original gin and tonic was thus born, and soon became the archetypal drink of the British Empire, the origins of which were firmly planted in the ‘fever-tree’.

Fever Tree Tonic Water hat mich spontan überzeugt mit seinem subtilen bitteren Aroma (bitterness) bei reduzierter Süße - ein idealer Begleiter für meinen guten Freund Bombay Sapphire, dazu eine viertel Limone und viel Eis. Das Tonic (und die anderen klassischen Chinin-Getränke wie Bitter Lemon sowie Ginger Ale) ist erhältlich bei The English Shop in Köln; 4 Flaschen á 200ml kosten € 5,85 plus Versand. The English Shop hat einen sehr guten, persönlichen Service – das Paket erreichte mich 24h nach Bestellung.

Foto: http://www.thedrinkshop.com

Freitagabend. Eigentlich wollte ich zum Jazz ins Bebop in der Kreuzberger Willibald-Alexis-Straße. Leider ist der Club offensichtlich irgendwann in den letzten Tagen abgebrannt; das Konzert fiel also ins Wasser. Da es gerade zu regnen anfing, flüchtete ich mich in die nahegelegene Haifischbar, in der ich seit Jahren nicht mehr war. Im Regal hinter dem Tresen fiel mein Blick sofort auf die Auswahl an Gins: Hendrick’s, Tanqueray, Tanqueray No. 10, sowie eine Marke, die ich bis dato nicht kannte: G-Vine des französichen Produzenten Eurovinegate. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass in der Community eine heftige Diskussion über diese Spirituose  entbrannt ist. Ich fand ihn spontan zu parfürmiert, zu weich, zu wenig kratzbürstig für einen Gin, kann mir aber vorstellen, das man nette Mixgetränke damit herstellen kann. Für einen Dry Martini wird G-Vine bestimmt nicht meine erste Wahl.

Interessant ist jedoch, dass der G-Vine gerade ein Gin-Tasting gewonnen hat, siehe den Eintrag auf meinem Lieblingsdrinkblog mixology. Hier findet man auch eine ausführliche Diskussion über die Marketingstrategie. G-Vine ist nämlich unter dem Motto: „Der Tod des Vodkas“ angetreten und versucht, gerade in den USA, Vodkatrinker zum Gin zu bekehren.

Witzig ist auf jeden Fall der Marketingspot, der auf YouTube veröffentlicht wurde:

Foto: Mixology

Aus Japan ein wunderbarer Video Clip von Angus Winchester darüber, wie man einen perfekten Dry Martini zubereitet:

Danke an  Mixology. Helmut Adam schreibt als Kommentar:

Interessant ist die Tatsache, dass der Vermouth, nachdem das (übrigens fantastische) Eis mit ihm aromatisiert wurde, in ein gefrostetes Shotglas abgeseiht wird. Mr. Hoshi serviert ihn zum eigentlichen Getränk als sogenannten „Chaser“ dazu.

Für diejenigen, die wie ich interessiert sind, welche geheimnisvolle Zutat am Anfang ins Mixglas kommt, um dann weggegossen zu werden – es ist stilles Wasser, das hilft, den Mixbecher herunterzukühlen. 

Leider weiß ich nicht, um welche Bar es sich handelt – aber das Rechercheteam ist schon unterwegs.

An der Campo San Luca in der Nähe von San Marco in Venedig gibt es die kleine Bar und Konditorei von Andrea Zanin, der einer der italienischen Meisterpattiseurs ist. Die Bar besticht durch ein cooles Design mit klaren Formen und vor allem die unglaubliche Qualität und Frische der kleinen und großen Sünden, die verlockend auf das Süßmaul warten. Petit Fours, Schokoladentörtchen, etc. alles mit Leichtigkeit und Frische gemacht und von einem netten Service serviert.

Ansonsten kann man an der Bar natürlich den typischen venetianischen Aperitif genießen: Spritz (ausgesprochen: s-p-rritze): Aperol, Prosecco und Mineralwasser, im Verhältnis 2:2:1, dazu eine Orangenscheibe sowie eine dicke grüne Olive. Aperol komt von „öffnen“ – also der Aperitif schlechthin.

Marius Müller-Westernhagen sang einst: „Jonny Walker, Du bist mein bester Freund.“ Lieber Marius – meinst Du das ernst? Wenn es unter Spiritousen einen besten Freund für mich gibt (eine Freundin?), ist es Bombay Sapphire. Natürlich gibt es bessere Gins für einen Martini, z.B. Hendrick’s. Die meisten Barkeeper lieben Tanqueray No. 10 – mir ist der zu scharf.

Für Gin Tonics ist Bombay Sapphire nicht zu schlagen. Angeblich stammt das Rezept von 1761 und besteht aus zehn verschiedenen Kräutern. Die Webseite von Bombay (very cool) beschreibt den Geschmack so:

In the front of the mouth, it is crisp, light and clean.
At the centre and rear of the mouth, the tastes are significantly more complex and multifaceted.

It is cool. distinct, smooth and delicate. It has subtlety and elegance.

The taste and the alcohol are in balance and the taste dominates the alcohol.

Bombay Sapphire, you are my best friend.

Foto: http://www.bombaysapphire.com/

Die Idee zu diesem Blog kam mir gestern abend in meiner Lieblingsbar, dem Würgeengel in Berlin-Kreuzberg, von der in diesem Blog noch zu reden sein wird. Während sich die Masse der Gäste an den wenigen Tischen auf dem schmalen Troittoir an der frühsommerlichen Wärme erfreute, fand ich mich dort wieder, wo der Drinking Man am liebsten sitzt: An der Bar nahe den Zapfhähnen und der Spüle, um so schnell ins Gespräch mit dem Keeper zu kommen. Mir war nach Martini, eiskalt und frisch. Zuerst machte ich einen Versuch mit einer Ginsorte, die ich bis dahin noch nicht kannte. Saffron aus der französischen Destillerie Gabriel Boudier (Dijon). ist der einzige Gin, der mir bisher untergekommen ist, der nicht glasklar ist, sondern eine seltsame, orange Farbe hat. Der Barkeeper klärte mich auf, dass diese Spirituose, wie es der Name sagte, Safran enthält. Ich wählte die folgende Martinivariante: nicht zu trocken, mit einer Zitronenzeste. Der Safrangeschmack ist auffällig, sonst ist er Gin im Mittelfeld zwischen mild und heftig. Eine interessante Variante, aber nichts zum Verweilen.

Da man auf einem Bein dann doch nicht gut steht, kehrte ich dann zu einem meiner Lieblingsgins zurück: Hendrick’s. Diesen ungewöhnlichen Gin habe ich vor einem Jahr entdeckt und seitdem mit Wohlwollen festgestellt, dass er immer mehr Einzug in gute Bars hält. Hendrick’s wird von der kleinen Destillerie William Grant & Sons in Schottland hergestellt, die zu Glenfiddich gehört. Neben den herkömmlichen Ginzutaten (Wacholder, Koriander, Zitronenschale) sind es vor allem zwei Zutaten, die Hendrick’s zu besonders machen: Rosenblätter und Gurke. Hendrick’s ist wunderbar weich und ausgewogen – nichts für einen Gin Tonic (den ich mit Bombay Saphire bevorzuge). Aber er ist ideal für einen trockenen Martini. Während ich noch überlegte, was ich als Dekoration für den Drink haben wollte (Olive oder Zitronenzeste), kam ein ungewöhnlicher Vorschlag vom Keeper: eine kleine Gurkenscheibe. Dies stellte sich als absoluter Winner heraus: die Gurke betonte noch die Frische und macht diesen Drink zu einem meiner favourite Sommerdrinks.

Dieser Blog wird den schönen Seiten des Lebens gewidmet: Drinks, Wein, Lebenstil. Erwarten Sie Restaurant- und Hotelkritiken aus aller Welt, Weinempfehlungen und vielleicht noch mehr.