Bars


Ja ich weiß es selbst – seit fast zwei Monaten habe ich keinen Blogpost mehr geschrieben. Mir fehlte einfach die Motivation und vor allem die Zeit. Zu viel Arbeit.

In den letzten zwei Wochen war ich auf beruflichem Trip durch Amerikas Osten. Ohio-Conneticut-Massachussetts-Washingto D.C.-Georgia. Fünf Hotels in 14 Tagen, drei Inlandsflüge, Mietwagen. Das Beste aber war die Fahrt im Amtrakzug von Boston nach Washington D.C., durch New York, Philadelphia and Baltimore. In die Fjordlandschaft Conneticuts habe ich mich spontan verliebt.

Kulinarisch gibt es nicht viel zu berichten, da ich meist mit schlechtem Konferenzessen versorgt war. Also in Kurzform die Dinge, die wirklich berichtenswert waren (eigentlich nur drei, neben dem Hummer, den ich in meinem kleinen Hotelrestaurant in Boston für $ 22 gegessen habe):

Restaurant Mio in Washington D.C.: Hier kocht zur Freude der Hauptstädter Stefano Frigerio, der ehmalige Chefkoch des Ritz-Carltons, der zwischendrin versucht hatte, sich in Baltimore selbständig zu machen, dann erfolgreich für diese Institution angeworben wurde. In schlichter, ungezwungener Atmosphäre stimmern Cocktails, Weine, das modern interpretierte italienische Essen und dann auch die Preise (der gegenwärtige Dollarkurs macht das Genießen sowiese noch süßer). Ich aß als Vorspeise kleine Tintenfische in einer scharfen Sauce und dann Wachtel auf Basilikumrisotto mt Steinpilzen.

Ich liebe ja seitdem ich in Oregon war die Pinot Noirs aus Amerikas Nordwesten.  Spannend fand ich daher den Roten von Wein by Joe, ein leicht zu drinkender Pinot Noir, der mit einem frechen Ettikett daher kommt.

Ein Ort, um gute Südstaateküche in Atlanta in lockerer Atmosphäre zu genießen, ist JCT Kitchen & Bar, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Die Austern sind superfrisch, das Fleisch genau auf den Punkt zubereitet und die Pommes waren mit die besten, die ich seit langem gegessen habe (auch hier gibt es übrigens Wein von Joe).

Mio
1110 Vermont Avenue, NW
Washington DC, 20005
Phone: 202-955-0075

JCT Kitchen & Bar
In Atlanta’s Westside Urban Market
1198 Howell Mill Road, Suite 18
Atlanta, GA 30318
Phone: (404) 355-2252 

Luboš aus Nitra hat es mit seinem Bartender-Blog vorgemacht, jetzt folgt Dominik MJ Schachtsiek, der im Vu’s in den Jumeirah-Towers in Dubai die Shaker bedient, mit einem neuen, sehr schön aufgemachten Blog: The Opinionated Alchemist. Welcome to the Club! 

Da las ich doch heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem ansonst hervorragenden Feuilletonartikel („Das Grauen vom Lande: Nicht die Provinz ist böse; es ist der Provinzialismus….Warum wir uns vor Kurt Beck fürchten müssen„), dass Berlin nicht die Metropole ist. Lieber Claudius Seidl, solche Klassifizierungen treffen tief ins Mark meiner Berliner Identität, und ich empfehle Ihnen einen Besuch in der neuen Bar Tausend am Schiffbauerdamm (wenn Sie der Türsteher denn reinlässt).

Gestern abend war ich da, mit den Herren Adam und Heuser von Mixology. Es war, wie zu erwarten, ein feuchter aber vor allem fröhlicher Abend, an dessen Anfang wir noch die angenehme Gesellschaft des Bartenders Mario Grünenfelder genießen konnen, der gerade zum Mixologen des Jahres 2007 gewählt wurde (odr?). Die Freude über Marios Anwesenheit wärte leider nicht lange, da die Bar ab ca. 23 Uhr wie eine Sardinendose gepackt war und er nur von Zeit zu Zeit mit frisch gefüllten Gläsern vorbeischauen konnte.

Die Bar Tausend hat alles was sie dazu prädestiniert, zur angesagten Hauptstadtlocation zu werden, von der man in New York oder São Paulo oder Tokyo redet (bye, bye, 90 Grad…). Gelegen im Epizentrum der Hauptstadt, findet man sie nur, wenn man weiß, wo man suchen soll. Kein Licht, kein Kneipenschild, keine Klingel an der Eisentür unter der Bahnlinie Paris-Moskau. Ein Türsteher, der aber zu früher Stunde Milde walten lässt (wie lange noch?). Klassisches 80er Jahre Clubdesign mit viel Metall und Glas. Super gute Livemusik. Publikum, dass sich gerne sieht und sich sehen lässt. Viel Champagner und Vodka (Green Mark). Also ein Luxus-Hedonisten-schöne Menschen-Schuppen – aber zum Glück auch für Normalos genießbar.

Die Aufgabe von Mario, in einem Laden, der gut und gerne 200 Menschen fasst, hohe Qualität bei den Drinks zu halten, ist eine hohe Herausforderung und ich hoffe, dass er nicht daran verzweifeln wird. Die Drinks sind momentan klasse, wie zu erwarten, ob der Manhattan, der hier mit Rittenhouse Rye und Carapano Antica Formula perfektioniert wird, oder der von uns allen geliebte Beuser & Angus Special (oder so ähnlich), ein Sour auf Chartreuse Grün Basis.

Zu erwähnen ansonsten noch die kleine Karte mit Häppchen (Austern, Dim Sum), die von dem grandiosen Küchenchef Gordon W. serviert werden. Gordon W. ist eine eindrucksvolle kanadische Erscheinung, mit bewegter Geschichte und eigenem Wikipediaeintrag und und alleine schon ein Besuch im Tausend wert. Ich sage es doch: Berlin ist die Metropole.

Vielleicht gibt es hier bald noch ein paar Fotos, solange bei http://www.philipp-m-wittulsky.de/ reinschauen.

Tausend 
Schiffbauerdamm 11
1000 Berlin-Mitte
Tel. 41 71 53 96
Öffnungszeiten: Mi.-Sbd. ab 20 Uhr

Berlin: Am 17. Oktober wurden auf dem erstmals veranstalteten Branchentreff der Barindustrie, dem Bar Convent Berlin, die Mixology Bar Awards 2007 verliehen. Mit diesen Awards zeichnet die Fachzeitschrift Mixology, Magazin für Barkultur, herausragende Leistungen des Bargewerbes aus. Verliehen wurden die Awards in insgesamt 6 Kategorien.

Den Auftakt machte ein „Award für besondere Leistungen“, der von der Jury – prominent besetzt mit Stefan Gabanyi (Schumanns Bar, München), Gregor Scholl (Rumtrader, Berlin), Markus Blattner (Widderbar, Zürich), Marco Pani (Bar Italia, Wien), Ingo Strobel (Motorberlin.com) und Gregor Scholz (Scholz Bar, Stuttgart) – einstimmig der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesprochen wurde, da sie sich im Rahmen des Klimaschutzes besonders um die Qualität des Eises verdient gemacht habe. „Das Eis ist schließlich des Barmanns Gold!“ so die Begründung von Jury-Vorsitz Gregor Scholl.

 

Das „Bardesign des Jahres 2007″, gestiftet von Bombay Sapphire, gewann die Bar des Berliner Q! Hotels für ihr von der bekannten Architekturschmiede Graft gestaltetes Interieur. Ein weiterer Award ging ebenfalls nach Berlin. In der Kategorie „Mixologe des Jahres 2007″ wurde der gebürtige Schweizer Mario Grünenfelder (Bar Tausend) für seine Kreativität ausgezeichnet. Mit Markus Heinze von der Dresdner Sonderbar zeichnete die Jury einen zweiten Bartender aus. Er gewann den Award „Newcomer des Jahres 2007″. Beide Awards wurden vom neuen Premium-Tequila Sierra Milenario präsentiert.

Der mit Spannung erwartete Award für die „Spirituose des Jahres 2007″, gestiftet vom Bardienstleister APS Barsupply, ging an den Kultlikör Green Chartreuse. „In Chartreuse kommt das Wesen der Destillation in seiner ganzen Tiefe zum Ausdruck. Dies ist mit ein Grund, warum dieses Traditionsprodukt auch die junge Generation von Bartendern von Neuem inspiriert. Es ist schlicht Transzendenz in Flaschen!“ begründete Stefan Gabanyi die einstimmige Entscheidung der Jury.

Standing Ovations bekam für die Verleihung des „Awards für das Lebenswerk“ schließlich der bekannte Bartender und Buchautor Franz Brandl. Dieser Award wurde von der russischen Vodkamarke Green Mark präsentiert.

Der Bar Convent Berlin war mit 1068 Besuchern an zwei Veranstaltungstagen in seinem ersten Jahr ein voller Erfolg. Jens Hasenbein, Herausgeber des veranstaltenden Mediums Mixology, freut sich aus diesem Anlass auch schon auf das nächste Jahr: „Unsere Leser und unsere Partner aus der Industrie, die durch ihren Enthusiasmus zur großartigen Stimmung des BCB beitrugen, haben offensichtlich schon seit mehreren Jahren auf eine solche Veranstaltung gewartet. Wir freuen uns, dass wir unserer Branche jetzt auch diese Plattform zur Verfügung stellen konnten. Wir werden den Termin für das Jahr 2008 demnächst bekannt geben und wollen uns im nächsten Jahr natürlich auch noch steigern.“

Foto: Birte Filmer, 103prozent

Jeder, dem ich erzählte, dass ich ins Milk&Honey in London gehen würde bekam glänzende Augen. „Eine tolle Bar,“ „perfekte Drinks“, etc. waren nur einige der Worte, die ich auf den Weg mit bekam. Also, nichts wie hin.

Ein Besuch im Milk&Honey ist eine logistische Aufgabe. Kommt man in das New Yorker Stammhaus nur als Mitglied rein (und man wird Mitglied nur auf Grund einer Empfehlung), so öffnet die Bar in London ihre Pforten auch für Normalsterbliche. Aber einfach hingehen funktioniert nicht – man muss, wenn man nicht Mitglied ist, sich voranmelden und hoffen, einen der begehrten Plätze zu ergattern. In meinem Fall waren mehrere Anläufe nötig. Da die Anmeldung durch einen Kenner der europäischen Barszene nicht fruchtete, probierte ich es selbst durch eine Email, und siehe da, Emma schrieb die wunderbaren Worte: „We will be seeing you on Thursday, then.“

Well done. Ich traf mich mit einem Londoner Bekannten, der es bis dato auch noch nicht auf die Gästeliste geschafft hatte. Kein Schild an der schwarzen Tür deutet auf die Bar hin – man muss wissen, wo man sie zu suchen hat. Im Vorraum, ein kleiner Tresen, an dem die Gästeliste abgehakt wird. Dann wird man ins Reich eingelassen.

Man muss dem Designer der im Jahre 2002 eröffneten Bar ein Kompliment machen – die Atmosphäre wirkt wie original dreißiger Jahre. Sehr gedämpftes Licht, spärliche Dekoration, gekachelte Decke, Resopaltische. Alles sehr stimmig. Die Cocktailkarte ist mit 35 Drinks übersichtlich, aber der Ober gibt gleich den Hinweis, dass man natürlich alles andere auch bestellen kann. Ich versuchte es mit einem Rye Sour, der tatsächlich absolut harmonisch und perfekt war. Wir probierten dann noch eine Reihe anderer Drinks, wovon mir der The Business (Gin, Honig, Limettensaft) zu süß geraten war. Die Barkarte wird durch eine gute Auswahl an Weinen und Tapas komplettiert.

Als Gast wird man im Mil&Honey ja üblicherweise um 23 Uhr herauskomplementiert, dann ist nur für Members geöffnet. Wir flohen schon viel früher, denn leider macht auch hier die Akkustik, in der Mischung von Musik und lauten Gesprächen eine Unterhaltung sehr schwierig.

Ich hatte ja noch eine zweite Adresse zu absolvieren. Als ich bei Lubos in Nitra war, hatte ich Eric Lorinc kennengelernt, der mich einludt, bei ihm in der Purple Bar im Sanderson Hotel vorbeizuschauen, auch in Soho und nur fünf Minuten Fußweg vom Milk&Honey entfernt. Das Sanderson Hotel ist ein witziges Designhotel, das vor allem Menschen aus der Multimediabranche anspricht. Ein ekklektischer Mix von Möbeln, verspielt bis zum Extrem. Hier gibt es zwei Bars: die Long Bar, die ihrem Namen gerecht wird und die jeden Abend eine Mischung von jungem und hippen urbanen Publikum anzieht. Dann gibt es aber auc noch die kleine, aber feine Purple Bar, die eigentlich nur für Hotelgäste und Members öffnet. Aber auch hier heißt es: Non-members are advised to make a guest list reservation.

Die Purple Bar ist, wenn man es so bezeichnen kann, ein vollkommener Gegensatz zum Milk&Honey. Wie der Name sagt, dominiert hier die Farbe Lila. Die Musik ist gedämpft, würde das moderne Design dem nicht widersprechen, würde ich sagen, dies ist eine alte englische Hotelbar, wo man sich zur gepflegter Konversation trifft. Der Vergleich hinkt aber, da die Purple Bar dem postmodernen urbanen Geschmack des angehenden 21. Jahrhunderts entspricht.

Der Chefbartender, Eric, ist zusammen mit Stan Vadrna auf Welttour gegangen und hat wie Stan den hohen Qualitätsanspruch mitgebracht. Das Barmenü fokussiert sich auf Martinis, wobei der Begriff Martini hier sehr weit gefasst ist – im Prinzip kann ja eben fast jeder Cocktail als Martini verkauft werden. Entsprechend dem Geschmack des gewünschten Klientels gibt es eine Riesenauswahl an Vodkas, aber auch die Bandbreite anderer Spirituosen, einschließlich meines geliebten Bourbon und Rye Whyskey, lässt sich sehen. Eric mixt mir zuerst einen Drink aus Grapefruitsaft, Limettensaft, Gin, und noch ein bis zwei anderen Zutaten (Apricot Brandy? Bitters?), der gut geraten war. Dann, zum Abschlus, noch einen Old Ripp Van Rinkle Bourbon 10ys, der duch seinen leicht torfigen Geschmack überzeugt – fast schon ein Malt. Überhaupt, auch hier, wie im Milk&Honey überzeugt die Qualität aller Drinks. Mit Stan, Lubos und Eric hat das kleine Land Slowakei der Welt jetzt schon drei große Talente hinter dem Tresen geschenkt.

Um 24h30, zurück in meinem Stadtteil near Earl’s Court war ich dann doch überrascht, dass man nicht überall in London um diese Zeit noch ein Absackerbier bekommt.

Milk and Honey
Poland Street Soho
London, W1F
Tel. +44 (0) 7000 655 469

Purple Bar
im SANDERSON HOTEL
50 Berners Street
London
Tel. +44 (0) 20 7300 1496
6pm-3am Monday through Saturday
6pm-12am Sunday
Members and Residents only.
Non-members are advised to make
a guest list reservation.
England W1T 3NG

Seit ich blogge, bin ich zum leidenschaftlichen Perlensucher geworden. Perlen in der Provinz. Wenn Sie Wuhan oder Nitra nicht kannten, wird es Ihnen vielleicht genauso mit Hattersheim gehen, außer Sie kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Um die Relationen zurechtzurücken: Wuhan hat 9 Millionen Einwohner, Nitra 100.000 und Hattersheim hat 25.000. Um es etwas genauer zu beschreiben: Hattersheim ist nicht der Ort, in dem die meisten Bankmanager aus dem nahegelegenen Frankfurt wohnen; es ist eher eine Schlafstadt für die umliegende Industrie, z.B. dem benachbarten Höchst. Würden Sie dort eine Top-Bar erwarten? Sehen Sie – ich auch nicht; aber so langsam lerne ich, meine Großstadtarroganz abzulegen.

Karsten Kuske hat nach Abschluss seiner Lehr- und Wanderjahre eine Bar mit dem Namen „Switch – Die bewegte Bar“ eröffnet. Der Fantasie sind bei diesem Namen keine Grenzen gesetzt: es handelt sich tatsächlich um eine professionelle und hochqualitative Cocktailbar. Mit dem Namen verhält es sich so:

„Switch“ bedeutet wechseln, das bezieht sich auf das ständig wechselnde Zusatzangebot an Cocktails, Spirituosen, Weinen und Snacks. Unser Motto lautet „Gastronomie in Bewegung“ und daher kommt der Beiname „Die bewegte Bar“.

Kuske hat im Laufe seiner Jahre hunderte Spirituosen angesammelt, darunter viele Rums, American and Scottish Whysk(e)ys und noch mehr. Daraus macht er eine Vielzahl von guten Drinks, angefangen von den Klassikern in allen Variationen, Tiki und Fancy Drinks, Coladas. Zusätzlich bietet sich natürlich ein Ritt durch die Spirituosenabteilung an. Mich als eingfleischten Boubon-Trinker hat die große Auswahl gefreut, und die Tatsache, dass Karsten neben vielen anderen Blue Gin im Programm hat.

Die Switch-Bar hat von Mittwoch bis Samstag von 19h00 bis 2h00 geöffnet. Sie ist nur ein Jahr nach ihrer Eröffnung zur Nr. 1 der Bars im Rhein-Main-Gebiet (außer Frankfurt) gewählt worden.

Übrigens: Mit der S1 ist man in 15 Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof in Hattersheim. Noch 5 Minuten Fußweg, und Sie können bei Karsten Kuske gepflegt in der Provinz trinken.

Switch – Die bewegte Bar
Am Kirchgarten 11
65795 Hattersheim am Main
Tel.: 0 61 90 . 92 70 25

Ein Trend, der in Asien und den USA schon lange in ist, setzt sich jetzt langsam auch in Deutschland durch: die Kombination von Bar und Restaurant, in voneinander abgegrenzten Räumen. Mir kommt das sehr gelegen, da ich aus dem Alter heraus bin, in dem ich von Kneipentür zu Kneipentür ziehen muss. Allerdings entfällt dadurch auch der Verdauungs- und Ernüchterungsspaziergang, so dass man bei der Zusichnahme von Speis und Drank doppelt aufmerksam sein muss.

„Wohin in Frankfurt“, ging meine Frage an den Experten für gehobene Barkultur? Trocken die kurze Antwort per E-Mail: „Frankfurt? Na klar! Steffen Lohr im Biancalani.“

Da ich mich ohnehin mit ausländischen Freunden auf ein gutes Dinner treffen wollte, passte dieser Tipp, nach kurzem Check auf der Webseite des Biancalani, perfekt. Einem runden Abend sollte nichts im Weg stehen.

Das Biancalani liegt auf der Sachsenhäuser Uferseite von Frankfurt nahe der Flößerbrücke, wo in den letzten Jahren ein kleines urbanes Subzentrum im modernen Mailänder Stil entstanden ist. Das Ensemble besteht aus einem Restaurant, einer Enoteca und der Cocktailbar mit Lounge.

Wir entschieden uns für das Sandwichverfahren: Drink – Essen - Drink. Ich kam etwas früher, um mit dem Keeper ins Gespräch zu kommen. „Sind Sie Steffen Lohr?“ – „Nee – der ist schon seit ein paar Wochen nicht mehr hier, mixt jetzt im ‘Ich Weiß,’ einer neuen Bar. Ich bin sein Schüler und habe das jetzt hier übernommen.“ Ein Blick in die Karte lässt daran erinnern, dass hier auch schon Bastian Heuser von den Travelling Mixologists gewirkt hat. Kreativität pur. Ich entschied mich für den ‘Cilantro-Chili-Gimlet’, einer Mischung aus Koriandersamen, frischem roten Chili, Gin, Rose’s Lime Juice und frischem Limettensaft. Eine Superkombination, die Leuten gefallen wird, die sowohl Gimlet als auch Chili mögen. Leider wurde der Drink nicht wie in der Karte angekündigt, in eine Martinischale abgeseiht, sondern (wie später auch der Sazerac) in einem Tumbler auf Eis serviert, was den Drink nach 5 Minuten verwässerte. Das Glas Wasser musste nachgefragt werden. Der Barkeeper fragt nicht nach der Wunschspirituose im Gimlet. Also, ein bisschen Üben (und vielleicht auch noch Unterstützung von den alten Helden) bringt die neue Crew sicher schnell auf den Stand, den das Biancalani bestimmt halten möchte.

Aber jetzt ins Restaurant – die Speisekarte hatte mich schon neugierig gemacht; sie verspricht moderne italienische Küche ohne modischen Schnickschnack zu akzeptablen Preisen – wenn die Qualität stimmt. Um es kurz zu sagen: Die Qualität stimmt auf den Punkt. Alles ist ganz fein, der Geschmack der jeweils wenigen Zutaten ist hervorragend herausgearbeitet.

Ich begann mit dem warmen Salat vom Octopus und Steinpilzen mit Croutons, Minze und Petersilie (€ 13,50): Der Oktopus butterweich und die Vinaigrette geradezu perfekt. Alles harmoniert. Dann als Zwischengang Entenstopfleber und Boudin-Blutwurst im Strudelteig auf Balsamico-Linsen mit Apfel (€ 13): auch hier das gleiche Gefühl: passt schon, wie der Wiener sagen würde. Schließlich noch die Dorade auf kleinen Artichoken mit Oliven (€ 22,70): Lecker, aber nicht so aufregend wie der Kabeljau mit Kalbszunge auf Wirsing und Kartoffelpüree und grobem Senf, den ich probieren durfte.

Mit den Weinen haben wir uns nicht sehr ausführlich beschäftigt, da wir noch von unseren Cocktails genug hatten. Der offene Soave war jedenfalls sehr ordentlich.

Von meiner Beschreibung möchte man meinen, dass dies ein perfektes Restauranterlebnis war. Leider weit gefehlt. Denn so gut das Essen, so qualvoll war es für uns, da die Raumakkustik in dem 70-Plätzerestaurant für einen solchen Lärm sorgt (ich schätze, um die 70-80dB), der nicht nur die Kommunikation gestört, sondern nach spätestens einer Stunde auch zu einem ansteigenden Rauschen im Kopf geführt hat. Schade!

Biancalani
Restaurant, Enoteca und Bar
Walter-von-Cronberg Platz 7-9
Frankfurt am Main
069-689776.15/.25/.20

Kennen Sie Wuhan? Nie gehört? Die Stadt gehört zu den fünfzig größten der Welt (Population 5-9 Millionen, je nach Zählweise – „Provinz“ ist eher metaphorisch gemeint), ist ein Technologiezentrum in Süd-Mittel-China und wird durch den Jangtse geteilt. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, dort sechs Tage zu weilen. Wenn mir langweilig wurde (und das passierte ziemlich oft), ging ich in das Blue Sky Cafe. Das Blue Sky ist einer der Treffpunkte von Langnasen, aber 60% der Gäste sind Chinesen. Ein bisschen Typ amerikanische Sportsbar, ein bisschen heruntergekommen, kann man hier aber ganz formlos und angenehm trinken, essen und tanzen (viel gute Lationmusik). Essen ist typisch europäisch-amerikanisch (Pizza, Burger, etc.); zur Zeit meines Besuchs gab es die marokkanische Woche mit leckerer Tagine.

Vom gepflegten Trinken soll die Rede sein. Meine Augen konnten nicht größer sein, als ich das Cocktailmenü und parallel dazu die Spirituosenauswahl zu sehen bekam. Ca. 50 Cocktails, vor allem Klassiker gibt es hier. Aber würden sie unter der kritischen Zunge des Drymartini-Testers bestehen? Sie bestanden. Alle Cocktails, die ich im Laufe meiner Besuche testete, z.B. Martini, Manhattan, Daiquiri waren handwerklich gut gemacht.

Hier wirkt Carson. Carson spricht praktisch kein Englisch, so war ich auf die Hilfe der Kellner und Kellnerinnen angewiesen, die auch nicht gerade flüssig waren. Carson hat on-the-job gelernt, und es gab wohl irgendwann mal einen Ausländer, der ihn in die Kunst der Mixologie eingeführt hat. Carson hat Produktkenntnisse und seine Handwerksfähigkeiten konstant entwickelt.

Die Rede ist von der Blue Sky Filiale in Hankou. Die Filiale in Wuchang habe ich nicht ausprobiert.

Blue Sky(蓝色天空咖啡)
Hankou Jianshe Dadao #735 (汉口建设大道735号)
(027) 85807466/85759937 
geöffnet: 11.00-2.00

Foto: Joerg1975 auf Flickr

Wer in China einmal in einer größeren Gruppe in einem lokalen Restaurant gegessen hat – egal in welchem Teil des Landes – findet keine Freude mehr an chinesischem Essen in Deutschland. Wegen der großen Vielfalt der Speisen, größer als in jedem anderen Land der Erde, habe ich normalerweise auch selten den Wunsch, etwas anderes als klassische chinesische Küche zu genießen. Aber wenn man sich länger in Beijing (Peking) aufhält, kann das schon einmal passieren.

Kulinarisch ist diese 20 Millionenstadt kosmopolitisch. Man kann alles essen, was es auch in jeder europäischen oder nordamerikanischen Großstadt gibt, und zusätzlich natürlich das große Angebot an Speisen aus den chinesischen Provinzen. Es gibt hier keine Ausrede dafür, schlecht zu essen oder etwa zu Kentucky Fried Chicken zu gehen (die Chinesen lieben KFC, es gibt eine Filiale an fast jeder Ecke).

Während meines kurzen Aufenthaltes in Beijing besuchte ich vier Restaurants. Von dreien (alle im Stadtteil Chaoyang) soll hier die Rede sein. Eigentlich gehe ich in China – wie in Italien – selten in die Restaurants der gehobenen Preisklasse. Der Standard von „gewöhnlichen“ Restaurants ist in beiden Ländern gewöhnlich so hoch, dass es kaum Sinn macht, viel Geld für gutes Essen auszugeben. Aber auf das Green-T-House in Beijing war ich wirklich gespannt – es gilt als das angesagte Restaurant der Stadt (wenn es nach der Oktoberausgabe des FEINSCHMECKERs geht).

Wer in Berlin das Shiro i Shiro liebt, findet hier – zumindest was das Design betrifft – noch eine Steigerungsstufe, aber auch viele verwandte Stilelemente. Zum Beispiel die weißen Lacktische, die es in beiden Restaurants gibt. Der zentrale Raum des Green-T-House ist von einer zusammenhängende Tischreihe dominiert; man sitzt also auf Tuchfühlung mit dem Nachbarn. An der Seite gibt es noch gemütliche Kuschelecken mit weißen Polstern, wo man im Liegen oder Sitzen oder Hocken trinken und essen kann. Und dann eben noch einzelne weiße Lacktische. Die Kerzen hängen an dünnen Fäden von der Decke herab. In der Nähe der Bar steht ein monumentaler Wachskoloss, in dem zehn Flammen brennen. Uns hat alle das Waschbecken in der Toilette fasziniert – ein Touchsensor löst einen kleinen Wasserfall über einen Breite von zwei Metern aus. Interessantes Spiel mit Beton und verschiedenen Hölzern. Das Design hört nicht bei der Einrichtung auf, sondern wird konsequent auf das Essen angewendet.

Aber das Essen und der Service: Wieder einmal hat sich die alte Regel bestätigt – gehe nie mit Bekannten in ein Lokal, dass Du selbst noch nicht ausprobiert hast (vor allem, wenn am Ende alle die Rechnung teilen). Leider hinkt das Geschmackserlebnis dem Design hinterher. Das Essen ist gut, aber dann doch eher gut präsentiert – auf jeden Fall nicht die Preiskategorie wert. Der Service hingegen ist so miserabel (bei Preisen, die in Peking ihresgleichen suchen), dass ich doch ein bisschen beschämt war. Die Englischkenntnisse der Mitarbeiter waren nicht ausreichend für den internationalen Standard. Überhaupt schien uns übereinstimmend, dass die Servicekräfte nicht wirklich geschult waren – gerade in einer Region, wo guter Service selbst in Eckkneipen selbstverständlich ist (mir wurde das Urteil von einem anderen in Peking ansessigen Bekannten, der die Gastroszene gut kennt, bestätigt). Eine Vorspeise wurde erst mit der Hauptspeise serviert, während eine Hauptspeise überhaupt nicht und erst nach mehrmaligem Nachfragen geliefert wurde (als alle anderen schon aufgegessen hatten). Man bekommt in Peking für ein Viertel des Geldes (wir zahlten ca. € 50 pro Person) mehr geboten – das Design natürlich ausgenommen.

Am nächsten Tag lies ich meine Pekinger Freunde die Wahl treffen. Wir gingen in das Beijing DaDong Roast Duck Restaurant, das mehrere Filialen in der Stadt hat. Das DaDong ist zwar auf Pekingente spezialisiert – die Speisekarte gleicht aber vom Umfang und von der Bebilderung her einem Versandhauskatalog: auf ca. 100 Seiten waren ca. 250 Gerichte, quer durch die chinesische Küche abgebildet. Man sollte in einer Gruppe von 5-8 Personen herkommen, um an einem runden Tisch mit Drehplatte eine möglichst große Variation von Speisen probieren zu können. Ente muss natürlich dabei sein. Dazu kommt ein Koch mit einem Arbeitstisch angerückt und schneidet das gebratene Tier in kleine Stücke, die man dann in kleine Pfannkuchen bettet, mit süßer Sojasauce bestreicht und mit Frühlingszwiebeln belegt. Auch alles andere – vom Quallensalat über gesottenes Rindfleisch bis hin zum grünen Gemüse mit Knoblauch war von bester Qualität.

Die Weinkarte lies nicht zu wünschen übrig – von einem Pomerol für € 1200 bis zu einer großen Auswahl australischen und europäischen Weinen ab € 30. Der Service war hier – wie zu erwarten – makellos. Hier gaben wir pro Person ca. € 14 für ein üppiges Mahl inklusive Bier aus.

Am letzten Tag, vor meinem Abflug nach Wuhan hatte ich keine Gesellschaft zum Essen, da ich mich kurz darauf noch mit Dan Stephenson, einem Mitglied der Bar-Consulting-Gruppe Alconomics, auf ein Bar Drinks in The Face treffen wollte. Also nutzte ich die Gelegenheit und habe gleich auch eines der beiden Restaurants des The Face ausprobiert. The Face hat Häuser in Beijing, Shanghai, Jakarta und Bangkok, die alle in asiatisch-kolonialem Stil eingerichtet sind. Es dominieren tropische Hölzer und dunkle Farben, das Licht ist gedämpft; alle Details sind wohl ausgewogen. Ein Platz für romantische Stunden. Chinesisches Essen gibt es hier nicht, stattdessen ein thailändisches und ein indisches Restaurant. Ich probierte letzteres aus und war mit meinem südindischen Lammcurry plus Naan außerordentlich zufrieden – von der Tatsache abgesehen, dass ich das einzige Rezept von der Karte gewählt hatte, dass mit zwei Chilischoten gekennzeichnet war, aber eher im Bereich des leicht scharfen angesiedelt war. Der offene Wein aus Australien war ordentlich aber nicht umwerfend. Für € 10-20 Euro kann man in The Face gepflegt essen und einen schönen Abend verbringen, vor allem, da man nur einen Raum weiter gehen muss, um zur Bar zu gelangen.

Auch hier dominieren dunkle und rote Töne, es gibt einen Billardtisch mit rotem Tuch und das Klackern der Kugeln wirkt wie ein Signal zum weiteren Entspannen. Man hat die Wahl zwischen einer gemütlichen Lounge, einem Außerbereich im begrünten Innenhof, sowie einem Platz an der Bar. Die Qualität der Cocktails ist von unterschiedlicher Qualität. Der klassische Martini war handwerklich gut gemacht, während der Daiquiri nicht unsere Zustimmung fand (hier ist man mehr auf Frozen Daiquiris mit Fruchtpürrees eingestellt). Aber man muss ja nicht unbedingt Coktails trinken – ein Bier oder ein Glas Wein tut es ja auch, und die Atmosphäre und die Qualität des Service lädt dazu ein, einen Abend im The Face zu verbringen.

Schließlich noch ein kleiner Abstecher ins Centro, einer Bar im Hotel Kerry Centre, die mir schon vor zwei Jahren positiv aufgefallen ist. Mit dem Taxi von The Face keine 10 Minuten. Das Centro ist eine andere Welt vom Typ mondäne Champagnerbar für Reiche und Schöne (zum Glück nicht nur); es geht laut zu, die Atmosphäre ist aber ungezwungen. Hier gibt es eine große Auswahl von offenen Weinen aus aller Welt, Zigarren und Cocktails, die ich leider nicht beurteilen kann, da mir zum Absacken nach Weißwein war. Dan bestätigt aber, dass hier manchmal einer der Ausnahmemixer von Beijing – Bruce Lee – die Hand am Shaker hat. Von 21 bis 23 Uhr gibt es hier Live Jazz.

Green T. House
紫云轩餐厅
6 Gongti Xilu
behind Worker’s Stadium
工体西路6号
+86-10-6552-8310/11
info@green-t-house.com

Da Dong Roast Duck Restaurant
大董烤鸭店
at Nanxincang at Tuanjiehu
Bldg 3, Tuanjiehu Beikou
southeast corner of Changhong Qiao
团结湖北口3号楼
东三环路长虹桥东南角
Tel. +86-10-6582-2892/4003/4102

The Face
26 Dong Cao Yuan,
Gong TiNan Lu Chao Yang Ou,Beijing 100020
中国北京市朝阳区工体南路, 东草园26号,100020
+86-10-6551 6788

Centro
im Shangri-La
Kerry Centre
No 1 Guanghua Road
Beijing 100020
China
+86-10-6561 8833

Fotos kommen in einer Woche.

Es gibt Bars, mit denen man sofort in love fällt. Die Q-Bar in Peking (danke an Dan Stephenson) ist so ein Platz. Wie viele besondere Plätze ist sie ein bisschen off centre, das heißt nicht mitten dort, wo sich die Touristenmassen konzentrieren. Sanlitun ist jedem Touristen als einer der Top-Nightlife-Adressen bekannt, ich habe mich dort nie wohl gefühlt. Folgt man jedoch der Sanlitunstraße ein bisschen (nach Osten? Westen? Norden? Süden?), kommt man in eine ruhigere Gegend. Hier liegt das Eastern Inn, ein lokales Zweisternehotel, und ein kleine Leuchtreklame weißt auf die Q-Bar hin. Nicht sehr auffällig, und eigentlich ein Platz, an dem man gleich wieder umdrehen möchte. Ich wollte einfach wieder einmal nicht glauben, dass ich am richtigen Ort bin, betrat die sehr post-sozialistische „Lobby“, und betrat den Aufzug. Kein Hinweis auf die Q-Bar, also drückte ich auf die höchste, die fünfte Etage. Immer noch kein Hinweis auf die Bar (ein ähnliches Feeling wie im Palladium in Nitra). Also noch mal eine abgeranzte Treppe hoch, und schon ist man in einer anderen Welt. Die Q-Bar hat eine schöne Dachterasse mit Holzmöbeln und Teelichtern. In der eigentlichen Bar ein langer Tresen; einfaches, aber klares Design, dunkelrote Wände, kein Schnickschnack – einfach nur Bar.

Hier wirkt Wendy (die linke der beiden Damen auf dem Photo), die aber nicht die Hauptmixerin des Hauses ist. George muss ich ein anderes Mal kennenlernen. Wendy macht gute Cocktails, alles stimmt. Gute Auswahl an Vodkas und Malts (natürlich), aber auch überraschend viele Gins; wenig Rums. Ein klar gegliedertes Menü, und die Drinks stimmen. Ich startete mit einem Q-Bar-Martini (Gin oder Vodka, Vermouth, Minze!) – perfekt. Überhaupt – die Martiniauswahl war eine der besten, die ich seit langem gesehen habe. Dann einen XYZ, eine Art Daiquiri (weißer Rum. Cointreau, Limonensaft), und schließlich ein Bourbon Sour.

Die Q-Bar gilt unter vielen Barflies als die beste Pekings.

6/F, Eastern Hotel
Corner of Sanlitun Nanlu and Gongti Nanlu
三里屯南路和工体南路交接口
朝阳医院东门逸羽酒店6层
Phone: 6595-9239, 139-1031-9718
www.qbarbeijing.com
drink@qbarbeijing.com
Open 6pm-2am

Wenn man nur einen kurzen Zwischenstopp in einer Stadt einlegt, ist man froh, wenn einheimische Freunde den Weg bereiten. Wir trafen uns zu viert im Restaurant Star Ferry im Zentrum von Amsterdam. Große Glasfronten öffnen den Blick auf den Überseekai und die Skyline von Amsterdam. Das Star Ferry ist klar gegliedert, kein Schnickschnack, moderne Holztische und viel Platz. Die Spirituosenauswahl verspricht viel; leider werden hier keine Cocktails gemixt.

An einem Abend in der Woche ist das Star Ferry nicht übermäßig besucht und ist ideal für Geschäftsessen oder andere Runden, in denen der Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Austausch steht.

Die Küche ist international modern mit den inzwischen üblichen asiatischen und mediterranen Elementen. Im Spinatsalat (€ 7,50 als Vorspeise, € 14,50 als Hauptgericht) kommen die kanadischen Crawnberries mit ihrem fruchtig-sauren Aroma gut zur Geltung. Als Catch of the Day gab es Schwertfisch mit Pesto, Farmkartoffeln und grünen, Bohnen (€ ca. 18). Alles andere sah sehr lecker und auf den Punkt gekocht aus. Der Service ist makellos.

Es gibt eine gute Auswahl an offenen Weinen. Mich hat vor allem der Cedar Wood aus Kalifornien begeistert (0,1l € 3,60), den ich leider nicht im Internet fand, außer auf der Seite eines britischen Weinhändlers. Eine völlig neue Klasse von Chardonnay; normalerweise sind Überseeweine aus dieser Rebe entweder zu barriquelastig, oder sie haben, wenn unwooded, zu wenig Charakter. Der Cedar Wood ist unwooded und hat viel Charakter, traumhafte Aromen von exotischen Früchten, trocken, aber nicht sauer.

Star Ferry
Piet Heinkade 1,
1019 BR Amsterdam
T 020 – 788 2090

Voor reserveringen
T 020 – 788 2090
reserveringen@starferry.nl

Eine knappe Stunde Zeit bis zum Beginn des Films (Das Bourne Ultimatum – ein Hit wie die anderen beiden der Bourne-Serie). Also warum nicht mal eine Bar ausprobieren, die ich bisher noch nicht besucht hatte: Das Billy Wilder’s im Sony Center am Potsdamer Platz. Die Bar taucht ja durchaus in einzelnen Reviews im Internet auf.

Das Billy Wilder’s hat sicherlich eine der besten Lagen, die es für eine Bar in Berlin geben kann – Philharmonie und diverse Kinos in unmittelbarer Umgebung; alle Touristen in Berlin kommen irgendwann einmal an der Tür vorbei, und die steht weit offen.

Eine Stunde reichte für zwei Drinks: als erstes ein Daiquiri, wobei mich ich statt der Standardvariante mit Havanna Club zu einem 21-jährigen Angostura 1884 aus Trinidad und Tobago entschied (€ 10,50). Der Drink war anstandslos und nach den Regeln der Barkunst mit frischer Limette aus der Presse gemacht. Der alte Rum gab dem Daiquiri einen starken und dunklen Ton. Dann lies ich mir vom Bartender noch einen Drink empfehlen  – einen Whiskey Sour mit Maker’s Mark und Toulon Sirup, der aus braunem Rohrzucker hergestellt wird (€ 8,50). Aromatisch, lecker.

Die Atmosphäre des Billy Wilder’s ist allerdings eher mit einer Bahnhofsgaststätte zu vergleichen. Es geht alles sehr hektisch zu, die Happy Hour und die bereits erwähnte Lage zollt ihren Tribut. Die Auswahl der Spirituosen ist groß, vor allem an Vodkas. Leider sind die Flaschen nicht zentral aufgestellt; Rums und einen Teil der Vodkas kann man im Regal anschauen, alles andere muss man sich aus der Karte heraussuchen. Wasser wird nur auf besonderen Wunsch zu Drinks gerreicht. Positiv fällt die Weinkarte je mit vier offenen roten und weißen Gewächsen auf. Flaschenweine gibt es nicht. Das Barmenü ist übersichtlich und listet sicherlich über 100 verschiedene Cocktails auf.

Gesamturteil: für einen schnellen anständigen Drink vor oder nach dem Kino eine sichere Bank, aber nichts um lange zu verweilen. Die Barkeeper sind auch nicht wirklich auf ein Gespräch eingestellt. Also: eine echte Durchgangsbar. Man kann dann ja noch ein paar hundert Meter weiter südlich einkehren…

In Hamburg ensteht eine neue Bar – Le Lion. Im Juli hatte Helmut Adam vom Mixology-Magazin die Idee, der Entstehung der Bar einen eigenen Blog zu widmen, der vor allem von Jörg Meyer, dem Brain der neuen Bar, begleitet wird: der Barbau-Blog. Mittlerweile eine wunderbare Sammlung von Grundsatzartikeln über die Bar: welche Spirituosen, welche Weine, welche Musik. Schön zu lesen und ich freue mich schon auf einen Besuch in Hamburg.

Wer die Perlen liebt, muss bereit sein zu tauchen.

Alle haben von ihm gehört, aber keiner kennt ihn – Luboš Rácz, der bloggende Bartender aus der slowakischen Provinz. Luboš war in den letzten Monaten in den deutschen Cocktailforen und Blogs durch seine fundierten Einsichten aufgefallen, und durch seinen Barblog (auf slowakisch). Der drymartini Blog war neugierig und hat sich auf den Weg in die tiefe osteuropäische Provinz aufgemacht, nach Nitra, einer 100.000 Seelen-Stadt, durch die ich schon oft durchgekommen bin, aber nie angehalten habe. Immer fiel mir der Satz aus einem meiner Lieblingsfilme ein, Blue Moon, von Josef Hader, in dem Detlev Buck in irgendeiner slowakischen Provinzkaschemme an der Bar zu Hader sagt: „Dir steht auf die Stirn geschrieben Ich will etwas erleben. Is nicht – tote Hose.“

Also stieg ich in Bratislava in einen der mehrmals stündlich verkehrenden Überlandbusse (€ 3, 70-90 Minuten) und fuhr durch die zentraleuropäische Steppe, die sich vom Neusiedlersee bis tief nach Ungarn zieht, um in einer zutiefst osteuropäischen Stadt anzukommen. Hier soll ein Barkünstler wirken? Der nächste Schock saß tief:

Getrennte Taxis für Frauen und Männer? War hier kürzlich eine islamische Republik ausgerufen worden? Gab es vielleicht bei Luboš nur noch Virgin Coladas und alkoholfreie Martinis? Tatsächlich standen genau zwei Taxis hinter dem Toilettengebäude – und der erste Fahrer sagte kollega. Der Kollege (Männertaxi?) übernahm und nach drei Minuten und einer Taxirechnung von € 1,80 stand ich am Rande eines Bauzaunes mit einem mehr oder wenig dezenten Hinweis auf das Paladium (aufatmen: die Frauen gehen nicht verschleiert durch die Straßen von Nitra!):

Immer noch wolte ich nicht glauben, dass ich hier richtig war, bis ich zwei Stockwerke über dunkle Treppen gestiegen war und sich mir ein dezentes Restaurant mit Bar (oder umgekehrt) eröffnete. Und da stand er, der Cocktailprinz aus der Provinz, Luboš.

Um es auf den Punkt zu bringen: ich habe vier Stunden so verbracht, wie ich es mir wünsche und vorletzte Woche in meinen 10 Kriterien für eine gute Bar beschrieben habe. Sollte ich in den 10 Kriterien Punkte von 1-10 vergeben (100 für das perfekte Ergebnis), läge das Paladium irgendwo im Bereich von 80 bis 90 (den Martini-Test habe ich leider nicht gemacht, aber ich bin mir sicher, er wäre zur vollen Zufriedenheit ausgefallen).

Die vier Drinks waren ausnahmslos lecker und kreativ; es gab Wasser ohne Ende; die Qualität der Spirituosen und der Zutaten waren superb (Bitter Truth! selbstgemachte Infusionen!). Luboš hat ein wunderschönes Barmenü (wer es sehen will, muss mich auf einen Drink einladen – oder in die Slowakei fahren).

Ich startete mit einem Gimlet aus mit thailändischen Zitronengras-Zitronenschalen-Tee versetzten Bombay Gin, Lime Juice und Limonensaft, eine Spur Litschi-Likör und als Krönung getrocknete und zerriebene Limonenschalen (hoffentlich ungespritzt). Super.

Dann eine Eigenkreation: Simplicity. Bombay, Zitrone, Sirup Orangenblütenbitter, Orangenbitter (beide von Bitter Truth),  Eiweiß und ein Schuss Grand Manier. Fantastisch.

Anschließend stiegen wir auf meinen Wunsch aufs Rumfach um. Ich liebe, seitdem ich blogge und in der Triobar war, Daiquiris: Damoisan weißer Rum aus Guadeloupe, Rohrzucker, Limonensaft. Einfach erfrischend.

Schließlich hat mir Luboš noch einen weiteren eigenen Drink serviert: Pineapple Daiquiri. Zerquetschte Ananas, Matusalem Rum, Havanna Reserva mit Vanilleschote infundiert, Rohrzucker mit Vanilleschote aromatisiert, Zitronensaft  (ein bisschen zuviel der Vanille, aber auch lecker). Dann war es an der Zeit, den Bus nach Bratislava zu nehmen.

Ich erwähnte es bereits: das Paladium ist auch ein Restaurant, mit einer italienisch / asiatisch /zentraleuropäisch angehauchten Speisekarte. Ich aß ein Risotto mit Cherry- und getrockneten Tomaten, Basilikum und Hühnerbrust. Ausgezeichnet; auf den Punkt gekocht und aromatisch. Man sagt, dass man in Nitra nicht besser essen kann. Den Namen des Küchenchefs und Partners von Luboš muss ich noch einmal recherchieren.

Ich sollte es eigentlich nicht erwähnen, aber ich tue es doch: es wird wenig Plätze auf dieser Welt geben, wo man für so wenig Geld so gepflegt speisen und trinken kann. Manchmal schämt man sich, auf der Sonnenseite des Leben geboren zu sein.

Ach ja: Eric Lorincz, der in London mixt, war auch da.

Stanislav Vadrna und Luboš Rácz: Zwei Künstler an Plätzen, wo man sie nicht erwartet hätte.

Paladium bar and restaurant
Sturova 71
Nitra
Tel. +42-37-650 6578

Fotos: drymartini (1-3), Luboš Rácz (4)

Niemand sage, ich hätte mich nicht bemüht. Ich habe meinen Besuch in Kassel, immerhin einer Stadt von fast 200.000 Einwohnern und der Austragungsort der von mir seit 30 Jahren geliebten Dokumenta (ich sah die Beuys’sche Honigpumpe 1982!), minutiös vorbereitet. Recherchen im Internet. Nachfragen in diversen Foren. Letztlich verließ ich mich auf das eigene Fleisch – meine liebe Tochter, die seit 5 Jahren in dieser nordhessischen Metropole lebt und seitdem die Gastronomie von innen studiert hat.

Was soll ich Euch sagen? Die 12. Dokumenta wird sicherlich irgendwo fachkundiger besprochen; sie gefiel mir besser als die 11., aber ich lebe immer noch von den Erlebnissen der 70er und 80er Jahre, als Kunst nicht nur in der Aussage, sondern auch in der Form radikal war. Aber Essen und Trinken? Insgesamt probierten wir sechs verschiedene Lokalitäten aus, darunter die 100 Tage Bar Re:Launch auf dem Schlossberg; mehr Lounge als Bar, ein misslungener Versuch, Cocktails in die Provinz zu bringen, weil alles einfach zu schnell gehen muss, und alles auf Basis von Standardspirituosen  zubereitet wird – aber eine grandiose Aussicht auf die hessische Berglandschaft und auf Kassel.

Es gibt Wasser in der Wüste: das Mistral, ein kleines mediterranes Restaurant am Rande der Innenstadt. Man betritt es und fühlt sich sofort nach Frankreich versetzt. Das Mistral bietet eine täglich wechselnde Tageskarte auf ziemlich gutem Niveau bei klenen Preisen, ca. 15 offene Weine, netten Service (wer gerade kocht und wer die Theke macht, wird auf Schiefertafeln angegegeben), und überraschend kreatives Essen.

Wir (Liebste, liebste Tochter und ich) aßen: Tagliatelle mit Krebsfleisch auf einer Krebsschaumsauce, Zander mit Kartoffelkruste und Mittelmeergemüsen und getrüffelte Wachtel mit Olivensauce und Sommertrüffeln. Alle Gerichte so um € 10, alles super aromatisch und dazu frische Weine. So etwas muss ich in Berlin noch finden.

Zu erwähnen wäre noch, dass ich der Creperie Hendrick’s Gin fand und eine Tresenkraft, die zwar mit dem Begriff „Martini Cocktail“ nichts anfangen konnte, aber diesen meiner Lieblingsgins mit Eis und Gurke servierte, und dass die Ausnahme-Susheria Shinyu (auch so etwas sucht in Berlin seines gleichen) wirklich eine unglaubliche Vielzahl an tollen Sushis anbietet.

Sorry für die Großstadtarroganz.

Mistral
Schönfelder Str. 54
34121 Kassel
0561/9219998

Shinyu
Friedrich-Ebert-Str. 79
34119 Kassel
0561/739 79 13

Zweifelsohne: Der Aufenthalt in einer Bar geht ans Geld. Wenn man zu zweit ist, kommen nur für Getränke locker € 40-50 zusammen. Leider ist dieses Geld nicht immer gut investiert. Ist man mit einer schönen Frau oder einem schönen Mann zusammen, spielt die Frage der Getränkequalität vielleicht nicht die wichtigste Rolle; dann geht es mehr um Beleuchtung, Musik, etc.. Ist man aber dem Thekenmeister alleine ausgeliefert, kann die Wahl der falschen Bar leicht ins Fiasko bzw. einen verdorbenen Abend führen. Daher kam mir die Idee zu einem kleinen Bar-O-Meter, ein kleiner Test, der die Qualität der Bar an Hand einiger Indikatoren anzeigt.

1. An der Tür
Im Prinzip ist eine Bar eine öffentliche Einrichtung. Wer hier Barrieren aufbaut, hat entweder etwas zu verbergen oder pflegt einen aufgesetzten Elitismus. Also: auch wenn ich manchmal die kleine Klingel auch witzig finde, Gesichts- oder Bekleidungskontrolle ist out, was nicht heißt, dass man in jede Bar mit Shorts und Schlappen gehen sollte. Hier hat der Gast die Verantwortung, sich dem Stil der Bar anzupassen. Ein Zeichen für eine gute Bar ist es jedoch, wenn ich an der Tür nach meinem Wunschplatz gefragt werde und, nachdem mir der Mantel abgenommen wurde, zu ebendiesem Platz geleitet werde. Als erstes wird ein Glas Wasser serviert, das regelmäßig nachgefüllt wird. Das ist übrigens im wirtschaftlichen Interesse der Bar – so lässt sich mehr Alkohol vertragen.

2. Orientierung und Einrichtung
Was wäre eine Bar ohne die Bar (im Deutschen auch „Tresen“ genannt)? Der Gast muss die Möglichkeit haben, gleichzeitig zu trinken und das Weiße in den Augen des Bartenders (oder der Bartenderin) zu sehen. Für den Einzeltrinker ist die Bar der Platz der Wahl, am best dort, wo die Bartenderin die Feinarbeit macht, also z.B. Obst zuschneiden. Alles andere ist eine Stil- und Geschmacksfrage, es gibt weder eine über- noch eine unterdesignte Bar. Aber stimmig sollte das Konzept schon sein. Es ist selbstverständlich, dass die Flaschen übersichtlich sortiert sind und der Gast leicht seine Lieblingsspirituosen erkennen kann.

3. Die Getränkekarte
Die Qualität der Barmenüs hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Sie sind die Visitenkarten für eine gute Bar. Ein Barmenü lädt dazu ein, sich mit dem spezifischen Angebot zu beschäftigen, einen generellen Eindruck vom Schwerpunkt der Bar zu bekommen und Lust aufs Trinken zu machen. Natürlich soll die Karte nicht mehr versprechen, als was sie halten kann.

4. Das Angebot an Cocktails
Viel ist nicht unbedingt mehr – es geht nicht um die schiere Anzahl, sondern um die Vielfältigkeit der Drinks. Klassiker gehören dazu, also z.B. Martinis, Daiquiris, Sours, Margaritas, Manhattan, etc.. Eine gute Bar ist stolz auf ihre Eigenkreationen und kennzeichnet diese entsprechend. Das Angebot an alkoholfreien Cocktails sollte vielfältig sein und es sollte auch Cocktails mit wenig Alkohol geben.

5. Die Spirituosen
Von jeder Spirituosengattung sollte es eine gute Auswahl geben, die aber von der Vielfalt der jeweils verfügbaren Brands und von der Spezialisierung der Bar abhängt. Also: jeweils mindestens 4-5 Gins, Vodkas, Bourbons, Malts, Rums. Die Auswahl sagt etwas über die Warenkenntnisse des Barchefs – nur Gordon’s Dry Gin, Absolut Vodka, Bacardi und Jim Beam zeugen von einem eher beschränkten Horizont. Jede gute Bar hat ein paar „Schätze“, die man an anderen Plätzen selten findet, also zum Beispiel eine seltene Rumsorte. Bei Standarddrinks fragt der Keeper einer guten Bar, welche Spirituose der Gast wünscht, also z.B.: „Mit welchem Gin hätten Sie den gerne den Martini?“

6. Die Zutaten
Gute Bars machen ihre Säfte selbst und habe ein hochwertiges Sortiment an Bitters (z.B. Peychaud, oder The Bitter Truth). Zu üppige Garnierung kann zwar schön aussehen, aber auch die Qualität verkleistern. Bei manchen Drinks, z.B. dem Martini, fragt der Keeper den Gast nach der Art der gewünschten Garnitur – oder serviert die Drinks pur, ohne Verzierung.

7. Die Gläser und das andere Zubehör
Fast selbstverständlich, dass die Glasauswahl etwas über den Standard der Bar aussagt. Jeder Drink hat eine typische Glasform, in der sich sein Geschmack am besten entwickelt. Gläser werden vorgekühlt (außer, wenn der Drink später auf Eis serviert wird), entweder im Freezer, oder während der Zubereitung mit einigen Eiswürfeln, die dann verworfen werden. Der Mixer hat eine Vielzahl von Shakern und Rührgläsern, bevorzugt aber für viele Drinks den zweiteiligen Boston-Shaker mit Glasaufsatz.

8. Die  Auswahl an anderen Getränken
Gute Bars verpflichten die Gäste nicht dazu, Coacktails oder harte Sprituosen zu trinken. Eine Auswahl and guten Bieren und vor allem an guten offenen Weinen ist das i-Tüpfelchen. Leider ist die Weinkarte in deutschen Bars sehr häufig unterbelichtet. Hier gibt es viel Entwicklungsarbeit, wie Helmut Adam in der letzten Prinausgabe von Mixology dankenswerterweise geschrieben hat.

9. Das Personal
Jeder Barkeeper ist ein Individuum. Wohl fühle ich mich, wenn ich mit dem Personal plauschen kann, aber auch die Wahl des Schweigens habe. Wie in jedem guten Gastronomiebetrieb ist es letztendlich der zurückhaltende, aber aufmerksame Service, der die Qualität der Bar ausmacht.

10. Ein Test: Der Martini
Ein einfacher Qualitätstest für die Bar ist der Martini. Hier kann der Bartender seine Kunst, aber auch die Bereitschaft zur Dienstleistung zeigen. Er fragt, ob man den Martini dry oder nicht so dry haben möchte. Er fragt nach der Wahl der Spirituose und nach der gewünschten Garnitur (Olive, Zitrone, Gurke, etc.). Er kühlt das Glas vor und serviert einen perfekten, eiskalten, nicht verwässerten Drink. Wohl bekomms.

 Foto: jeffdoe auf Flickr

Sitzen zwei Drinksblogger am Tresen. Sagt der eine: „Wie macht die Arbeit?“ Sagt der andere: „Hart. Ich musste gestern abend dienstlich trinken.“

Am Freitag Abend waren der Mixology Blog und drymartini gemeinsam unterwegs. Kurz zusammengefasst: es war ein kurzweiliger Abend, an dem vielleicht der Grundstein für schöne gemeinsame Projekte gelegt wurde. Wir starteten in der Bar, die unter vielen Kennern als die beste Berlins gehandelt wird: Die Victoria Bar. Hier ist einfach alles perfekt: die Drinks, die Gäste, der Service, die Atmosphäre, das Design. Manchmal ist es mir etwas zu perfekt, aber ich bin gerne hier. Der Chefbartender, Gonçalo de Sousa Monteiro, ist, wenn es denn eine Expertenwahl gäbe, einer der Gurus der deutschen Barszene – der Schumann des angehenden 21. Jahrhunderts?

Mir gefiel am besten der Sazerac, ein Cocktail mit Bourbon, Peychaud-Bitter und Absinth. Der Ursprung dieses Cocktails liegt im Jahr 1830. Ich fand hierzu folgende Notiz:

Der erste Cocktail der Welt , der Sazerac-Cocktail, war übrigens ein Absinth-Cocktail. Der Franzose Antoine Peychaud (Erfinder des Sazerac) experimentierte in New Orleans mit verschiedenen Mixgetränken und servierte Erfindungen in Eierbechern. Da die Amerikaner aber das französische Wort für Eierbecher, „coquetier“, nicht richtig aussprechen konnten, wurden die Drinks von Peychaud bald Cocktails genannt.
 (aus: absinthhandel.de)

Dann zogen wir um, ca. 500 Meter Luftlinie, ins Lebensstern. Das Lebensstern hat vor kurzem an einem Ort eröffnet, der jedem Berliner Connaisseur ein Tempel der Leidenschaft ist: Das Cafe Einstein. Lange vor der Zeit hat sich in den siebziger Jahren in einer Gründerzeitville in der Kurfürstenstraße dieses typische Wiener Cafehaus etabliert – schon lange eine Urberliner Institution.

Jetzt also das Lebensstern. Elegant, aber nicht elitär. Gemütlich, aber nicht heimelig. Ein Bartender (Thomas Pflanz), der gerne und angenehm mit dem Gästen plauscht, die größte Auswahl an Gins, die ich je in einer Bar gesehen habe (und mindestens ebenso viele Vodkas), und tolle Cocktails. Den Lebensstern möchte ich kennenlernen  – es gibt eine gute Chance, dass dies  meine neue Lieblingsbar in Berlin wird – und es wird bald einen ausführliches Posting zu dieser außergewöhnlichen Bar geben.

victoria bar
Potsdamer Straße 102
10785 Berlin
030 – 25759977

Lebensstern – Bar im Einstein
Kurfürstenstraße 58
10785 Berlin
Tel: 030 – 263 91 922

Fotos: travelling-mixologists (1), lebensstern (2)

Mike aus der Triobar schreibt:

schon lange wurde darueber gemunkelt, das demnächst eine Neuauflage des Old Tom Gins zu erwarten wäre… Nun steht er hier vor mir:

Die Interpretation des Old Tom Gins aus dem Hause Haromex Gin im Old Tom Style mit 40%, natürlich noch ohne offizielles Label und Bottling.

Das was die Herrschaften von Haromex dort kreiert haben, ist zwar nicht ein typischer Old Tom Gin, aber er hat durchaus viele charakterliche Gemeinsamkeiten und er ist keineswegs ein Gin-Likör.

Tastingnotes:

Klarer schöner kräftiger Wacholder,
leichte Fruchtnoten sehr dezent,
klare Schärfe und im Abgang lang anhaltend süß.

Ich finde es ist ein sehr schöner Gin, der eine klare Old Tom Gin-Charakteristik mit sich führt.

Er duerfte sich sehr gut in einen Martini einpassen, bei einem Martinez bin ich mir noch ein wenig unsicher, aber im Gimlet vermute ich, laeuft er zu Höchstform auf – auch als Gin&Tonic kann er vermutlich brillieren.

Ich werde ihn heute Abend mal ausgiebig auf Herz und Nieren pruefen in meiner Bar. Also wer Lust hat und in Berlin ist, der komme einfach mal vorbei…

Für alle den Old Tom Gin nicht so viel sagt, ein wenig was zum Lesen:

http://www.mixology.eu/blog/drinksblog/old-tom-gin-kehrt-zuruck
http://groups.msn.com/DrinkBoy/spirits.msnw?action=get_message&mview=0&ID_Message=15919&LastModified=4675627192879264596
http://bitters-blog.blogspot.com/2007/06/old-tom-mike.html
http://bitters-blog.blogspot.com/2007/03/martinez-cocktail.html
http://www.haromex.com

Triobar – Cocktailbar
Eisenacher Str. 10
10777 Berlin

Gerade erreichte mich die Nachricht, dass am 5. August 2007 die Berliner Jazz-Combo Jazz and all those Charms in der Oxident Bar auftritt. Ich lernte sie anlässlich der letzten Kreuzberger Langen Buchnacht im Mai 2007 kennen. Etwas für schräge Gemüter. Der Name erinnert an Danill Charms - oder Daniel, oder Harms, oder Kharms,  (1905-1942), einen absurden russischen Dichter, der leider fast völlig in Vergessenheit geraten ist. Ich erinnere mich noch an vergnügliche Stunden mit meiner Russischlehrerin in Sankt Petersburg im kalten Dezember 1994, mit der ich stundenlang über seiner Prosa gesessen habe. Leider ist es sehr schwierig, überhaupt etwas im Deutschen über Charms zu finden, daher ist das Jazzkonzert eine gute Gelegenheit, Texte von ihm kennenzulernen, die mit Witz szenisch vorgetragen und musikalisch interpretiert werden.

Poster: © Conrado del Rosario

Eine kleine Kostprobe:

Eine alte Frau lehnte sich aus übergroßer Neugierde zu weit aus dem Fenster, fiel und zerschellte.

Aus dem Fenster lehnte sich eine zweite alte Frau und begann, auf die Tote hinabzuschauen, aber aus übergroßer Neugierde fiel auch sie aus dem Fenster, fiel und zerschellte.

Dann fiel die dritte alte Frau aus dem Fenster, dann die vierte, dann die fünfte.

Als die sechste alte Frau hinausgefallen war, hatte ich es satt, ihnen zuzuschauen, und ging auf den Malcevskij Markt, wo man angeblich einem Blinden einen gestrickten Schal geschenkt hatte.

(gefunden auf der Rohrpostkreuzung)

Vor einer Weile schrieb ich über G-Vine, eine neue Ginsorte aus Frankreich. Ich beklagte mich damals über die mangelnde Eignung dieser Spirituose für den Dry Martini. Inzwischen habe ich aber erfahren dürfen, dass man aus dem G-Vine mit kundiger Hand sehr nette Drinks machen kann. Mike aus der Triobar macht hieraus einen wunderbar harmonischen Gimlet, indem er Limonensaft und Holunderblütenlikör zugibt. Lecker! Man kann diesen Drink auch hervorragend mit Vodka und Holunderblütensirup variieren (gibt es im Reformhaus, z.B. von der Firma Eden).

Die Triobar in der Eisenacher Straße 10 in Berlin sollte ich eigentlich schon längst besprochen haben. Die Bar wird im August umziehen, und dazu wird es einen Review geben. Wer noch einmal die kleine Bar in Schöneberg besuchen möchte, sollte sich sputen. Mike ist ein wandelndes enzyklopädisches Lexikon in Bezug auf Drinks und Spirituosen und hat im Laufe der Jahre Schätze gesammelt, die man so in keiner anderen Bar findet.

Triobar – Cocktailbar
Eisenacher Str. 10
10777 Berlin
Öffnungszeiten:
Do.-So. ab 19:30 Uhr
Reservierung erwünscht
Tel: 0163- 207 5677

Foto: Triobar

Wie in allen Handwerksberufen gibt es im Prinzip drei Arten von Barmixern: die Angelernten, die einen Gin Tonic oder eine Cuba Libre zusammengießen und eine miserable Caipirinha zubereiten können. Dann die Handwerker, die ihren Beruf erlernt haben, Kenntnis von Zutaten und Grundrezepten habe, und eine breite Palette von Cocktails zubereiten können. Und schließlich gibt es diejenigen, die sich vom Handwerker zum Magier entwickelt haben.  Wenn du das Glück hast, einen solchen Zauberer zu treffen, möchtest du, dass der Abend kein Ende nimmt.

Stanislav Vadrna ist ein solcher Magier. Ich traf ihn im Paparazzi in Bratislava, eines der verschiedenen Restaurants der Red Monkey Group. Wir waren verabredet und ich war von Helmut Adam, der den Mixology-Blog betreibt, vorgewarnt.  Aber ich war nicht vorbereitet darauf, was mich erwartete.

Zuerst die Facts: Stan ist 31 Jahre alt und hat sich irgendwann zwischen seinen beiden Leidenschaften entscheiden müssen: Fotografie und Drinks. Wenn seine Fotografien nur halb so gut wie seine Drinks sind, empfehle ich ihn für jeden globalen Fotowettbewerb. Kein Wunder also auch, dass sein Barmenü fürs Paparazzi 2006 den ersten Preis der Annual American Cocktail Awards gewonnen hat – ein wunderbar designtes Buch, mit dem man sich stundenlang beschäftigen kann. Die Juroren schrieben: „It was your obvious dedication to the cocktail, and the passion for this art, which was obvious in your menu … It was the type of menu that made us think ‘we need to visit this bar.’“

Stan ist nach seinen Lehrjahren in London, Ibiza und Tokio zurückgekehrt. Von seiner letzten Station hat er die Liebe zum Detail mitgebracht.

Ich begab mich in seine Hände.

Wir starteten mit einer Martini-Variante, die aus Hendrick’s Gin, Carpano Antica Formula (einem an Portwein erinnernden roten Wermut), Peychaud’s Bitter (aus New Orleans), Öl aus der Zitronenschale sowie als Garnitur einem Gurkenstern bestand. Ein starker Start in einen guten Abend. Es sollte noch besser werden.

Nachdem ich mich mit ein paar Crostini gestärkt hatte, ging es weiter mit einem Natural Daiquiri. Nun trinke ich normalerweise alle 2-3 Jahre mal einen Daiquiri und kenne eigentlich nur die landläufige Variante mit weißem Rum, Zitrone, oder anderen Früchten, z.B. Brombeere. Das hier war etwas völlig anderes. Die Basis: Sailor Jerry Rum (von einer amerikanischen Karibikinsel: Rum, mit Gewürzen aromatisiert), Limonensaft (bei Stan gibt es nur frische Säfte), Sirup, Mineralwasser sowie eine Zimtstange als Garnitur. Wow! Fast schon ein Weihnachtsgetränk, und doch nicht zu schwer, betört dieser Drink durch die Gewürze.

Und schließlich: The Grande Finale. Wie lange habe ich schon keinen Old Fashioned mehr getrunken, obwohl ich ihn geliebt habe. Aber das war wieder etwas, was man nicht so einfach auf der Barkarte findet: Woodford Reserve, einer meiner Lieblingsbourbons („makes other Bourbons feel underdressed“), lange und in kleinen Portionen, mit einem braunen Zuckerwürfel und Angostura Bitter verrührt, und dann mit einem Schaum getoppt, der aus Ahornsirup, Zitronenschale, und noch einer anderen Zutat bestand, an die ich mich auf Grund meines vorgerückten alkoholisierten Zustands leider nicht mehr so genau erinnere. Muss irgendetwas milchiges gewesen sein, hat jedenfalls grandios geschmeckt, wenn ich sonst auch nicht so auf Süßkram im Glas stehe.

Vielleicht haben Sie Glück und Sie treffen auf Stan, der viel reist, und auch noch andere Bars in Bratislava beaufsichtigt. Nehmen Sie sich Zeit.

Foto: Tails of the Cocktail

Siehe auch: http://www.stanislavvadrna.com/

Bratislava ist in den letzen Jahren so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Jedesmal, wenn ich hier bin, freue ich mich schon im Voraus auf die kulinarischen Genüsse, die diese Stadt zu bieten hat. Ich kenne wenig Plätze auf der Welt, die auf einer Fläche von ca. 2 qkm soviele anspruchsvolle Restaurants mit guter Qualität zu bieten haben. Die Altstadt von Bratislava ist so ein Platz. Und besonders viel Spaß macht Bratislava im Sommer, wenn ausnahmslos alle Altstadtrestaurants eine Terasse bzw. einen Platz an der Sonne anbieten können. Jedesmal wenn ich nach ein bis zwei Monaten Abwesenheit hierher komme, haben wieder eine Handvoll neuer Locations aufgemacht, ohne dass alte Restaurants und Bars an ihrer Stelle geschlossen haben.

Meinen Reigen mit Restaurantempfehlungen für Bratislava beginne ich mit meinem momentanen Lieblingsrestaurant, dem Paparazzi, das traditionelle und moderne italienische Küche auf hohem Niveau zu erschwinglichen Preisen anbietet. Das Paparazzi hat auch eine Cocktailbar, mit einer ansehnlichen Drinkskarte, die nicht nur in der Stadt ihresgleichen sucht. Der Barchef ist Stanislav Vadra, von dem noch an anderer Stelle zu reden sein wird, ebenso wie von der Bar selbst (es scheint die beste in der Stadt zu sein…). Jetzt erst einmal das Essen:

Das Essen im Paparazzi hat mich noch nie enttäuscht. Die Speisekarte ist sortiert nach Vorspeisen (10 Gerichte!), Salate (5!), Risotto (5 Gerichte!), frische Pasta (25 Gerichte!), Fleisch vom Grill und Fisch (20 Gerichte!) und Desserts. Die Qualität der Pasta ist berückend, und neben einigen klassischen Rezepten wie z.B. Pasta mit Ricotta und Spinat, die hier hier zur Perfektion getrieben werden, findet man viele spannende Experimente, wie z.B. Gnocchi neri con ragú de pesce bianco, pesto di rucola e olio de pomodoro (€ 10), ein Gericht für Fischesser, mit starken martitimen Aromen, die mit dem kräftigen Rucolapesto und dem wunderbar fruchtigen Tomatenöl harmonieren. Es geht weiter mit einer Kombination von Fischen, auf einer sizilianischen Capponata, oder klassisch/modernen Fleischrezepten.

Hinter dem Küchenkonzept steckt als Consultant Antonio Iacovelli und als Küchenchef Ladislav Vavro, der jedes Jahr Italien bereist, um neue Ideen für seine kreative Küche zu bekommen.

Man kann blind alle Gerichte von der Karte wählen, die Auswahl ist groß und es ist immer gut – und, was in Bratislava nicht selbstverständlich ist, immer im Preis angemessen. Die Weinkarte geht durch alle italienischen Weinregionen. Der Wermutstropfen: die Preise für die Weine sind stolzer als für das Essen, und leider gibt es keine slowakischen Flaschenweine – auch von diesen wird noch zu reden sein. Wir entschieden uns für einen Santa Catarina 2004 Tocai Friulano von der Winzerei Fantinel (im Restaurant ca. € 54, im Internet ca. € 9): schöne Frühlings- und Zitrusaromen, helle Gewürze, feine Säure. Ein perfekter Begleiter zu den kräftigen Fischgerichten, der seinen Körper den Speisen anpasst.

Paparazzi
geöffnet: immer
Laurinska 1
81101 Bratislava
+421 2 5464 7971

Fotos: (1) suyitan auf Flickr, (2) Impuls-Shop

Ich mag ja eigentlich keinen Irish Whiskey, aber Jameson Irish Whiskey sponsort eine coole Webseite: World’s Best Bars. Besonders gefreut hat mich, dass die Victoria Bar (meine zweitliebste in Berlin) gerade als „Bar of the Month“ rezensiert wird. Die Seite hätte ich eher mal kennen sollen – ab jetzt gibt es keine verzweifelte Suche nach einer guten Bar mehr, wenn ich wieder in einer neuen Stadt ankomme.

Auch findet sich ein Hinweis auf die grandiose Jazzbar Archiduc in Brüssel, die wiederum eine meiner liebsten Bars in der Welt ist und die ich anlässlich meines nächsten bevorstehenden Besuchs rezensieren werde. Art Deco pur, und hervorragende Dry Martinis. Probieren Sie eine Martini mit Citadelle, einem französischen Premium Gin.

Victoria Bar
Potsdamer Str.102
Berlin, 10785
Telephone: 0049 30 2300 4956
Hours:6pm – 3 am daily

Archiduc
6 rue Antoine-Dansaert
Brussels,
Telephone: 00 32 2 512 06 52

Freitagabend. Eigentlich wollte ich zum Jazz ins Bebop in der Kreuzberger Willibald-Alexis-Straße. Leider ist der Club offensichtlich irgendwann in den letzten Tagen abgebrannt; das Konzert fiel also ins Wasser. Da es gerade zu regnen anfing, flüchtete ich mich in die nahegelegene Haifischbar, in der ich seit Jahren nicht mehr war. Im Regal hinter dem Tresen fiel mein Blick sofort auf die Auswahl an Gins: Hendrick’s, Tanqueray, Tanqueray No. 10, sowie eine Marke, die ich bis dato nicht kannte: G-Vine des französichen Produzenten Eurovinegate. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass in der Community eine heftige Diskussion über diese Spirituose  entbrannt ist. Ich fand ihn spontan zu parfürmiert, zu weich, zu wenig kratzbürstig für einen Gin, kann mir aber vorstellen, das man nette Mixgetränke damit herstellen kann. Für einen Dry Martini wird G-Vine bestimmt nicht meine erste Wahl.

Interessant ist jedoch, dass der G-Vine gerade ein Gin-Tasting gewonnen hat, siehe den Eintrag auf meinem Lieblingsdrinkblog mixology. Hier findet man auch eine ausführliche Diskussion über die Marketingstrategie. G-Vine ist nämlich unter dem Motto: „Der Tod des Vodkas“ angetreten und versucht, gerade in den USA, Vodkatrinker zum Gin zu bekehren.

Witzig ist auf jeden Fall der Marketingspot, der auf YouTube veröffentlicht wurde:

Foto: Mixology

Aus Japan ein wunderbarer Video Clip von Angus Winchester darüber, wie man einen perfekten Dry Martini zubereitet:

Danke an  Mixology. Helmut Adam schreibt als Kommentar:

Interessant ist die Tatsache, dass der Vermouth, nachdem das (übrigens fantastische) Eis mit ihm aromatisiert wurde, in ein gefrostetes Shotglas abgeseiht wird. Mr. Hoshi serviert ihn zum eigentlichen Getränk als sogenannten „Chaser“ dazu.

Für diejenigen, die wie ich interessiert sind, welche geheimnisvolle Zutat am Anfang ins Mixglas kommt, um dann weggegossen zu werden – es ist stilles Wasser, das hilft, den Mixbecher herunterzukühlen. 

Leider weiß ich nicht, um welche Bar es sich handelt – aber das Rechercheteam ist schon unterwegs.

Nichts hat mich auf Kairo vorbereitet. Nicht meine Reisen in viele andere Städte des Nahen Ostens (Beirut! Damaskus! Fes! Marrakesh! Dubai!), auch nicht ein Urlaub am Roten Meer. Was fällt einem zu Kairo ein bevor man da war? Große Stadt. Die Pyramiden. Chaos. Aber ein aufregendes Nachtleben wäre so ziemlich das Letzte, das ich von Kairo erwartet hätte. Auch wenn ich nur wenig Gelegenheit hatte, das Nachtleben auszukosten – wie der Name sagt, es fängt in der Nacht an, und ich musste morgens immer früh raus – hier ein paar Eindrücke:

Es ist wie in eine Reise in die Vergangenheit; eine Zeit von der wir Spätgebornenen manchmal träumen: Hinterhöfe, verrauchte Kneipen mit kritischen Türstehern, und dann: das pralle Leben. Hier ein kleiner Querschnitt durch das Nachtleben von Kairo:

After Eight ist ein Nightclub, d.h. eine Diskothek mit Livemusik in Downtown Kairo. Die Bar gibt es seid 40 Jahren, und es scheint, dass einige der Kellner schon bei der Eröffnung dabei waren. Es erinnert an Cafe Kaese der 60er Jahre – abgegriffenes Mobiliar, eine alte Holztheke. Als Remineszenz an die Moderne: Designerlampen, gepaart mit original Tischleuchten mit Lampenschirmen, die bessere Zeiten gesehen haben. Ab Mitternacht steppt hier der Bär – Dancefloor, und irgendwann, ganz spät, beginnt die Liveband mit orientalischen Rhythmen. 

La Bodega bietet eine Mischung aus Lounge und gediegener Restaurantatmosphäre. Auch diese Location ist schwer zu finden – man geht durch eine große metallene Gründerzeittür und fährt dann entweder mit dem mindestens 100 Jahre alten Aufzug oder geht per Treppe in den ersten Stock. Hier gibt es ein klassisch eingerichtetes Restaurant, ein anderes, das mehr Loungeatmosphäre hat, und eine kleine Bar in rotem Licht. Die Speisen sind der typische euroasiatische Fusionmix, der seit ein paar Jahren modern ist: „Minced Seabass Satay“ (Fischbällchen in cremiger und scharfer Sauce – die haben mir am besten geschmeckt), „A Traveller’s Tale of Chicken“ (gegrillte Hähnchenbrust, etwas trocken, zu Glasnudeln mit Chillies), Schokoladen-Orangenmousse (zu viele Gelatine). Das Menu kostet ca. 12 €. Das Essen könnte etwas besser sein, aber die Atmosphäre macht es wett.

Cairo Jazz Club konzentriert sich ganz auf die Musik – kein aufwendiges Design, kein Schnickschnack – eben ein Jazzclub. Viermal die Woche gibt es europäischen oder orientalischen Jazz. Auf Grund der Hauspolitik werden eigentlich nur Paare hineingelassen, da sich Frauen ansonsten bei einem großen Männerüberschuss nicht wohl fühlen. Mit ein bisschen Diskussion kommt man aber als einzelner Mann auch hinein.

Den besten Dry Martini bekam ich übrigens in der Pianobar des Marriott Hotels.

After Eight Nightclub
6, Kasr El Nile St. 
call +202.574.0855

Cairo Jazz Club
197, 26th july st., Agouza
call +202.345.9939

La Bodega
157, 26th of July Street
Zamalek
call +202.735.0543
Reservation recommended.

Yallabina bietet einen guten Überblick über die Szene.

Of all the gin joints in all the towns in all the world she walks into mine. (Rick in „Casablanca“)

Dieser und viele andere Sätze aus meinem Lieblingsfilm fielen mir spontan ein, als ich die drei Meter große hölzerne Tür des Abou El Sid durchschritt. Ich habe mein ganzes Leben darauf gewartet, in eine Bar zu geraten, die ein bisschen von der Atmosphäre von Rick’s Cafe Americain wiederspiegelt. Das Abou El Sid ist nahe dran, eine moderne Interpretation dieses Klassikers, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Es ist dunkel, man riecht die Shisha, die an vielen Tischen geraucht wird – hier verkehren zu 50% Ägypter und zu 50% Ausländer. Die Wände - in kräftigen Grün- und Rottönen auf grobem Putz; orientalische Assecoires wie die unvermeidlichen Messingkronleuchter. Aber es ist stimmig.

Auf der Speisekarte stehen eine Vielzahl libanesischer Vorspeisen, und viele orientalische Hauptspeisen, z.B. mit Reis gefüllte gebratene Taube oder Tajine mit Okra und Kalbfleisch. Die Qualität der Speisen ist sehr gut, aber viel besser ist die Atmosphäre.

Man wartet förmlich darauf, dass Ugarte ankündigt, heute den Coup seines Lebens zu vollenden; oder das Berger unter dem Vorwand von Schmuckverkauf konspirative Treffpunkte flüstert. By the way – das gesamte Drehbuch zu Casablanca gibt es im Internet zum Download.

Das Abou El Sid ist – wie die meisten guten Plätze in Kairo – nicht leicht zu finden. Das kleine Kneipenschild ist hinter einer Palme verborgen. Man kommt von Downtown Kairo über die Brücke des 15. Juli auf die Insel Zamalek und biegt in die erste kleine Straße ein. Ohne Reservierung wird man hier – zumindest in einer Gruppe – nicht glücklich.

Address: 157, 26th of July Street, Zamalek
Phone: 02-7497326 73 59 640
Directions: turn right before AL Diwan bookshop.

Fotos: drymartini (1), Sarrahh’s Cairo page (2)

An der Campo San Luca in der Nähe von San Marco in Venedig gibt es die kleine Bar und Konditorei von Andrea Zanin, der einer der italienischen Meisterpattiseurs ist. Die Bar besticht durch ein cooles Design mit klaren Formen und vor allem die unglaubliche Qualität und Frische der kleinen und großen Sünden, die verlockend auf das Süßmaul warten. Petit Fours, Schokoladentörtchen, etc. alles mit Leichtigkeit und Frische gemacht und von einem netten Service serviert.

Ansonsten kann man an der Bar natürlich den typischen venetianischen Aperitif genießen: Spritz (ausgesprochen: s-p-rritze): Aperol, Prosecco und Mineralwasser, im Verhältnis 2:2:1, dazu eine Orangenscheibe sowie eine dicke grüne Olive. Aperol komt von „öffnen“ – also der Aperitif schlechthin.

Was dem Madrileño seine Tapas, sind dem Venezier die Cicchetti – kleine Happen, die man entweder zum Drink, oder aber auch als volles Mittag- oder Abendessen zu sich nimmt; im Stehen oder Sitzen. Ein perfekter Platz hierzu ist die Trattoria Ca’ D’Oro „Alla Vedova“ im Stadtteil Cannaregio. Hierhin verírren sich wenige Touristen. Das Restaurant wird in der dritten Generation familiär geführt.

Wie gut, wenn, man von Venezianern in diese Kultur eingeführt wird. Wir waren zu viert und aßen, unter anderem: Scampi, Garnelen, Krabben, Stockfischpürree mit Polenta, Polpetti (fritierte Bällchen aus Kalbshack), Kartoffeloktopussalat (für mich das Highlight), fritierte Peperoni (in Spanien sagt man hierzu „Pimientos al Padron“) und vermutlich noch mehr. Der Hauswein, ein Chardonnay, passte hervorragend.

Adresse:
Ca’ D’Oro, 3912
(Cannaregio)
Venedig
Telefono: 041-5285324
geschlossen: Donnerstag und Sonntagmittag

Nein, Venedig ist nicht nur Touristenabzocke. Es gibt in Venedig viele Restaurants und Bars, wo man nicht das Gefühl hat, sein Geld in ein Groschengrab zu werfen. Eine solche Location ist die Enoteca Mascareta, fünf Minuten vom Markusplatz entfernt, nahe des Campo Santa Maria Formosa. Mascareta wird von dem bekannten italienischen Sommelier Mauro Lorenzon geführt und folgt dem klassischen Enotecarezept: Man kann essen, man kann aber auch einfach nur drinken, und egal, ob man nur Vospeisen oder ein Menü isst, der Service bleibt der gleiche. Die offene Flasche Wein wird auf den Tisch gestellt und wieviel man am Ende bezahlt, ist Verhandlungs- und Sympatiesache. In jedem Fall fühlt man sich nicht übers Leder gezogen.

Es gibt Vorspeisenplatten, entweder Käse und Schinken/Salami oder ein reichhaltiger Teller mit eingelegtem Fisch und Meeresfrüchten (geräucherter Schwert-, Tun- und Mönchsfisch, Oktopussalat mit kleinen Oliven, Sardellen und Sardinen etc., eine Teller für zwei Personen kostet € 20). Außerdem kann man aus fünf Vorspeisen (z.B. Crespelle mit Jakobsmuscheln, oder Bohnensuppe, je € 15) und fünf Hauptgerichten (z.B. geschmortes Lamm oder Stockfisch, je €20) wählen. Ein Highlight für Hartgesottene: Sepia mit Polenta; das ganze in ein Bad von schwarzer Tinte getaucht – am Ende sah meine Serviette aus, als hätte ich damit schwarze Schuhe geputzt.

Man kann alle Weine glasweise bekommen – d.h. wir reden von mehr als hundert verschiedenen Weinen.  Die Enoteca bietet fünf reginonale Weiß- und fünf Rotweine sowie einen hervorragenden halbtrockenen Spumante zum Glas von € 3 an.

Mich hat vor allem der Valpollicella al Corte del Pozzo 2004 von Fasoli Gino überzeugt; ein Wein, bei dem man daran erinnert wird, warum man Altweltweine trinken sollte. Einen solchen Wein wird man außerhalb von europäischen Lagen nicht finden; und auch in Europa wird so etwas rar. Wie soll man einen solchen Wein beschreiben? Er schmeckt nicht nach roten Beeren, nicht nach Lakritz oder Vanille (ist ja auch nicht im Barrique ausgebaut). Am ehesten noch rote Kirsche, vielleicht auch ein bisschen Pfeffer und Leder, aber ansonsten einfach nur nach Wein; mit ausgeprägter Säure, aber doch weich bis ans Ende des Gaumens.

Enoteca Mascareta
Castello
Calle Lunga Santa Maria Formosa
(nahe Campo Santa Maria Formosa)
Venedig
Telefon: +39 41 523 0744

Nächste Seite »