Da las ich doch heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in einem ansonst hervorragenden Feuilletonartikel (”Das Grauen vom Lande: Nicht die Provinz ist böse; es ist der Provinzialismus….Warum wir uns vor Kurt Beck fürchten müssen“), dass Berlin nicht die Metropole ist. Lieber Claudius Seidl, solche Klassifizierungen treffen tief ins Mark meiner Berliner Identität, und ich empfehle Ihnen einen Besuch in der neuen Bar Tausend am Schiffbauerdamm (wenn Sie der Türsteher denn reinlässt).
Gestern abend war ich da, mit den Herren Adam und Heuser von Mixology. Es war, wie zu erwarten, ein feuchter aber vor allem fröhlicher Abend, an dessen Anfang wir noch die angenehme Gesellschaft des Bartenders Mario Grünenfelder genießen konnen, der gerade zum Mixologen des Jahres 2007 gewählt wurde (odr?). Die Freude über Marios Anwesenheit wärte leider nicht lange, da die Bar ab ca. 23 Uhr wie eine Sardinendose gepackt war und er nur von Zeit zu Zeit mit frisch gefüllten Gläsern vorbeischauen konnte.
Die Bar Tausend hat alles was sie dazu prädestiniert, zur angesagten Hauptstadtlocation zu werden, von der man in New York oder São Paulo oder Tokyo redet (bye, bye, 90 Grad…). Gelegen im Epizentrum der Hauptstadt, findet man sie nur, wenn man weiß, wo man suchen soll. Kein Licht, kein Kneipenschild, keine Klingel an der Eisentür unter der Bahnlinie Paris-Moskau. Ein Türsteher, der aber zu früher Stunde Milde walten lässt (wie lange noch?). Klassisches 80er Jahre Clubdesign mit viel Metall und Glas. Super gute Livemusik. Publikum, dass sich gerne sieht und sich sehen lässt. Viel Champagner und Vodka (Green Mark). Also ein Luxus-Hedonisten-schöne Menschen-Schuppen – aber zum Glück auch für Normalos genießbar.
Die Aufgabe von Mario, in einem Laden, der gut und gerne 200 Menschen fasst, hohe Qualität bei den Drinks zu halten, ist eine hohe Herausforderung und ich hoffe, dass er nicht daran verzweifeln wird. Die Drinks sind momentan klasse, wie zu erwarten, ob der Manhattan, der hier mit Rittenhouse Rye und Carapano Antica Formula perfektioniert wird, oder der von uns allen geliebte Beuser & Angus Special (oder so ähnlich), ein Sour auf Chartreuse Grün Basis.
Zu erwähnen ansonsten noch die kleine Karte mit Häppchen (Austern, Dim Sum), die von dem grandiosen Küchenchef Gordon W. serviert werden. Gordon W. ist eine eindrucksvolle kanadische Erscheinung, mit bewegter Geschichte und eigenem Wikipediaeintrag und und alleine schon ein Besuch im Tausend wert. Ich sage es doch: Berlin ist die Metropole.
Vielleicht gibt es hier bald noch ein paar Fotos, solange bei http://www.philipp-m-wittulsky.de/ reinschauen.
Tausend
Schiffbauerdamm 11
1000 Berlin-Mitte
Tel. 41 71 53 96
Öffnungszeiten: Mi.-Sbd. ab 20 Uhr
Donnerstag, 13. Dezember, 2007 at 18:29
Schönen guten Abend,
mein Name ist Jana Wendtland, ich bin zur Zeit auf der Suche nach einem Job hinter der Bar oder im Service. Ich habe langjährige Erfahrung, bin offen, teamfähig und belastbar. Falls Interesse besteht, würde ich gerne mal persönlich vorbeischauen, um mich vorzustellen.Bin flexibel einsetzbar und erreichbar unter 65700242, oder oben genannter E-Mail Adresse. Recht herzlichen Dank…Jana
Freitag, 22. Februar, 2008 at 21:48
Schon mal auf dem Dorf gewesen und dabei zugesehen, wie die Menschen dort aussehen, wenn Sie versuchen, besonders zu sein? Nein? Na dann! Ab ins Grausend!
Sonntag, 9. November, 2008 at 23:55
“Hauptstadtlocation”… location stammt ja bekanntermassen aus dem Englischen. Trotz dass Englisch ja in Deutschland Fremdsprache Nummer Eins ist und sogar an der Hauptschule gelehrt wird, so bleiben die Nuancen der Englischen Sprache den meisten Deutschen wohl trotzdem fremd. Man entbloedet sich offensichtlich nicht, ohne Ruecksicht auf Sinn und Aesthetik staendig Anglizismen in den Deutschen Sprachgebrauch zu uebernehmen, selbst wenn die eigentliche Bedeutung der Worte dem Benutzer ganz offensichtlich im Dunkeln liegen. Schlimmste Beispiele sind frei erfundene Englische Worte, die weder im Englischen noch im Amerikanschen Sprachgebrauch existieren: Allen voran das leidige “Handy” das es im Englischen schlicht nicht gibt. Das Mobiltelefon ist ein “cellphone” oder als Kurzform, das “cell”. Unnoetig zu Erwaehnen bleibt, dass sich wohl noch Generationen von USA- oder GB-Urlaubern mit der Frage nach der Mobiltelephonnummer etc. den Einheimischen gegenueber zum Kasper machen. Mit Grauen erinnert man sich auch an eine Phase, als zumindest dem Koerperbau nach Erwachsene auf Tretrollern forbewegten und den Aparatus dan gleich “trendy” als “Kickboard” tauften… natuerlich gibt es ein “Kickboard” gar nicht. In den USA oder in England heisst das Kinderspielzeug “scooter”.
Mit “location” ist es aehnlich. Damit ist die geographische Lage eines Objektes gemeint. Niemals das Objekt selbst. ich will erst gar nicht mit der “Lounge” anfangen und wie das Wort eigentlich ausgesprochen wird…
AUA!